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Auszeichnung für einen Lehrer

Rainer Fliege vom Schliemann-Gymnasium erhält den Louis-Kissinger-Preis - 16.06.2013 10:00 Uhr

„Außerordentliche pädagogische Fähigkeiten“: Lehrer Rainer Fliege mit den Ehrengästen Dana Kissinger (links) und Charlotte Knobloch. © Winckler


Die älteste Fürtherin kann noch von Louis Kissinger schwärmen. An ihrem 105. Geburtstag habe er sich mit Berta Pöppl über ihren ehemaligen Lehrer unterhalten, erzählte Oberbürgermeister Thomas Jung am Freitagnachmittag im Helene-Lange-Gymnasium: „An den kann sie sich sehr gut erinnern — in den waren sie alle verknallt.“

Erinnerungen an diesen Mann, der seinen Beruf mit Hingabe erfüllt haben muss, standen im Mittelpunkt der von der Fürther Fernsehjournalistin Evi Kurz moderierten Preisverleihung – bei der der Preisträger, Rainer Fliege, und seine Verdienste ungewöhnlich lange im Hintergrund blieben. Fast eineinhalb Stunden vergingen, ehe das Publikum erfuhr, warum die Jury in Fliege eine „außergewöhnliche Lehrerpersönlichkeit“ sah.

Die Ehrengäste — Louis Kissingers Enkelin Dana sowie Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultursgemeinde München und Oberbayern — lenkten den Blick zunächst nämlich in die Vergangenheit: auf das Leben der jüdischen Eheleute Louis und Paula Kissinger und ihrer Kinder Walter und Heinz Alfred, aus dem später einmal Henry Kissinger, Außenminister der USA, werden sollte.

Louis Kissinger unterrichtete ab 1919 am Mädchenlyzeum. 1933 war er gezwungen, den Beruf aufzugeben. Seine Frau Paula spürte, dass Gefahr drohte, und traf 1938 die Entscheidung, „ihre Familie in den USA in Sicherheit zu bringen“, erzählte Dana Kissinger, die mit Anekdoten ein Bild der Großeltern zeichnete. „Oma K.“ sei eine bemerkenswerte Frau gewesen, „immer offen, immer neugierig“.

Der Louis-Kissinger-Preis erinnere an eine Familie, „deren Biografien so einzigartig und doch so typisch sind“, sagte Charlotte Knobloch. Die NS-Zeit habe gezeigt, zu welch unmenschlichen Taten Menschen in der Lage seien. Mit Blick auf den Preisträger sagte Knobloch: „Lehrer wie Rainer Fliege haben die Bedeutung der Erinnerung erkannt.“

In ihrer Laudatio beschrieb die Erlanger Professorin Annette Scheunpflug Fliege als einen Lehrer, dem Schüler „außerordentliche pädagogische Fähigkeiten attestieren“. Der Unterricht sei kreativ, anschaulich, lebendig und abwechslungsreich. Fliege hat sich zudem in besonderer Weise für das Schultheater engagiert. Bekannt wurde das Musical „Die Nächte des Kaspar Hauser“, an dem 400 Schüler mitwirkten.

Im vergangenen Jahr wurde Fliege bereits für das Unterrichtsprojekt zum Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet. Dabei arbeiteten Fünftklässler zusammen mit Zwölftklässlern: „Enthusiastischer Forscherdrang traf auf zurückhaltende Rationalität“, sagte Fliege und bedankte sich für die Auszeichnung: „Die besten Ideen lassen sich nur verwirklichen, wenn man auf offene, engagierte Schüler trifft und einem die Schulleitung und die Kollegen Vertrauen entgegenbringen.“ Fliege wird ans Hardenberg-Gymnasium wechseln, wo er als Seminarleiter Lehrer ausbilden wird. Er werde so noch mehr bewirken können, sagte Scheunpflug.

CLAUDIA ZIOB

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