Donnerstag, 01.10.2020

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Aufstand gegen Solarkraftwerk auf dem Acker

SPD stellt Weichen für umstrittenes Projekt, glaubt aber nicht an Realisierung - Naturschützer sind besorgt - 11.03.2010

Auf 46 000 Quadratmeter Ackerfläche neben der Ritzmannshofer Linsenfeldstraße (im Vordergrund) soll eine große Solaranlage mit der dreifachen Leistung des Fürther Solarbergs aufgebaut werden.

© Mark Johnston


Mit der Mehrheit der SPD hat der Bauausschuss gestern die Weichen für das Großprojekt gestellt. Als politisches Signal für die Solarenergie, aber im festen Glauben, dass das Solarkraftwerk beim drohenden Wegfall der Förderung von Freiflächenanlagen wohl nicht gebaut wird.

Ein falsches Signal wie Bund Naturschutz (BN), Grüne und CSU meinen. Die Stadt müsse mit ihrem ohnehin spärlichen Ackerland besser haushalten, fordert BN-Kreisvorsitzender Reinhard Scheuerlein. Gerade im Landschaftsschutzgebiet am Zenntalrand dürfe kein Präzedenzfall geschaffen werden. OB Thomas Jung (SPD) zitiert hingegen an Solaranlagen auf Ackerflächen interessierte Unterfarrnbacher Landwirte, die unter den Solarpaneelen nachhaltigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen erwarten.

Kulturland bewahren

Dass größere Tiere nicht in die dauerhaft eingezäunte und ihrer Gehölze beraubten Anlage gelangen können, gibt Naturschutzwächter und CSU-Stadtrat Herbert Schlicht zu bedenken. Gegen Photovoltaikanlagen auf versiegelten Flächen habe man nichts einzuwenden, doch Kulturland müsse als solches erhalten bleiben. Der bislang nicht zu Rate gezogene Naturschutzbeirat lehnt das Projekt laut Schlicht entschieden ab.

Von dem insgesamt 77 000 Quadratmeter großen Areal, das weitgehend unter Landschaftsschutz steht, sollen 46 000 Quadratmeter mit Solarmodulden überzogen werden. Damit könnte die dreifache Energieausbeute des nicht weit entfernten Solarbergs Atzenhof erzielt werden.

Allerdings läuft den Investoren die Zeit davon, denn ab Juli sollen Freiflächenanlagen nicht mehr gefördert werden. Auch wenn die Solarmodule im Gegenzug immer billiger werden: »Ohne Zuschüsse rechnet sich die Solarstromproduktion kaum noch», meint der Fürther Solarbeauftragte Johann Gerdenitsch. Bayerns Ministerpräsident läuft in Berlin gegen die Pläne von Umweltminister Röttgen Sturm. Nicht ohne Grund: Allein im Landkreis Fürstenfeldbruck droht beim Wegfall der Förderung laut Gerdenitsch ein Verlust von über 100 Millionen Euro. Der Fürther CSU-Stadtrat Siegfried Tiefel macht allerdings eine andere Rechnung auf: bei unverminderter Förderung des brummenden Solarmarktes müsste der Staat für den 20-jährigen Subventionszeitraum 53 Milliarden Euro aufbringen. Auf Kosten der Steuerzahler, von denen nur wenige wiederum in den Genuss der Solarförderung kommen.

Regierung am Zug

Dass die bei Ritzmannshof geplante Anlage bis Juli ans Netz gehen kann, glaubt auch Tiefel nicht. Erst muss die jetzt vom Bauausschuss gebilligte Änderung des Flächennutzungsplanes von der Regierung genehmigt und ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Den Schuh als Bremser der Solareuphorie will sich die Fürther CSU gleichwohl nicht anziehen. Fraktionschef Joachim Schmidt betont, dass die ersten Solaranlagen auf Fürther Schuldächern noch unter der Ägide von OB Wilhelm Wenning (CSU) installiert worden waren.

Nach Ansicht des BN-Kreisvorsitzenden sollte die Stadt erst einmal untersuchen, welche Freiflächen überhaupt für Solaranlagen geeignet sind, bevor sie zufälligen Begehrlichkeiten von privater Seite nachgibt. Auch müsse mit einer städtischen Bürgschaft sichergestellt werden, dass die Einfriedung einer Freiflächenanlage nach Ablauf der Förderungszeit wieder entfernt wird. Schließlich sei nicht nur der Naturschutz zu beachten, sondern auch der Erholungswert.

Volker Dittmar

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