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Aufstände für den Bierpreis

Hopfen und Malz: Im Stadtmuseum geht es um die Braukunst in Fürth - 21.06.2013 16:00 Uhr

Zahlreiche Erinnerungsstücke illustrieren in der Ausstellung, wie Bier und Brauereien einst das Stadtbild prägten. © Thomas Scherer


Bier hat in Fürth Tradition. Die Braukunst prägte das Stadtbild, sorgte für Arbeitsplätze, wohl verdienten Genuss und Höhepunkte im Jahreslauf. Ende des 19. Jahrhunderts kristallisierten sich aus zeitweise mehr als 20 Brauereien die großen Fünf heraus: Die Familienbetriebe Humbser, Grüner, Geismann, Mailaender (Bergbräu) und Evora & Meyer stehen nun im Mittelpunkt der Bier-Schau im Stadtmuseum.

Am Anfang von „Hopfen und Malz“ wird an eine erstaunliche Tatsache erinnert: Bis weit ins 18. Jahrhundert wurde im Stadtgebiet Wein angebaut. Daran, dass heute nicht die Fürther Trockenbeeren-Auslese Furore macht, ist unter anderem die Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert schuld, die dem Weinanbau endgültig den Garaus machte.

Möglicherweise spielte auch der Durst eine Rolle. Immerhin lag der Bierverbrauch pro Einwohner in Fürth einst bei rund 200 Litern im Jahr. Eine Zahl, die Oberbürgermeister Thomas Jung bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung staunen ließ. Schließlich rinnen heutzutage nur noch knapp 100 Liter Bier pro Jahr durch deutsche Kehlen.

Der OB erinnerte daran, welche Bedeutung der Gerstensaft in Fürth hat: „Aufstände gab es in Fürth früher nur, wenn der Bierpreis stieg. Da rückte einst sogar das preußische Militär an.“ Erfreulicherweise seien einige prägende Bauwerke erhalten: „In Fürth steht zum Beispiel das einzige Jugendstilbrauhaus Deutschlands, und es ist großartig, dass die Grüner-Kelleranlage unterhalb des Klinikums genutzt wird.“

Zu den Höhepunkten der Schau gehören einmalige Exponate, wie ein Evora-Glaskrug aus der Zeit um 1900, von dem es nur noch dieses eine Stück zu geben scheint. Ungefähr um 1890 stand ein ebenso seltener Geismann-Krug auf den Tischen. Mühelos in die richtige Genussstimmung versetzt eine Biergarten-Garnitur in Himmelblau, die Ende der 60er Jahre ihre Dienste tat. Historische Werbemittel erinnern zum Beispiel an „Bubi“-Limo, während eine wohl erhaltene Geschenk-Box bestätigt, dass man in den 70ern zum schick gestylten Humbser-Pils gern eine Flasche Zwetschgenwasser überreichte.

Zusammengestellt wurde die kenntnisreiche Präsentation von engagierten Ehrenamtlichen und einem Team des Stadtmuseums (Alexandra Herzog und Ruth Kollinger). Für die Mitwirkenden erinnerte Brauer-Ururenkel Felix Geismann daran, dass die Entscheidung, welches Bier man trinkt, in Fürth einst „fast eine Religionsfrage“ war: „Das hing davon ab, aus welchem Stadtteil man kam und wie die persönliche Sozialisation war.“

Tucher-Geschäftsführer Fred Höfler freute sich über die gesicherten Erinnerungsstücke, vieles sei nämlich leider im Lauf der Zeit verlorengegangen. Die Ausstellung treffe nun exakt das Zeitgefühl, weil die Sehnsucht nach regionalen Bieren wieder wachse. Bestes Beispiel sei der Erfolg von Grüner-Bräu. Der Blick zurück in die Fürther Bier-Vergangenheit brachte Höfler auf den in der Schau angesprochenen Geismann-Saal, der 1982 dem City-Center weichen musste: „Ich denke, der Mythos Geismann-Saal wird in der Erinnerung idealisiert.“ Von Menschen, die den Saal nicht kannten, werde er „heute sehr überhöht“. Sein Zustand sei vor dem Abriss „sehr rustikal“ gewesen. Zwar fehle heute etwas Vergleichbares, aber: „Die Entscheidung für das City-Center war damals konsequent.“

www.stadtmuseum-fuerth.de 

Sabine Rempe

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