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Anja Molendijks Kunst der vielschichtigen Zufälle

Neue Arbeiten in Christian Fritsches Fürther Galerie in der Promenade - 08.06.2017 19:00 Uhr

Genaues Hinschauen lohnt sich: Die Fürther Malerin Anja Molendijk fragt nach Verborgenem und Verschüttetem. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Verrätseln ist Anja Molendijks Ding. Wobei sich der Titel der bis 18. Juni verlängerten Schau — "Nicht weit, ganz in der Nähe" — leichter erklärt als manche Beschriftung der wuchtigen Großformate, die "Grenzposten der Nebel" heißen, "Er kann sich sehr weit entfernen" oder "Es fiel der Tau nicht auf sie". Lange Straße-Hornschuchpromenade, es ist ein Katzensprung. Hier lebt und arbeitet die Künstlerin, dort lebt und stellt der Galerist aus, nicht weit, ganz in der Nähe.

Aber "Grenzposten der Nebel"? Sie versehe ihre Arbeiten bewusst mit mysteriösen Umschreibungen, bekennt die Malerin, die seit vielen Jahren in der ersten Reihe der Fürther Kunstszene unterwegs ist. Man kann es auch Ironisierung nennen, eine augenzwinkernde Abrechnung mit den Chiffren der Branche, so wie es Kerkeling einst mit seiner "Hurz"-Nummer vorführte. Molendijk: "Niemand muss etwas von Kunst verstehen. Die Angst davor ist völlig unnötig. Wenn du dich fragst, was es ist, dann lass es einfach auf dich zukommen."

Bei Fritsche zeigt die Mit-Organisatorin des jährlichen Atelierwochendes des Kultrrings C rund 30 Arbeiten und Baumwollstickereien, entstanden allesamt zwischen 2014 und diesem Jahr — und abermals geht der Betrachter auf Abenteuerreise. Was ihm begegnet, ist ein magischer Realismus auf einsamem technischen Niveau. In schier aberwitziger Vielfalt collagiert, ritzt und wischt Molendijk, türmt Schichten zu Vielschichtigem auf. Was entsteht, ist nicht akribisch geplant, aber in alle Richtungen ausdeutbar. Pflanzenartige Gebilde, Tiergespinste, Blätter neben Skeletten, Tiefseeflora, Lamellentierchen: Molendijk pflegt die Kunst der absichtlichen Zufälle, lässt feinste Rottöne sich in wirbelsäulenähnliche Gebilde einschleichen, Schwarz ringt mit Gold — und immer bleibt die Frage, was sich hinter diesen tollkühnen Bilderwelten verbirgt.

Gastgeber Fritsche: "Mit ihren Arbeiten fragt sie nach Verborgenem, Verschütteten, auch durch ihre Malweise." Unbedingt sehenswert.

Galerie in der Promenade, Hornschuchpromenade 17. Nach Vereinbarung unter Tel. 706660. Bis 18. Juni.

MATTHIAS BOLL

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