Corona-Impfung

Aufhebung der Impfreihenfolge? Die Prio-Gruppe drei bangt

7.5.2021, 07:45 Uhr
Die Prio-Gruppe drei ist sehr groß. Wer dazu gehört, darf nicht damit rechnen, gleich einen Impftermin zu bekommen.

Die Prio-Gruppe drei ist sehr groß. Wer dazu gehört, darf nicht damit rechnen, gleich einen Impftermin zu bekommen. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Die, die dazugehören, haben es mit Freude vernommen, dass jetzt in Stadt und Landkreis Fürth auch Impftermine an die Prioritätsgruppe drei vergeben werden. Andere waren irritiert: Sie gehören zur Gruppe zwei, etwa weil sie 70 oder älter sind, und warten seit Wochen auf eine Einladung.


Fürther Impfzentrum: Was ist zum Termin mitzubringen?


Wie das möglich ist? Eigentlich müsste allen, die seit längerem registriert und der Gruppe zwei zugeordnet sind, ein Termin angeboten worden sein, sagt Sebastian Habicht von der AGNF, die das Fürther Impfzentrum betreibt. "Der Bestand war letzte Woche nahezu erschöpft."

Allerdings habe man manche telefonisch noch nicht erreicht, bei anderen landete die E-Mail des bayerischen Impfportals BayIMCO womöglich im Spam-Ordner. Manchmal lasse sich auch nicht klären, wo es hakte. Die, die noch unversorgt geblieben sind, wurden kürzlich gebeten, sich nun telefonisch oder per Mail direkt beim Impfzentrum zu melden.

Auch dabei aber kam es zu Irritationen: Obwohl zur Gruppe zwei gehörend, bekamen einzelne Leser am Telefon die Auskunft, es gebe keine Termine.

Die Liefermengen sind weiter das "Nadelöhr", erklären Habicht und sein Kollege Klaus Meyer. Man könne zunächst nur eine gewisse Zahl von Terminen sicher vergeben. Oft stehe erst am Donnerstagabend fest, wie viel Impfstoff in der kommenden Woche geliefert wird – davon hängt ab, wie viele Termine zusätzlich freigeschaltet werden können.

Den noch Wartenden aus der Vorranggruppe zwei raten sie, am besten per Mail an impfzentrum@agnf.org Bescheid zu geben. So könne man sie einplanen, wenn Buchungen wieder möglich sind. Wichtig ist, dass sie im Portal BayIMCO angemeldet sind. Wer erst jüngst in die Prio-Gruppe zwei eingeordnet wurde, müsste in Kürze automatisch ein Impfangebot bekommen.

"Die Gruppe drei ist riesig"

Keinen Sinn mache es, sich aktiv im Impfzentrum zu melden, wenn man zur Prio-Gruppe drei gehört. Diese sei riesig, sagt Meyer. In der Gruppe sind die 60- bis 69-Jährigen – das sind rund 25.000 Menschen in Stadt und Landkreis – , außerdem viele chronisch Kranke und inzwischen etliche Berufsgruppen. Die Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung, der Justiz und des Lebensmitteleinzelhandels zum Beispiel. Es werde dauern, bis jeder ein Terminangebot bekommen hat.

6000 Dosen kann das Fürther Impfzentrum samt seinen Außenstellen im Landkreis zurzeit pro Woche verimpfen. Etwa die Hälfte kann für Ersttermine verwendet werden, der Rest wird für Zweitimpfungen gebraucht. Parallel dazu impfen die Arztpraxen, die in der vergangenen Woche über 7000 Dosen verabreichen konnten.

Mit einer großen Steigerung der Menge rechnen die Verantwortlichen im Impfzentrum vorerst nicht. Wie bei der ebenfalls großen Prio-Gruppe zwei könnte es ihnen zufolge auch bei Gruppe drei etwa sechs Wochen dauern, nahezu allen einen Termin anzubieten.

Was, wenn die Impfreihenfolge aufgehoben wird?

Kollidieren könnte das mit den Plänen der Politik: Ministerpräsident Markus Söder würde die Priorisierung gerne schon Ende Mai aufheben. Das birgt Konfliktstoff, vermutet man im Impfzentrum. Bei jenen aus der Vorranggruppe drei, die nicht gleich dran kommen, dürfte die Sorge wachsen, sich am Ende in einem Topf mit allen anderen wiederzufinden – und weiter warten zu müssen, auch auf die neuen Erleichterungen für Geimpfte.


Das ändert sich ab heute für Geimpfte und Genesene in Bayern


Unterdessen sind die Zweitimpfungen der Astra-Geimpften "in vollem Gang". Viele legen Wert darauf, die Impfserie auch mit Astranzeneca abzuschließen, sagt Meyer. Weil man aber vorher nicht wisse, wie viele sich dagegen entscheiden, sei es derzeit schwieriger, mit den Impfstoff-Mengen zu planen.

Grundsätzlich gilt: Wer seit längerem in BayIMCO angemeldet ist, sollte überprüfen, ob er Daten aktualisieren kann und ob die eigene Zuordnung noch stimmt. Zuletzt kamen immer wieder neue Merkmale hinzu, die die eigene Einstufung womöglich verändern.

Nach Corona-Infektion: Genesene müssen warten

Achtung: Die Stiko empfiehlt, alle, die eine Corona-Infektion hatten, erst nach einem halben Jahr zu impfen, hier reiche eine Impfung (statt zwei). Das Fürther Impfzentrum richtet sich nach der Empfehlung. Wer also kürzlich eine Corona-Infektion hatte, wird dort aktuell nicht immunisiert. Auch das sollte man beachten und den Termin, falls man schon einen bekommen hat, rechtzeitig absagen. Werden Genesene geimpft, sollten sie einen Nachweis mitbringen, dass die Infektion ein halbes Jahr zurückliegt (etwa die Bescheinigung von der Aufhebung der Quarantäne).