Bekommt Fürth doch ein viertes Gymnasium?

27.3.2019, 06:00 Uhr
Seit 2009 gab es Jahr für Jahr mehr Geburten. Die Folge: Mehr Kinder drängen in die Grundschulen und bald auch in die Gymnasien.

© Foto: Daniel Reinhardt/dpa Seit 2009 gab es Jahr für Jahr mehr Geburten. Die Folge: Mehr Kinder drängen in die Grundschulen und bald auch in die Gymnasien.

Noch vor einem Jahr hatte sich Braun auf Nachfrage der FN zurückhaltend geäußert: Vorerst fasse man kein viertes Gymnasium ins Auge, sagte er. Man wolle versuchen, den Raumbedarf, der durch die Rückkehr zum G9 entsteht, an den drei bestehenden Gymnasien zu decken. Die Stadt Nürnberg hatte sich da bereits ausgerechnet, dass sie – wegen des G9 und wegen des Bevölkerungswachstums – zwei neue Gymnasien benötigt.

Inzwischen befasst man sich auch im Fürther Rathaus mit dem Gedanken, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein weiterer Schulstandort nötig sein könnte. Ausschlaggebend waren neue Hochrechnungen, die der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien Ende Januar präsentierte. Demnach ist davon auszugehen, dass die Zahl der Gymnasiasten stark steigen wird.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Geburten in Fürth stetig geklettert; nur 2018 wurde kein neuer Rekord erreicht. Die Folge: Jahr für Jahr wird es künftig mehr Fünftklässler geben. Bleibt es dabei, dass im Schnitt 41,1 Prozent der Viertklässler aufs Gymnasium wechseln, wird im Schuljahr 2021/22 bereits eine zusätzliche fünfte Klasse unterzubringen sein. Der Prognose nach steigt die Zahl kontinuierlich – 2026/27 werden im Vergleich zu heute sechs zusätzliche fünfte Klassen an den Fürther Gymnasien gebraucht.

Jahr für Jahr also wird der Raumbedarf wachsen, das G9 verstärkt die Entwicklung noch. Um sich dafür zu wappnen, will die Stadt die bisherigen Gymnasien so weit vergrößern, wie es "am jeweiligen Standort noch pädagogisch sinnvoll ist", sagt Braun. Konkret sieht das so aus: Das Helene-Lange-Gymnasium soll nach der Generalsanierung 1500 Schüler fassen (heute: 1200), Braun zufolge hat der Architekt die Pläne schon angepasst. 2020 soll die Sanierung beginnen.

Auch den Raumbedarf fürs Heinrich-Schliemann-Gymnasium hat die Stadt korrigiert, für 1000 Schüler (heute: 598) soll es in Zukunft ausgelegt sein. Dies werde die Vorgabe für den Architektenwettbewerb sein, der in den nächsten Wochen starten soll. Er soll zeigen, wie ein Neubau auf dem Wolfsgruberareal aussehen könnte. Am Hardenberg-Gymnasium (heute: 1162 Schüler) wiederum ließe sich eine Ebene auf den Neubau drauf setzen, so Braun. Bis zu sechs Klassenzimmer könne man so gewinnen. Die Maßnahmen werden ein wenig Luft verschaffen. Und womöglich, so Braun, kommt noch ein kleines Gymnasium eines privaten Trägers hinzu, entsprechende Anfragen gebe es.

"In acht bis zehn Jahren"

Reichen wird das vermutlich allerdings nicht. Momentan spreche einiges dafür, dass Fürth "in acht bis zehn Jahren" ein weiteres Gymnasium braucht, sagt Braun.

Die Fürther FDP hält dieses für überfällig. Die bestehenden Gymnasien auszubauen, löse das Problem nicht nachhaltig, heißt es in einer Pressemitteilung. Es führe nur dazu, dass "die gesamte Schulfamilie immer unübersichtlicher" werde, "ein persönliches Eingehen auf einzelne Schüler wird damit immer schwerer".

Idealerweise, meint FDP-Stadtrat Stephan Eichmann, sollte im Westen der Stadt ein neues Gymnasium entstehen. Braun bestätigt, dass ein Standort im Westen oder im Norden "interessant" wäre – letztlich aber müsste man sehen, wo sich ein geeignetes Grundstück findet. Aufmerksam verfolgen dürfte man die Entwicklung im Landkreis, wo die Schülerzahlen ebenfalls steigen. Der Landkreis müsse berücksichtigen, was sich in Fürth und Nürnberg tue, sagte Landrat Matthias Dießl im Dezember.

Weniger gut vorherzusehen sei, wie sich die Schülerzahl der Realschulen entwickle, sagt Braun. "Das muss man gut beobachten." Die Leopold-Ullstein-Realschule sei schon gut gefüllt, an der Hans-Böckler-Realschule aber gebe es noch Kapazitäten.

An den Mittelschulen seien derweil keine Engpässe zu erwarten. Ganz anders sieht es an den Grundschulen aus: Hier kommen die stärkeren Jahrgänge zuerst an, und neben Klassenzimmern ist auch Platz für die Mittags- und Ganztagsbetreuung nötig. Zügig sollen daher gleich mehrere Standorte erweitert werden – neben der Pestalozzi-Schule auch die Adalbert-Stifter-Schule, die Friedrich-Ebert-Schule, die Burgfarrnbacher Grundschule und die Frauenschule.

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