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Auch in der Corona-Pandemie: Feuerwehren sind auf Zack

Brandschützer mussten vieles umstellen, dennoch konnten sie ihre Aufgaben gut bewältigen - 15.07.2020 19:00 Uhr

Es gibt immer was zu tun: Mitglieder der FFW Zirndorf bei einer Übung mit der Seilwinde – vorschriftsmäßig mit Mund-Nasen-Masken.

© Foto: Florian Burghardt


In Zirndorf hat man die über 30 aktiven Feuerwehrleute in Staffeln zu jeweils sechs Personen eingeteilt. Diese üben seit Mai regelmäßig nur miteinander und kommen nicht mit anderen Staffeln in Kontakt. Auch innerhalb der kleinen Runde gelte das Abstandsgebot von 1,5 Metern. Kommt man sich doch einmal näher, so ist eine Mund-Nasen-Maske zu tragen.

"Im Einsatz kann es aber auch anders aussehen", berichtet Jochen Bernecker, erster Kommandant der städtischen FFW. Rund 190 Mal musste die Zirndorfer Wehr im ersten Halbjahr ausrücken. Auch dabei wurde versucht, Masken- und Abstandsgebot trotz mehrerer gleichzeitig agierender Staffeln einzuhalten. Letzten Endes stehe aber natürlich die erfolgreiche Rettung an vorderster Stelle.

Keine Willkür

Berneckers Regeln sind nicht willkürlich gesetzt. Das bayerische Innenministerium hatte zunächst mit Wirkung zum 12. März einen Übungsstopp für die Freiwilligen Feuerwehren ausgesprochen. Ab dem 18. Mai war dann wieder Training in Staffelstärke erlaubt, also maximal zu sechst. Eine weitere Lockerung folgte zum 15. Juni: Seitdem dürfen die Feuerwehrleute immerhin wieder zu neunt agieren, in Gruppenstärke.

Diesen Zeitpunkt haben mehrere Wehren in Stadt und Landkreis genutzt, um wieder in die aktive Einsatzvorbereitung einzusteigen. In Fürth-Stadeln beispielsweise wurden bis Mitte Juni gar keine Übungen mehr durchgeführt, erzählt Kommandant Bernd Lohbauer. Man habe aber eine spezielle Einweisung erhalten, wie man sich etwa bei einem Einsatz mit Corona-Patienten verhalten muss. Lohbauer ist aber überzeugt: "Auch ohne regelmäßiges Üben sind die Wehren leistungsfähig."

Das glaubt auch Brandrat Frank Bauer, zuständig für den Landkreis Fürth. "Die Kolleginnen und Kollegen von den Freiwilligen Feuerwehren sind schon länger daran gewöhnt, aufeinander achtzugeben, um sich nicht gegenseitig anzustecken", sagt er. Schließlich müsse die Wehr stets einsatzbereit bleiben und dürfe nicht komplett ausfallen.

Die Regeln mit Masken und Abstand hält Bauer für umsetzbar, die Ehrenamtlichen würden sich bislang vorbildlich daran halten. Worauf man aber knapp vier Monate verzichten musste, sind gemeinsame Übungen mit anderen Wehren. "Das sind viele von uns gewohnt, und der Austausch bringt uns alle weiter", weiß der Kreisbrandrat.

Seit dem 8. Juli sind aber auch diese wehrübergreifenden Übungen wieder möglich. Vielerorts will man dennoch erst einmal nichts überstürzen – so auch im Roßtaler Ortsteil Oedenreuth, wo die Wehr der bisherigen Praxis treu bleibt. Das heißt: Übungen nur untereinander, im Freien und mit ausreichend Abstand.

Das Maskentragen will Kommandant Stefan Kollischon seinen 22 Aktiven indes nach Möglichkeit nicht zumuten. "Wir machen derzeit viel Gerätekunde und üben zum Beispiel auch das Knüpfen und Lösen von Knoten. Dabei lässt sich ganz gut Distanz halten", erzählt Kollischon.

Bis in den Juli hinein war auch die Abnahme von Leistungsabzeichen ausgesetzt. Keine bloße Formalität, denn wenn die nötigen Kenntnisse, etwa für das Tragen von Atemschutzgeräten, nicht offiziell bestätigt sind, können die Wehren ihre Leute im Ernstfall nicht einsetzen.

Grundausbildung muss warten

In Zirndorf musste man im März beispielsweise die modulare Truppausbildung (MTA), die Grundausbildung für Freiwillige Feuerwehrleute, unterbrechen, die traditionell zusammen mit anderen Wehren absolviert wird. Eine Wiederaufnahme ist aktuell aber noch nicht möglich.

"Der jüngste Lockerung erlaubt nur Zusatzmodule, aber nicht die MTA an sich", weiß Bernecker. Zu häufiges Umstellen hält er zudem für kontraproduktiv; er will deshalb vorerst an den Übungen in Staffelstärke festhalten.

Eine Sonderstellung genießt auch in Corona-Zeiten die Berufsfeuerwehr. "Wir haben weiterhin geübt, unsere Leute aber in drei Wachabteilungen zu je zwei Gruppen aufgeteilt", erklärt Christian Gußner, Leiter des Fürther Amts für Brand- und Katastrophenschutz. Auch für seine Wehr gelten Masken- und Abstandsgebot. Beim Wachwechsel achte man deshalb weiterhin strikt auf räumliche Trennung.

Der Lehrgangsstopp machte sich jedoch auch bei der Fürther Berufsfeuerwehr bemerkbar. Sechs neue Kollegen hätten eigentlich früher loslegen sollen, können ihre Grundausbildung nun aber erst im Januar beginnen. Zudem hat es intern Verzögerungen bei der Stellenbesetzung gegeben, so Gußner. Einsatzbereit sei man aber zu jeder Zeit gewesen.

Florian Burghardt

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