Dienstag, 28.01.2020

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Berufsverbot als Schritt ins Verderben

Die Nazis waren rücksichtslos gegen jüdische Ärzte - Ausstellung im Klinikum - 19.09.2009

Bei der Ausstellung zum Berufsverbot für jüdische Ärzte im Fürther Klinikum zeigten Barbara Ohm, Ursula Ebell, Jens Klinge und Axel Brandt (v. li.) großes Interesse. © Horst Linke


Er war hoch geachtet und eine Koryphäe auf seinem Gebiet: Dr. Jakob Frank. 1871 in Forchheim geboren, hatte der Arzt ab 1896 in Fürth gearbeitet und sich im alten Krankenhaus an der Schwabacher Straße einen Namen als glänzender Chirurg gemacht. Er operierte vor allem Galle, Magen und Schilddrüse.

Frank konzipierte das neue Krankenhaus auf der Schwand mit und wurde 1931 dessen Direktor. Das alles half dem jüdischen Mediziner wenig: Nach der Machtübernahme der Nazis wurde er am 20. März 1933 in «Schutzhaft» genommen und wenige Tage später aus seinem Amt entfernt. Er arbeitete im jüdischen Hospital an der Theaterstraße weiter und konnte 1939 über Schweden in die USA fliehen. Weil er als Arzt in Amerika nicht praktizieren durfte, arbeitete er als Krankenpfleger. Dr. Frank starb 1953 - sein Porträt hängt als Dank und Mahnung heute im Eingangsbereich des Klinikums.

Es hat Gesellschaft bekommen. In der Ausstellung werden auch die Lebensläufe von Irma Kraus und Dr. Ernst A. Seckendorf - stellvertretend für 25 jüdische Ärzte in Fürth - kurz angerissen. «Die Schicksale gehen unter die Haut», bekannte Oberbürgermeister Thomas Jung in seinem Grußwort.

Zuerst kam in Nazideutschland der Aufruf an die Bevölkerung, jüdische Ärzte zu meiden, im September 1938 folgte der per Gesetz angeordnete Entzug der Approbation - quasi ein Berufsverbot, das 1939 auf jüdische Zahn- und Tierärzte sowie Apotheker ausgeweitet wurde.

Die Ausstellung, die eingängig und kompakt die Hintergründe erläutert, haben die Ärzte für Frieden und soziale Verantwortung (IPPNW) nach Fürth geholt. Bereits 2008 war sie in München zu sehen, im Frühjahr dann bei den Psychotherapiewochen in Lindau und im Juni im Klinikum Nord in Nürnberg. Doch ihre Wurzeln reichen weit zurück.

Verdrängte Geschichte

Ursula Ebell, die die Ausstellung konzipiert hat, erinnerte in ihrer Ansprache daran: Zum 50. Jahrestag des Berufsverbotes hatte sie mit ihrem Mann eine Dokumentation erstellt und war mit dem verdrängten Thema zunächst angeeckt. Inzwischen aber wird die Zug um Zug um weitere Ärzte-Porträts ergänzte Ausstellung sogar von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns unterstützt.

Die Namensliste der jüdischen Ärzte ist gewachsen: 270 Mediziner aus München stehen darauf, 118 aus Nürnberg. Warum sie so gründlich ihrer Profession, ihres Einkommens und viele auch ihres Lebens beraubt wurden, erklärte die Historikerin Barbara Ohm bei der Eröffnung: Der Arztberuf gehörte zu den wenigen, die Juden überhaupt offen standen. Sie wurden beneidet und als unliebsame Konkurrenz betrachtet. Zumal dann, wenn sie, wie Dr. Frank, arme Menschen unentgeltlich behandelten.

Was sie erlebten, war unmenschlich. Irma Kraus etwa, geboren 1896 in Neustadt/Aisch, praktizierte seit 1924 in Fürth. Im Juli 1935 wurde sie unter Anklage gestellt, angeblich hatte sie eine «gewerbliche Abtreibung» vorgenommen. Sechs Jahre Zuchthaus in Aichach folgten, gleich danach wurde sie ins KZ Ravensbrück deportiert. Dort starb sie im Juni 1942.

Oder Dr. Ernst A. Seckendorf, der im Ersten Weltkrieg als Arzt und Soldat gedient hatte und mehrfach ausgezeichnet worden war. Der Dermatologe, verheiratet mit einer Katholikin und Vater zweier Söhne, verlor 1935 seine Kassenzulassung. 1937, als er bereits die Auswanderung vorbereitete, wurde er von der Gestapo verhaftet. Vorgeblich hatte auch er drei Abtreibungen vorgenommen. 1938 wurde er verurteilt, saß in Amberg und wurde 1942 nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Er starb am 11. Februar 1943 - angeblich an einer Rippenfellentzündung. Dass das Leben dieser Ärzte nun publik wird, macht Professor Jens Klinge dankbar. «Wir hatten und haben jüdische Förderer», sagte der Ärztliche Direktor des Klinikums. Am bekanntesten ist wohl Alfred Nathan, der 1906 Fürth die Geburtsklinik - das Nathanstift - schenkte.

Gabi Pfeiffer

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