Bauland auf dem Areal der Fürther Schickedanz-Villa?

25.5.2017, 09:30 Uhr
Die Schickedanz-Villa im Zentrum des Bildes steht auf einem riesigen Grundstück, das von Fuchs-, Lerchen-, Forsthaus- und Dianastraße gesäumt wird. Rechts oben grenzt es an den Wiesengrund. Im Gespräch für eine mögliche Bebauung ist jetzt das Areal an der Zufahrt, sprich: oberhalb der Kurve, wo die Lerchen- in die Forsthausstraße übergeht.

Die Schickedanz-Villa im Zentrum des Bildes steht auf einem riesigen Grundstück, das von Fuchs-, Lerchen-, Forsthaus- und Dianastraße gesäumt wird. Rechts oben grenzt es an den Wiesengrund. Im Gespräch für eine mögliche Bebauung ist jetzt das Areal an der Zufahrt, sprich: oberhalb der Kurve, wo die Lerchen- in die Forsthausstraße übergeht. © Foto: Google Earth

Vor wenigen Wochen stand die altehrwürdige Unternehmervilla in einem Immobilienmagazin zum Verkauf. Den Eigentümer hat sie bislang nicht gewechselt, sie gehört nach wie vor Matthias Bühler, dem Sohn von Madeleine und damit Enkelsohn von Gustav Schickedanz, dem Gründer des inzwischen untergegangenen Quelle-Imperiums.

Das Inserat, so schilderte man es den FN damals, sei eine Art Testballon gewesen. Der Eigentümer wollte sehen, ob es Interesse an dem Grundstück gebe. Ein Verkauf, so hieß es, sei nicht zwingend nötig, vielleicht bleibe es auch in Familienbesitz. Parallel lotet man offenbar weitere Möglichkeiten aus, wie sich das gegenwärtig verwaiste Areal in Zukunft nutzen lassen könnte.

Wie die FN erfahren haben, beschäftigte sich unlängst der städtische Baubeirat, ein Untergremium des Bauausschusses, mit der Anfrage, einen Teil des Parks bebauen zu dürfen. Konkret geht es um den oberen Bereich, wo sich auch im Übergang von Lerchen- und Forsthausstraße die Grundstückszufahrt befindet samt Pförtnerhäuschen und Remise.

Details zu den Plänen sind aus dem Rathaus noch nicht zu erfahren. Sie werden, das schreibt die Bayerische Bauordnung vor, aktuell nichtöffentlich behandelt. Auch Eigentümer Matthias Bühler hält sich bedeckt. Rathauschef Thomas Jung bestätigte hingegen auf FN-Nachfrage: "Ja, es gibt eine Anfrage." Die Stadt habe den Ball aber erst einmal zurück an den Eigentümer gespielt. "Bevor wir uns damit beschäftigen, muss klar sein, was das Wasserwirtschaftsamt sagt."

Weite Teile des 69.000 Quadratmeter großen Geländes liegen in der Schutzzone. Laut Jung scheint daher eine Bebauung für "gefühlt 90 Prozent" der Fläche ausgeschlossen. Allerdings sei es nicht undenkbar, dass nach einer Prüfung durch "etliche, auch staatliche Dienststellen einzelne Baumaßnahmen am Rande des Geländes formal möglich sein könnten".

In Alarmbereitschaft

Der Baubeirat hat sich bereits gegen die Pläne ausgesprochen, sein Votum hat aber nur empfehlenden Charakter. Beschlossen wird erst dann, wenn das Thema auf der Tagesordnung von Bauausschuss und Stadtrat steht. OB Jung kündigt eine öffentliche Debatte an.

Bei der Stadtheimatpflegerin schrillen schon jetzt die Alarmglocken. "Ich habe beantragt, alle Gebäude des Areals unter Denkmalschutz zu stellen", sagte Karin Jungkunz auf Anfrage dieser Zeitung. Nicht nur die Villa, auch der Park des Unternehmers Schickedanz samt allen Nebengebäuden sei zweifellos ein Industriedenkmal. Das Landesamt für Denkmalpflege in München prüft das aktuell und hat die Stadt Fürth aufgefordert, etwaige Maßnahmen, die in die historische Substanz der einzelnen Gebäude eingreifen könnten, nicht zu genehmigen. Zunächst wollen sich die Experten vor Ort ein Bild machen.

Auch Naturschützer folgen der Debatte mit Argusaugen. Nicht nur ein Wasserschutzgebiet überzieht das Gelände, einzelne Teile stehen unter Landschaftsschutz oder sind als Biotope ausgewiesen.

1 Kommentar