Annäherung an Paul Fronmüller

26.3.2014, 11:00 Uhr
Trotz aufwendiger Recherche war Fronmüller für Dörte Hanusch-Beuerle schwer zu fassen.

Trotz aufwendiger Recherche war Fronmüller für Dörte Hanusch-Beuerle schwer zu fassen. © Winckler

Frau Hanusch-Beuerle, was hat Sie so an der Person Paul Fronmüller gereizt?

Dörte Hanusch-Beuerle: Ich finde es interessant, wie er sich in der Stadtpolitik eingebracht hat. Er hat mit seiner Arbeit nicht nur innerhalb der Gemeinde gewirkt, sondern auch in ganz Fürth. Seine Amtszeit war auch eine äußerst dramatische: vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Das Feld zwischen Kirche und Politik finde ich sehr spannend, ich wollte wissen, wie er sich positioniert hat.

Manche Menschen bezeichnen Fronmüller als Nationalsozialist. Wo stand er Ihrer Meinung nach politisch?

Hanusch-Beuerle: Seine politische Einstellung war sehr schwammig. Fest steht: Er war ein Sittlichkeitsfanatiker — vor allem, wenn es darum ging, was in den Zwanziger Jahren aus Amerika nach Deutschland kam. Musik, Tanz, Emanzipation — davor hatte er Angst. Er war auch strikt gegen Alkohol und Zigaretten. Das sind alles Andockpunkte zur nationalsozialistischen Ideologie. Trotzdem sieht man in seinen Gemeindebriefen nicht eindeutig, dass er dem Nationalsozialismus voll zustimmte. Eine klare Abneigung habe ich aber auch nicht erkannt.

Wie hat er sich politisch engagiert?

Hanusch-Beuerle: Zum einen war er im Fürther Stadtrat aktiv, weil er dem Ganzen eine christliche Note verleihen wollte, zum anderen war er Mitbegründer des Vereins „Treu Fürth“, der sich sehr gegen den Zusammenschluss von Nürnberg und Fürth wehrte...

...und in dem sich auch jüdische Bürger engagierten. Warum war Paul Fronmüller gegen diese „Einverleibung“?

Hanusch-Beuerle: Da schlug vermutlich sein Lokalpatriotismus durch. Fürth war ihm sehr wichtig, und zwar als eigene Stadt, mit ganz eigenen Merkmalen. Doch mit der Verhinderung des Zusammenschlusses — der hätte nämlich eine wirtschaftliche Verbesserung mit sich gebracht — zog er den Zorn der Arbeiter auf sich. Zuvor hatte er so oft für diese Bevölkerungsgruppe geschrieben, das war ihm eigentlich bis dato eine Herzensangelegenheit. Für mich macht diese Aktion keinen Sinn.

Kam es bei den Recherchen für Ihre Arbeit häufiger vor, dass Ihnen Fronmüllers Verhalten widersprüchlich erschien?

Hanusch-Beuerle: Ja. Zum Beispiel hat Fronmüller zu Beginn seiner Amtszeit angefangen, Siegeskundgebungen nach deutschen Kriegserfolgen auf seinem Kirchenplatz zu geben. Dadurch wurde er natürlich als Kriegstreiber wahrgenommen. Dabei sah er den Krieg eigentlich sehr kritisch, zumal er bereits 1915 seinen Sohn verloren hatte. In seinen Gemeindeblättern jedenfalls hat sich Fronmüller nicht positiv geäußert, ganz im Gegenteil, er veröffentlichte sogar Feldpostbriefe von jungen Soldaten, die die schreckliche Realität des Krieges beschrieben.

Sie haben sich monatelang mit Fronmüller beschäftigt. Kamen Sie irgendwann an den Punkt, an dem Sie sagen konnten: Ich habe diese Person jetzt durchschaut?

Hanusch-Beuerle: Nein. Ich habe immer gehofft, etwas zu finden, wodurch man ihn richtig darstellen kann. Aber man kann nicht eindeutig sagen, was für ein Mensch das nun war. Es gibt auch keine direkten Nachkommen, die ich hätte fragen können. So ist es schwer, ein Bild über eine Person zu bekommen.

Hört sich ernüchternd an. Was haben Sie als Studentin trotzdem gelernt?

Hanusch-Beuerle: Dass man vorsichtig sein muss und nicht zu vorschnell über Leute aus anderen Zeiten urteilen darf. Wir haben heute genügend Abstand zur Geschichte. Wenn man aber mittendrin steckt, ist  alles oft anderes.
 

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