Autofrei? Weiter Streit um Parkplätze auf der Fürther Freiheit

1.3.2020, 06:00 Uhr

"Ein Traum" sei dieses Nebeneinander, sagt der OB: Das Grün der Adenaueranlage, daneben der Wochenmarkt und dann die gepflasterte Fläche der Freiheit, die „viele Möglichkeiten“ biete. Thomas Jung stellt klar: Autofrei soll der Platz in absehbarer Zeit nicht werden. © Hans-Joachim Winckler

Von Mitte November bis Weihnachten lagen die Unterschriftenlisten aus, in Praxen, Banken und Läden rund um die Freiheit und in der Comödie. Blatt für Blatt füllte sich. Dass die Gemüter erregt waren, dass da viel Empörung und Sorge war, merkte man in vielen Gesprächen mit Kunden und Patienten, erzählen Ärztin Bettina Krauss, Gerd Wagner, Geschäftsführer des Ladens Staudt’s, und Klaus Hunneshagen, Chef der Flessabank, deren Arbeitsplätze an der Freiheit liegen.

"Keine radikale Entscheidung über Nacht"

Was war passiert? Erst hatte Oberbürgermeister Thomas Jung bei einer Podiumsdiskussion im September angekündigt, es sei grundsätzlich auch sein Ziel, dass die Freiheit in der Zukunft nicht mehr als Parkplatz genutzt werde. (Das Baureferat hatte bereits ein Jahr vorher Sympathien für eine autofreie Freiheit gezeigt.) 

Wann genau er sich den Abschied vom Auto-Abstellen vorstellen könnte, ließ der OB offen. Er sagte nur, es werde mit ihm keine "radikale Entscheidung über Nacht" geben. Spätestens, als im Oktober Pflanzkübel und schlangenförmige Plastikbänke in leuchtendem Grün ein Drittel der Freiheit belegten, war das Entsetzen bei vielen groß: Hohn und Spott erntete die Stadt für den Versuch, hier mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen. Zwar war die Aufwertung dieses Drittels der Freiheit schon seit Mitte 2018 geplant, damals wurde sie in einer Sitzung des Bauausschusses beschlossen – für viele Bürger aber kam sie überraschend. Vielen kam es vor, so erlebten es Krauss, Wagner und Hunneshagen, als käme sie nun ganz schnell, die autofreie Freiheit. Und das wäre fatal, meinen auch die drei.

Auch Kunden aus Nürnberg angelockt

Mehr als 2300 Unterschriften sammelten sie gemeinsam mit ihren Mitstreitern, kürzlich übergaben sie sie Rathauschef Jung. Die Unterzeichner fordern von der Stadt Fürth, die Parkplätze auf der Freiheit zu erhalten, und betonen: Sie seien "für eine funktionstüchtige, lebendige Innenstadt von größtem Wert für Bürger, Handwerk, Einzelhandel und Ärzte".

Das Stadtzentrum habe sich gerade etwas erholt. Dass man hier bequem parken kann, locke auch Kunden aus Nürnberg, Erlangen und dem Fürther Umland an, beobachten die Geschäftsleute. Es gebe viele Menschen, die sehr ungern in Parkhäuser fahren. Ohne die Stellplätze auf der Freiheit würde das zarte Pflänzchen schon wieder welken, der Internet-Handel noch attraktiver, befürchtet Hunneshagen. Ohnehin seien zwischen Amtsgericht und Gabelsberger Straße in den vergangenen Jahren zirka 80 Stellplätze weggefallen, er habe nachgezählt. 

Wie vor ihnen schon Maike Müller-Klier, die Leiterin der IHK-Geschäftsstelle in Fürth, fordern Krauss, Wagner und Hunneshagen, dass es zuerst ein „solides Konzept“ brauche, wenn man die Freiheit autofrei machen wolle. Und eine ganz andere Infrastruktur – Shuttle-Busse etwa, die die Menschen ins Zentrum bringen. Die 2300 Unterschriften sollen die Stadt vor "blindem Aktionismus“ schützen, sagt Krauss.

"Schnellschuss" mit den grünen Sitzelementen

2300, das sei schon eine Hausnummer, sagt der OB. Mehr Unterschriften habe er damals nur für eine lebendige Gustavstraße bekommen. Jung versucht, zu beruhigen. Der "Schnellschuss" mit den grünen Sitzelementen sei auf breite Ablehnung gestoßen. Er sei ein "Fehler" gewesen.

Hier einfach Parkraum wegzunehmen, werde als Schikane empfunden. Man müsse schon einen "Mehrwert" bieten, wenn man das vorhabe. Schon im November ist Jung zurückgerudert, betonte nun, dass es Jahre dauern werde, bis man vernünftige Lösungen für die Freiheit hat. Bis auf Weiteres ist nur das eine Drittel der Fläche auf Höhe von Wöhrl im Fokus der Stadt. Dort möchte man immer noch mehr Aufenthaltsqualität schaffen In einem "Diskussionsprozess" mit Anwohnern, Eigentümern und Gewerbetreibenden soll jetzt ein Konzept gefunden werden. Ohne Eile.