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Aufführungspause für Großstadtträume naht

Die Sparpläne und die Fürther Kultur: Künstler und Macher warten gespannt ab - «Noch kein Weltuntergang» - 17.02.2010

Zehn nach zwölf für die Kultur? Ganz so pessimistisch bewertet Kunstgaleriechef Hans-Peter Miksch (hier neben einer Arbeit von Rainer Bergmann im vergangenen Herbst) die Lage nicht. Er ist gegen vorschnelles «Panikgerede». © Ralf Rödel


«Ich wünsche mir ein klares Bekenntnis zur städtischen Kultur, wenn man sich schon gern mit ihr als Imagefaktor schmückt», sagt Claudia Floritz. Noch, so die Kulturamtsleiterin, haben sich keine Künstler und Macher zu Wort gemeldet, weder in Bitt- noch in Bettelbriefen. Stattdessen sind sie es, die Post bekommen werden. In Kürze wird Jung in einem Brief an alle Theatergruppen, Vereine und Initiativen erläutern, warum im kommenden Jahr nicht mehr geht, was 2010 noch machbar ist.

Um zehn Prozent, so die Vorgabe der Kämmerei, sollen alle städtischen Dienststellen «erleichtert» werden. Den dicksten Brocken erwischt es folgerichtig am heftigsten: Das Stadttheater muss bis 2013 satte 300 000 Euro abspecken. Bloß wo und wie? «Im Moment ist alles auf dem Prüfstand», so Intendant Werner Müller.

Was die Kultur betrifft, sind 2010 im Gesamthaushalt der Stadt - Volumen: 316 Millionen Euro - 12,6 Millionen Euro Ausgaben für «Wissenschaft, Forschung und Kulturpflege» vorgesehen; nur der Posten «Wirtschaftsunternehmen» ist noch kleiner.

Theater, kunst galerie fürth und Museen haben innerhalb des Kulturpflege-Postens separate Etats, während das Kulturamt neben eigenen Projekten - Klezmer-Festival, Soireen, Parklesungen und LesArt-Literaturtage - die Zuschüsse für die Musikschule, die freie Szene, Kunst-, Musik- und Theatergruppen koordiniert. Macht derzeit insgesamt 640 000 Euro, annähernd die Hälfte davon bekommt die Musikschule. Sie wird getragen von einem Verein, was immer noch kostengünstiger ist als der Unterhalt einer städtischen Musikschule.

Das Kulturamt hat für seine Projekte mit 131 000 Euro städtischem Zuschuss schon jetzt 28 000 Euro weniger zur Verfügung als noch 2004. Floritz: «Wir haben seit fünf Jahren alle Sparrunden aufgefangen dank gut eingesetzter Werbemittel.» Noch mehr zu sparen «wäre irgendwann einer Großstadt unwürdig». Zum Vergleich: Das Erlanger Projektbüro ist, ungeachtet der Querelen ums Figurentheaterfestival, drei Mal üppiger ausgestattet als Fürths Kulturamt.

Nachwuchs-Ausbildung leidet

207 000 Euro (von jenen 774 000) gehen an Gruppen wie das TKKG und die Bagaasch, an Chöre, Heimatvereine und Orchester, an die Szene Fürth, die Kinokooperative im Uferpalast, die Ballettvereine und den Kulturring C, die Vereinigung bildender Künstler. Im mittleren vierstelligen Bereich liegt die aktuelle Jahres-Zuschusssumme für den Musikzug TSV 1895 Burgfarrnbach, der damit zu den kleinen Fischen zählt. Dirigent Mathias Wehr: «Es ist schade um jeden Euro. Noch gibt es keine Weltuntergangsstimmung, doch wenn das so weitergeht, können wir in ein paar Jahren keine Instrumente mehr für unsere Nachwuchs-Bläserklassen anschaffen.»

Mit einem Jahresetat von 50 000 Euro jongliert derzeit Hans-Peter Miksch, Leiter der kunst galerie fürth. Er weist Gerüchte zurück, wonach den Museen und Galerien zusätzliche Schließtage drohen. Im übrigen: «Meine Aufsichtskräfte müssen auf Sieben-Euro-Stundenbasis arbeiten. Wem ist damit gedient, wenn ich in der Woche 35 Euro einspare?» Nicht ahnend, dass Jung die Sparkeule auspacken würde, beschloss Miksch frühzeitig, 2010 statt sieben nur sechs Ausstellungen zu zeigen. Dies bedeutet jedoch nicht mehr Schließtage, sondern längere Laufzeiten der Schauen.

Fürths Kulturszene, wie sieht sie aus in ein, zwei Jahren? Miksch bleibt unkonkret, «ich bin gegen Panikgerede». Floritz: «Es wird vielleicht kaum anders ausschauen als heute. Aber bestimmt wird nichts vorangebracht. Die Kultur hat keine organisierte Lobby.» Wenn es aber keinen Platz mehr für Künstler gebe, «dann verändert sich die Atmosphäre in dieser Stadt». 

Matthias Boll

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