Dienstag, 12.11.2019

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Begehrter Kopfschmuck

Eine Fürther Rarität: Polizei-Pickelhaube im Kriminalmuseum - 03.05.2012 16:00 Uhr

Stadtarchivar Martin Schramm (re.) übergibt Fürths Ex-Polizeichef und Museumsmentor Wilfried Dietsch den schmucken Lederhelm mit Kleeblatt-Wappen. © Hans-Joachim Winckler


Erst Ende vergangenen Jahres war die Kostbarkeit beim Aufräumen auf dem Dachboden eines Altbaus in der Gustavstraße entdeckt worden. Die Hausbesitzer hatten sie OB Thomas Jung geschenkt, der sie in die Obhut des Stadtarchivs gab. In einer seiner letzten Amtshandlungen vor Antritt der Elternzeit vertraute sie Archivchef Martin Schramm dem früheren Fürther Polizeidirektor Wilfried Dietsch für das von ihm betreute Kriminalmuseum an. „Ein schönes Stückla“, wie der pensionierte Ordnungshüter anerkennend meint.

Schon die Einführung der Pickelhaube für die Stadtpolizei war 1877 ein „schönes Stückla“. Zehn Mark hatte jeder Polizist bekommen, um so eine Haube erwerben zu können. Und die Polizisten konnten es gar nicht erwarten, mit diesem eindrucksvollen Helm herumzulaufen. Weil sie es taten, bevor der Magistrat offiziell seine Zustimmung für das neue Uniformteil gegeben hatte, wurde die Einführung der Pickelhaube zunächst einmal mit 18:14 Stimmen demonstrativ wieder abgelehnt.

Im Museum ist dieser Vorgang dokumentiert wie so manches Kapitel der Fürther Polizeigeschichte. Die Pickelhaube steht für das Selbstbewusstsein einer kommunalen Ordnungsmacht. Prachtvoll geziert von einem Kupferemblem mit dem Fürther Kleeblatt und dem Rathausturm in gleich fünffacher Ausfertigung. Der mit Kupferplättchen besetzte Kinnriemen ist an kleinen Löwenköpfen befestigt.

Damit wird dem bayerischen Wappentier Tribut gezollt. Von seinem preußischen Vorbild unterscheidet sich der Fürther Lederhelm durch den deutlich kleineren Pickel. Dessen Funktion bestand darin, Schläge auf den Kopf zur Seite abzulenken.

Bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts war die Pickelhaube bei der Fürther Stadtpolizei im Einsatz. Sie hatte den sogenannten Tschako abgelöst, einer dem ungarischen Husarenhelm nachempfunden Kopfbedeckung, die laut Schramm die Nachteile eines Helms mit den Nachteilen eines Huts verbunden hatte: Sie war schwer, nicht wasserdicht und bot zudem wenig Schutz. Erfolglos hatte Dietsch nach einem Exemplar gesucht. Der Platz in der Vitrine blieb lange frei. Für den Stadtarchivchef ist die Dauerleihgabe an das Kriminalmuseum selbstverständlich. Sein Credo: Zeugnisse der Geschichte dürfen nicht in Archiven verstauben. Sie sollen angeschaut werden können.“

Im Kriminalmuseum können die Pickelhaube und andere interessante Exponate sonntags von 13 bis 18 Uhr bestaunt werden (Eintritt: Erwachsene 2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, Kinder und Jugendliche 1 Euro, Familien 5 Euro)

 

Volker Dittmar

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