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Montag, 21.10.2019

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Aufbruchstimmung bei den Einzelhändlern

Bevorstehende Wiederbelebung des City-Centers soll wichtige Impulse geben - «Ein Riesenschritt voran« - 26.11.2009

Als besonders problematisch gelten die eher unauffälligen Zugänge zum City-Center. Unter neuer Leitung werde sich das Einkaufszentrum besser öffnen, hoffen Einzelhandelsvertreter. © Roland Huber


Norbert Staudt ist hörbar erleichtert. «Das nimmt uns eine Last«, sagt der Chef des Einzelhandelsverbands in Fürth. «Jetzt wissen alle: Es geht weiter.« Und auch seine Kollegin Rita Erhardt von den «Kreativen Einzelhändlerinnen« (KEH) verspricht sich vom Übergang des Centers in neue Hände eine entscheidende Belebung der Einkaufslandschaft.

Das «große Problem«, meint Staudt, Inhaber eines Kunstgewerbegeschäfts an der Freiheit, sei «der Stillstand der letzten Jahre« gewesen – maßgeblich mitverursacht durch die langwierigen Diskussionen über die Pläne für die «Neue Mitte«, das groß angelegte und schließlich gescheiterte Shopping-Center an der Rudolf-Breitscheid-Straße.

Bei aller Freude über die bevorstehende Wiederbelebung des alten City-Centers bleibt Staudt davon überzeugt, dass der Neubau noch besser, noch belebender für die Stadt gewesen wäre. Der Komplex, glaubt er, hätte den restlichen Einzelhandel in der City stärker einbezogen und «eine Einheit geschaffen«.

Anbindung nicht gut

Staudt hofft immerhin, dass das Unternehmen Sonae Sierra, designierter Käufer des City-Centers, dafür sorgt, es effektiver als bisher mit der Innenstadt vor der Tür zu verknüpfen. «Die Anbindung ist nicht gut, das Center ist verschanzt wie in einer Wagenburg«, kritisiert der Einzelhandelsfunktionär. Größere Zugänge müssten entstehen und in der «absolut toten« Alexanderstraße Schaufensterfronten geschaffen werden.

Genau solche Pläne aber provozieren vermutlich neuen Widerspruch bei Denkmalschützern, weil zu diesem Zweck in alte Bausubstanz eingegriffen werden müsste. Ein Konflikt, den auch Architekt Christofer Hornstein sieht, den man aber entschärfen könne - zumal auch nach seiner Ansicht niemand bestreiten kann, dass die Eingänge zum Center ausgebaut werden müssen. Hornstein, einer der führenden Köpfe jener Bürgerinitiative, die hartnäckig gegen die «Neue Mitte«-Pläne kämpfte, zeigt sich ungeachtet dessen «hocherfreut« über die jüngste Entwicklung: «Das ist die richtige Lösung für Fürth.«

Auch Christian Nowak, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Fürth, ist voller Zuversicht: «Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, das ist ein Riesenschritt voran.« Er habe «viel Zutrauen«, dass Sonae Sierra ein stimmiges Konzept mit dem richtigen Branchenmix vorlegt. Für Nowak heißt das: Auch «alteingesessene Geschäfte« und solche, die sich bereits im Center befinden, müssen berücksichtigt werden – und nicht nur das sattsam bekannte Sortiment von Filialisten, «die man überall findet«.

Zäh verhandelt

Nowak - wie Staudt und Hornstein voll des Lobes für den seit Monaten in Sachen City-Center zäh verhandelnden Wirtschaftsreferenten Horst Müller - mahnt jedoch die Stadtspitze. Sie müsse sich nun darum kümmern, das Gebiet rund um die Breitscheidstraße ebenfalls in Schuss zu bringen.

Das liegt auch Einzelhandelschef Norbert Staudt ganz besonders am Herzen. «Wir dürfen nicht vor lauter Euphorie die unsägliche Situation dort vergessen«, findet er. Ein verwaistes Fiedler-Haus und das heruntergekommene Wölfel-Areal mit seinen verschachtelten und unansehnlichen Hinterhöfen - «einer Großstadt wie Fürth«, sagt Staudt, «ist das nicht würdig. Diese Baustelle muss endlich angegangen werden.«

Eine Haltung, mit der man bei der Stadt offene Türen einrennt. Allerdings muss sich erst einmal ein neuer mutiger Investor finden, nachdem Sonae Sierra die Segel gestrichen hat.

Einen Bericht über die Stimmung der Geschäftsleute im City-Center lesen Sie in der Printausgabe der Fürther Nachrichten vom Donnerstag

Wolfgang Händel

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