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Montag, 14.10.2019

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Beim 365-Euro-Ticket zahlen alle mit

Landkreis und Stadt Fürth müssen hohe Summen für die günstigen Fahrpreise schultern - 09.10.2019 20:00 Uhr

Nicht nur zur Schule geht es mit dem 365-Euro–Ticket, das es ab August 2020 für Schüler geben soll. Junge Leute können damit im gesamten VGN-Gebiet unterwegs sein. © Hans- Joachim Winckler


Wie teuer kommt uns das Jugendticket? Auf diese Frage von Kreisrat Friedrich Biegel (FW) hatte Landrat Matthias Dießl noch keine Antwort. Doch er beruhigte: "Wir können uns das leisten."

Erst kurz vor der Kreistagssitzung hatte Dießl am Montag in einer Pressekonferenz gemeinsam mit Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly das 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende vorgestellt (die FN berichteten im Regionalteil). Dießl ist stellvertretender Vorsitzender innerhalb des Zweckverbandes Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (ZVGN). Für den Verbund bedeutet das Ticket, das jungen Leuten ab August 2020 Fahrten im gesamten Großraum für einen Euro am Tag ermöglicht, Mindereinnahmen von gut 43 Millionen Euro. Zwei Drittel davon, 30 Millionen Euro, übernimmt der Freistaat, rund 13 Millionen Euro müssen Städte und Landkreise gemeinsam aufbringen. Allein Nürnberg, die größte Kommune, wird ersten Berechnungen zufolge rund sechs Millionen Euro schultern.

Auf Fürth wird wohl eine knappe Million Euro entfallen. Wie sich die restlichen sechs Millionen Euro verteilen, ist bisher unklar. Belastbare Zahlen gibt es noch nicht; sie hängen stark davon ab, wie viele solcher Tickets verkauft werden, die dann bezuschusst werden müssen. Erste Hochrechnungen könnte es ab Mai geben. Dann liegen die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen vor, anhand derer sich konkretere Daten ableiten lassen, so Michael Ruf, Mitarbeiter des Nürnberger Bürgermeisteramts, auf FN-Anfrage.

Landrat Dießl zeigt sich grundsätzlich überzeugt: "Es ist eine tolle Maßnahme in dieser Zielgruppe." Junge Menschen sollen damit die Vorzüge des öffentlichen Nahverkehrs schätzen lernen und erst gar nicht auf das Auto umsteigen – so die Idee.

Das verspricht sich auch Fürths OB Thomas Jung von dem Jahrespass. Dessen klaren Vorteil sieht er vor allem bei Pendlern. Ein Azubi etwa, der in Neustadt/Aisch wohnt, für seine Ausbildung aber eine Berufsschule in Fürth besucht, könne nun problemlos mit dem Zug fahren. Gerade für solche Strecken sei das Ticket eine echte und günstige Alternative zum Auto, so Jung.

Wenig Hoffnung machte Dießl allerdings, dass Städte und Gemeinden dank des günstigeren Fahrpreises entlastet würden. Schließlich hätten jetzt mehr junge Leute Anspruch auf eine solche Fahrkarte. Auch hier fehlen aber bislang verlässliche Zahlen.

Zugleich betonte Dießl aber, dass der günstigste Fahrpreis nichts bringt, wenn es nicht auch den entsprechende Takt und die Linien gebe: "Was nützt mir das Ticket, wenn kein Bus kommt?" Gerade im ländlichen Raum müsse das Angebot stetig verbessert werden.

Dazu beitragen könnte das so genannte Innovationspaket des Freistaats. Hier gibt es nochmals 12,8 Millionen Euro für den VGN. Ermöglicht werden soll damit unter anderem das günstige 9-Uhr-Abo für das gesamte Gebiet. Bislang war es nur in der Kernregion, also in einigen stadtnahen Tarifzonen nutzbar. Wer in ländlichen Gebieten lebt, konnte nicht damit fahren.

Beate Dietz und Gwendolyn Kuhn

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