Begehrt: Was wird aus Fürths alter Feuerwache?

28.9.2018, 16:00 Uhr

Im Kulturreferat träumt man schon ein wenig: von einem "Kultur- und Kreativzentrum", das hier entstehen könnte, mitten im Herzen der Stadt und noch dazu in einem historisch wertvollen Gebäude. Wie Kulturreferentin Elisabeth Reichert nun in einem Gespräch mit den FN deutlich machte, ist die Vision schon größer als das, was bisher bekannt war.

Exakt dieses Haus hatte die SPD nämlich vor der Sommerpause im Stadtrat ins Gespräch gebracht – als es um die Frage ging, wo man jungen Fürthern die Entfaltungsmöglichkeiten geben könnte, nach denen sie bei einer Protestwoche riefen. In ihrem Antrag regte die SPD damals in knappen Worten eine vielseitige Zwischennutzung der Feuerwache an: Jugendkulturelle, schulische, bildungspolitische und kulturelle Angebote könnte man sich hier vorstellen. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, die Möglichkeiten zu prüfen.

Dass die Wache frei wird, biete der Kleeblattstadt eine "einmalige Chance", sagt nun Reichert. Sie und ihr Referat wollen diese nicht verstreichen lassen – zumal die Kultur in Fürth unbedingt mehr Raum brauche. Die Lage der Wache – in der Nähe von kunst galerie, Ludwig-Erhard-Zentrum, Jüdischem Museum, Stadttheater – wäre ideal. Von einem "Kulturriegel" spricht sie.

Im Kulturreferat hat man die Räume in Gedanken schon mit Leben gefüllt – vorerst für eine Zwischennutzung, etwa drei bis fünf Jahre, bevor eine Generalsanierung des 1908 errichteten Gebäudes in Angriff genommen wird. In der Fahrzeughalle könnte demnach die kunst galerie zusätzlichen Raum bekommen. In den Wohnungen der Wache könnten "Co-Working Spaces" entstehen, also Arbeitsräume, die "Kreativwirtschaftler" flexibel mieten können. In den Seitentrakten stellt sich Reichert Ateliers für Künstler vor, im Keller Probenräume für Bands und im Eichamt ein jugendkulturelles Zentrum. Ob es so kommt, ist freilich völlig offen. Manche Fürther dürften bei den Ideen stutzig werden: Gab es für die Feuerwache nicht ganz andere Pläne?

Braucht das Schliemann die Räume?

Fakt ist: Noch weiß keiner, was aus ihr wird, wenn die Feuerwehr – voraussichtlich im Frühjahr 2020 – auszieht. Derzeit scheint vieles möglich: Noch immer ist nicht ausgeschlossen, dass das Haus doch noch Teil des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums wird. Ob es erweitert wird oder einen neuen Komplex auf dem Wolfsgruberareal bekommt, will der Stadtrat erst 2019 entscheiden.

Sollte das HSG wirklich umziehen, wird das dauern. An einer Zwischennutzung der Wache ist daher auch Schulreferent Markus Braun interessiert. Denn bis der Neubau steht, könnte das bisherige Quartier der Feuerwehr womöglich helfen, den Raumbedarf des Gymnasiums zu decken. Dringend werden etwa Kunst- und Musikübungsräume benötigt. Auch die "Schule der Phantasie", die Kreativ-Angebote für Kinder anbietet, ließe sich hier gut ansiedeln, findet er.

Allerdings betont Braun: Es sei zwar gut, sich Gedanken zu machen. Doch eine Besichtigung habe ihm jüngst vor Augen geführt, dass fraglich sei, wie viel Fläche der Feuerwache überhaupt vor einer Generalsanierung genutzt werden könnte. Die Begehung habe ihn ernüchtert: Das Gebäude sei sehr verwinkelt, mit engen Gängen und kleinen Räumen. Die Fahrzeughalle sei ungeheizt, zudem fehlen etwa Rettungswege. "Bislang waren hier Leute untergebracht, die im Umgang mit allen möglichen Gefahren versiert sind."

Eine schnelle Generalsanierung sei unwahrscheinlich, sagt Braun, Vorrang hätten die großen Schulvorhaben. Daher sei die Frage: "Was kann man mit vertretbarem Aufwand für eine Zwischennutzung herrichten?" Den Platz, vermutet er, werden sich dann Kultur und Bildung teilen müssen. In Ruhe könne dann entschieden werden, was dauerhaft aus der Feuerwache werden soll. Reicherts Vorschlag ist klar: ein Kreativzentrum.

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