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Bahn stößt die Stadt mit Studie vor den Kopf

Alternative zum geplanten S-Bahn-Schwenck durch das Knoblauchsland wird als völlig unrentabel eingestuft - 09.10.2009

Der Haltepunkt Vach würde dem von der Bahn geplanten Schwenk der Trasse durchs Knoblauchsland zum Opfer fallen. Auch dagegen stemmt sich die Stadt Fürth.

© Hans-Joachim Winckler


Damit will sich die Kommune allerdings nicht abfinden. Auch wenn es kaum Aussicht auf Erfolg gibt, rüstet sich Fürth nun für einen Rechtsstreit. Wie mehrfach berichtet, hält die Stadt den Schwenk nach dem Scheitern der Pläne eines gemeinsamen Gewerbeparks der Nachbarstädte im Knoblauchsland für überflüssig. Die Bahn will gleichwohl nicht davon abweichen.

Dass sie der Stadt kurzfristig dennoch eine Untersuchung der Alternative zubilligte, hatte Oberbürgermeister Thomas Jung zunächst euphorisch gestimmt. Für Baureferent Joachim Krauße nimmt es sich im Nachhinein jedoch nur als Materialsammlung für eine juristische Auseinandersetzung aus. Nach der Bahn-Berechnung würde die Alternativtrasse Mehrkosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro verursachen und jährlich 2,1 Millionen Euro weniger Einnahmen bringen. Damit werde der gesamte S-Bahn-Bau in Frage gestellt.

Gezinkte Karten

Allerdings spielt die Bahn in den Augen von Krauße und Jung mit gezinkten Karten. Hauptkritikpunkt der Stadtspitze: Für das Bahn-Gutachten wurden keine neuen Erhebungen hinsichtlich der erwarteten Fahrgastzahlen angestellt. Nach dem Aus für den Gewerbepark werde der zwischen Steinach und der Schmalau geplante Haltepunkt jedoch zu einem Geisterprojekt auf freiem Feld, das nur durch drei Meter schmale Feldwege mit dem Straßennetz verbunden wäre.

Eine vernünftige Busanbindung hält Krauße unter solchen Umständen für ausgeschlossen. Anders sehe das beim Erhalt des – in Stadeln gelegenen – Bahnhofs Vach im Zuge einer Trassenführung entlang der Stammstrecke aus. Die erheblichen Mehrkosten dieser Alternative führt die Bahn auf komplizierte Brückenbauwerke zurück. Und genau hier will die Stadt nun den Hebel ansetzen.

Trotz knapper Kassen lässt sie für rund 20000 Euro die Baukosten durch den TÜV überprüfen. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine Voruntersuchung. Für eingehendere Berechnungen sind laut Stadtplanungsamtschef Christian Schöner noch einmal 20000 Euro fällig. Parallel dazu lotet das städtische Rechtsamt einstweilen den Klageweg aus.

Sprecher aller Stadtratsfraktionen begrüßen dieses Vorgehen. Die Kommune steht ohnehin mit dem Rücken zur Wand. Gerade mal vier Wochen Zeit bleiben ihr, um gegen den erwarteten Planfeststellungsbeschluss vorzugehen, der dem S-Bahn-Schwenk grünes Licht signalisiert. Nicht nur dem Steinacher Landwirt und CSU-Stadtrat Peter Pfann will es nicht einleuchten, dass die gewaltigen Brückenbauwerke des Schwenks billiger sein sollen als die Konstruktionen auf der bereits bestehenden Strecke.

Naturschützer kritisieren zudem die Zerstörung landwirtschaftlicher Nutzflächen, Bauern sehen sich von ihren Äckern abgeschnitten. Als überzogen stuft der OB die Fahrgasterwartungen der Bahn durch das bei Steinach geplante Möbelhaus Höffner ein. Und von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil fühlt sich Jung im Stich gelassen. Im Gegensatz zur Bahn habe der noch nicht auf Fürther Einwände reagiert.

Rückendeckung erhofft sich der OB nun von den drei Bundestagsabgeordneten aus dem hiesigen Wahlkreis. Von einer neuen Stufe der Eskalation spricht Jung. Wegen der langfristigen Bedeutung des Projekts für die Stadtentwicklung wäre es nach Ansicht aller Kommunalpolitiker jedoch fatal, die Flinte ins Korn zu werden. Der David Fürth solle vielmehr dem Goliath Bahn das Fürchten lehren.

Volker Dittmar

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