Montag, 27.01.2020

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Auf Marktkauf wird lange nichts folgen

Frühestens im Herbst 2011 ist mit einer neuen Nutzung des verwaisten Innenstadt-Komplexes zu rechnen - 09.12.2010 11:00 Uhr

Die Marktkauf-Schriftzüge sind längst von dem seit zwei Monaten leerstehenden Gebäude mit den großen Fensterfronten verschwunden. Jetzt wird immerhin das Parkhaus (rechter Bildrand) wieder bewirtschaftet. © Horst Linke


ist wegen diffiziler Verhandlungen und eines nötigen Umbaus frühestens im Herbst 2011 zu rechnen.

Selbst das aber sei schon eine ziemlich optimistische Prognose, gestand die beim Immobilienfonds Treveria verantwortliche Managerin Manuela Blumenthal gestern auf Anfrage der Fürther Nachrichten. Treveria, hauptsächlich in der Hand britischer und niederländischer Teilhaber, ist Eigentümer des Gebäudes — und Blumenthal tritt energisch Spekulationen entgegen, der Fonds könnte es möglicherweise gar nicht so eilig haben mit der Wiederbelebung der Immobilie im kleinen Fürth.

„Ein unnötiger Leerstand ist absolut nicht unser Ziel“, betont die Managerin, die unter anderem für die Kleeblattstadt zuständig ist. Von München aus betreut sie jene der insgesamt 420 deutschen Treveria-Immobilien, die sich im Süden und Osten befinden — viele davon Häuser mit Einzelhandelsnutzungen in Innenstadtlagen. Blumenthal versichert auch ihr Bedauern darüber, dass es in Fürth überhaupt zum Scheitern der Verhandlungen mit Edeka gekommen ist, unter dessen Dach sich die Marktkauf-Filialen befinden.

Kontakt zur Rewe

Ändern lasse sich jedoch nichts mehr am Aus für das SB-Warenhaus, das Ende September für immer seine Pforten schloss; man müsse sich nun auf einen Neustart konzentrieren. Mit der Stadtspitze ist Blumenthal einer Meinung, dass in erster Linie ein Ersatz für das verlorengegangene Lebensmittelangebot in der City anzustreben ist. Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller hat inzwischen den Kontakt zwischen Treveria und dem Rewe-Konzern hergestellt, der seit einiger Zeit mit großem Erfolg eine Dependance an der Eckart-Plaza in der Südstadt betreibt.

Rewe, sagt Müller, sei einem weiteren Engagement in Fürth nicht abgeneigt, auch Blumenthal bestätigt, man führe erfolgversprechende Gespräche. Das Problem: Rewe dürfte zwar für die nötige Kundenfrequenz sorgen, wird die stattliche Fläche aber nicht allein füllen, die Marktkauf mit seinen 7500 Quadratmetern in Erd- und Untergeschoss hinterlassen hat. Deshalb müssen um den neuen Lebensmittelanbieter herum andere Branchen gruppiert werden. „Wir haben viele Anfragen“, so Blumenthal, „aber es passt eben nicht alles zusammen.“

Die richtige Mixtur zu finden, die von allen Beteiligten akzeptiert wird, sei die eine Hürde; hinzu komme das problematische Innenleben des Gebäudes: Vor 20 Jahren für einen einzigen Vollsortimenter konzipiert, müssen die Flächen jetzt zerschlagen und sinnvoll aufgeteilt werden. „Daraus eine runde Sache zu machen, ist schwierig“, sagt Blumenthal.

All dies in Rechnung gestellt, ist vor dem Frühjahr 2011 kaum eine Einigung über neue Mietverträge zu erwarten, danach muss aufwändig umgebaut werden — mindestens ein halbes Jahr lang. Das sind Zeitspannen, die im Fürther Rathaus für Murren sorgen, denn dort hätte man sich eine schnellere Entwicklung erhofft. „Ein längerer Leerstand ist nicht gut, das Stammpublikum verläuft sich sonst“, gibt Wirtschaftsreferent Müller zu bedenken.

Beschleunigen kann freilich auch er nichts, und so muss man bei der Kommune derzeit schon mit kleinen Erfolgen zufrieden sein: Immerhin das Marktkauf-Parkhaus wird seit Anfang Dezember wieder bewirtschaftet, stolze 740 Stellplätze stehen dort zur Verfügung. Vor allem der Einzelhandel im Zentrum hatte Druck gemacht, sie wieder nutzbar zu machen, solange der Parkplatz auf der Freiheit vom Weihnachtsmarkt okkupiert ist.



 

Wolfgang Händel

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