Angebot zum Blick hinter die Kulissen stieß auf Interesse

12.9.2005, 00:00 Uhr
Walter Dietrich von der Arbeitsgemeinschaft Burg begrüßt im großen Saal des Ostflügels der Cadolzburg eine der vielen Besuchergruppen. Foto: Günter B. Kögler

Walter Dietrich von der Arbeitsgemeinschaft Burg begrüßt im großen Saal des Ostflügels der Cadolzburg eine der vielen Besuchergruppen. Foto: Günter B. Kögler © -

Zurück zu den Wurzeln: Unter dem Motto „Krieg und Frieden“ wurden bedeutende Schauplätze der Entwicklung unter die Lupe genommen. Zu den Raritäten zählte die Öffnung der Cadolzburg. Da konnten mit der Neumühle und der ehemaligen Klosterförsterei zwei geschichtlich interessante Gebäude in Langenzenn besichtigt werden, die sich in Privatbesitz befinden.

Vor allem die Hohenzollernburg, die wegen weiterer Umbaumaßnahmen für die nächsten zwei Jahre für die Öffentlichkeit gesperrt sein wird, stand in der Publikumsgunst ganz oben. Unter Mitwirkung ehrenamtlicher Helfer der Arbeitsgruppe Burg fanden stündlich Führungen statt, zu denen die Heimatpfleger Hans Werner Kress und Hans Krämer die fachkundigen Details lieferten.

Im Rohzustand

Bestaunt werden konnten die erst kürzlich fertig gestellte Kapelle und Krypta mit dem wertvollen „Cadolzburger Altar“. Noch mehr oder weniger im Rohzustand befindet sich hingegen das so genannte „Alte Schloss“, das bis zum Sommer 2007 so weit renoviert sein soll, dass es für Rundgänge, Ausstellungen oder andere Veranstaltungen nutzbar sein soll. Noch ist hier nicht über alle Fragen der Sanierung entschieden.

Die Langenzenner Klosterförsterei, ein imposantes Fachwerkgebäude neben dem Friedhof, war nur für wenige Stunden zugänglich. Hier führten die privaten Eigentümer durch das Haus, das vor allem beeindruckende Holzbohlenkonstruktionen aufweist. Das Nürnberger Ehepaar hatte hier ein stadtbildprägendes Haus vor dem endgültigen Verfall gerettet. Etwas mehr Zeit konnten sich die Besucher dann für die Besichtigung der ebenfalls in Langenzenn befindlichen Neumühle nehmen. Auch in dem Gebäudekomplex aus dem 19. Jahrhundert war Holz und Fachwerk stilbildend. Wer sich für technische Details interessierte, konnte außerdem eine Turbine zur Stromerzeugung mit Wasserkraft bewundern.

Fachkundiges Publikum

Regen Zulauf erhielt in der einstigen Fürther Südstadt-Kaserne Stadtheimatpfleger Alexander Mayer. Rund 250 Menschen ließen sich vor der Grünen Halle die Geschichte des Quartiers vor Augen führen. Mayer beließ es nicht bei Anmerkungen zu den historischen Gebäuden, sondern suchte den historischen Zusammenhang. So wurde sein geschichtlicher Abriss der Kasernengeschichte zugleich zu einem Spiegelbild der allgemeinen politischen Entwicklung.

Was den Stadtheimatpfleger beeindruckte, war die Fachkunde seines Publikums, das sich zum Großteil aus Bewohnern der neuen Südstadt rekrutierte. Lebhafte Diskussionen entzündeten sich an der streng symmetrischen Gestaltung des neuen Südstadtparks. Befürworter und Kritiker hielten sich dabei zahlenmäßig in etwa die Waage.

Rund 800 Besucher nutzten den Tag des Denkmals, um im Fürther Logenhaus den 2003 restaurierten Festsaal und den maurischen Lichthof zu besichtigen sowie im Clubraum und Tempel einen Einblick in die Arbeit der Freimaurerloge zu bekommen.

Bereits zur Eröffnung am 1. September 1891 erweckte die villenartige Anlage mit dem umgebenden Ziergarten Bewunderung. Doch während des Dritten Reiches wurde das Gebäude beschlagnahmt, als Kulturvereinsgebäude genutzt und dabei nach Aussagen von Walter von Wittke, dem verantwortlichen Leiter der Restaurierung, „kaputtsaniert“. 2002 entschied man sich einerseits für ein schrittweises Vorgehen, andererseits gegen eine völlige Rekonstruktion der Bemalung.

Mehr als nur die 1901 errichtete Leichenhalle des neuen jüdischen Friedhofes erläuterten die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Fürths, Gisela N. Blume, und Mitarbeiter der städtischen Gebäudewirtschaft den rund 250 Besuchern. Dem Tagesmotto gemäß wurde auch der Vaterlandseinsatz jüdischer Mitbürger im Ersten Weltkrieg und der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung unter der Naziherrschaft anhand von Fürther Schicksalen ergreifend vor Augen geführt.

Über die jüdischen Totenrituale erfuhren die Besucher ebenso interessante Details wie über das historische Bauwerk. Dieses wurde zwar nicht kaputtsaniert, bedarf jedoch einer gründlichen Instandsetzung.