Wahrzeichen

Aufwendige Renovierung: Cadolzburgs Bleistift ist für eine halbe Million neu gespitzt

12.9.2021, 16:00 Uhr
Nicht nur die Kirche von St. Otto liegt dem Betrachter zu Füßen: Bürgermeister Bernd Obst (li.) und sein Stellvertreter Georg Krauß genießen den Ausblick.

Nicht nur die Kirche von St. Otto liegt dem Betrachter zu Füßen: Bürgermeister Bernd Obst (li.) und sein Stellvertreter Georg Krauß genießen den Ausblick. © Foto: Laura Pickl

"Unser Turm ist einfach ein Unikat", schwärmt Cadolzburgs Bürgermeister Bernd Obst. Er lässt den Blick von der Burg über den Ortskern schweifen. Hinter Wiesen und Feldern zeichnet sich am Horizont die Nürnberger Kaiserburg ab. Der höchste Punkt im Landkreis Fürth ist ab sofort wieder für Besucher geöffnet.

Den 44 Meter hohen Aussichtsturm, der im Volksmund nur "Bleistift" genannt wird, erkennt man schon von weitem. Seit Juli 2020 schmückte allerdings ein Baugerüst das schlanke Wahrzeichen der Marktgemeinde. Grund hierfür waren aufwendige Sanierungsarbeiten für insgesamt 575 000 Euro.

Proteste und Lacher

Erstrahlt in neuem Glanz: der Cadolzburger Aussichtsturm.

Erstrahlt in neuem Glanz: der Cadolzburger Aussichtsturm. © Foto: Harald Ehm

Die Liste der notwendigen Ausbesserungen ist lang: Erneuert wurden Eingangstüren, Fenster sowie die Turmspitze. Der Eingangsbereich, der Treppenturm, der Sandstein wie auch die Gauben und der Dachstuhl mussten saniert werden. Letzterer war vor allem durch die Witterung und eindringende Feuchtigkeit stark beschädigt worden. "Der geübte Blick erkennt: Er sieht anders aus. Aber die meisten haben gefragt, was eigentlich erneuert wurde", berichtet Bernd Obst.

Für das Geld und die vielen kleinen und größeren Baustellen am Turm hätte man schon einen neuen bauen können, scherzt der Bürgermeister. Dieser nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag sorgt bei den zur Wiedereröffnung gekommenen Nachbarn und Gemeindemitgliedern für einige Proteste und Lacher.

Alle sind sich einig: Der Bleistift ist auch nach über 100 Jahren noch ein echter Blickfang. Ende des 19. Jahrhunderts errichtete die Münchner Lokalbahn-Aktiengesellschaft gemeinsam mit dem Markt Cadolzburg das Wahrzeichen. Was man sich heute kaum mehr vorstellen kann: Die Pläne für den Aussichtsturm kosteten zur damaligen Zeit nur fünf Mark.

Bereits 2017 unternahmen die Verantwortlichen für die Restaurierung eine erste Begehung des Turms. In den folgenden drei Jahren wurden Kosten kalkuliert und die Mängel, die es zu beheben galt, aufgespürt. Gemeinsam mit ortsansässigen Firmen stellte sich Bauingenieur Michael Wischert der Herausforderung. Das eine oder andere Mal gab der Turm bei den Sanierungsarbeiten Rätsel auf: So stießen die Fachleute auf Betonauffüllungen, die man sich nicht erklären konnte.


Sanierung: Bausubstanz des Cadolzburger "Bleistifts" bröckelt


Dorothea Hammer sperrte jahrelang den Turm morgens auf und abends wieder zu. Die Cadolzburgerin kennt ihn wie ihre Westentasche. Daher konnte sie auch schnell erklären, was es mit dem Beton auf sich hatte: Nachdem der Turm im Krieg beschädigt wurde, habe man so notdürftig die Schäden behoben. Derartige Herausforderungen bringe ein Projekt dieser Art immer mit sich, erklärt Michael Wischert: "Der Turm ist auf der Welt einmalig, deshalb war die Sanierung mitunter sehr interessant."

Mit der Restaurierung haben die Verantwortlichen auch eine technische Lösung für all diejenigen auf den Weg gebracht, die die 143 Stufen nicht selbst erklimmen können. Eine Panoramakamera soll künftig Live-Bilder mit Rundumblick übertragen. Die Videoaufnahmen sind dann in Echtzeit auf der Homepage des Marktes Cadolzburg abrufbar. Wenn man Glück hat und geduldig ist, zeigt die Kamera auch die Wanderfalken, die sich im Dachstuhl des Turms einnisten – sofern diese sich mit dem frischen Anstrich des Bleistifts anfreunden und wiederkommen.

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