Besuch für Künstler

24.10.2011, 16:00 Uhr

© Horst Linke

Ist man erst mal in einem der Fürther Ateliers, zeigt sich, dass doch Publikum unterwegs ist. Bei Anette du Mont, die Fürths ungewöhnlichstes Atelier in der Alten Kirche in der Blumenstraße betreibt, erkundigt sich eine Dame nach ihren Malkursen. Sie möchte mit Öl experimentieren und die Künstlerin ist gerne mit Tipps behilflich. Neben du Monts großflächigen Werken voller kleiner Strukturen, die wie Sterne oder Leuchtraketen wirken und meist sanfte Farben haben, hängen die Bilder der Kinder aus ihrer Malstunde „Ottilie“.

Ums Eck hat Stephan Schwarzmann aus Papier und Karton kleine Wunderwelten geschaffen. Jedes Kästchen erzählt eine Geschichte, die auch gerne erotisch sein darf. Alles schön knalligbunt. Sein Gast Martin Lange präsentiert Holzschnitte, die sich im Vierfarbendruck mit Wegen, Kreuzungen und anderen Verkehrsthemen sowie mit Patronen und Blüten befassen. Er hat grafisch vollendete Muster geschaffen, spielt mit Farben und Formen, variiert präzise ein Thema. Anke Hellmich gesellt sich mit ihren witzigen, teuflisch frechen Comic-Frauen hinzu, opulent eingerahmt und auf mehreren Ebenen aufgeklebt.

Bei Sabine Neubauer und Gast Katja Wunderling dreht sich alles um das Material. Schon seit Jahren arbeitet Neubauer an dem Thema Bücher. Allerdings bleibt der Inhalt außen vor, ihr geht es um das Buch als künstlerisches Konzept, als Form, als haptisches Erlebnis. Und genau das ist es, in den handgeschöpften Seiten zu blättern, die Farbnuancen zu bewundern, das Rascheln zu hören. Diesmal hat sie Skizzen von Frauen darübergehängt und die passenden Seiten gestaltet: rosé, voller Spitzen, im Rokoko-Flair.

Daneben die schon fertigen Buchobjekte sowie experimentelle Stickerei aus Luftspitze. Rot-schwarzes Polymergarn wird zu höchst interessanten Gebilden. Wunderling ergänzt die Schau mit ästhetischen Kunstwerken aus transparentem Papier. Ihre organischen, sehr rhythmischen Formen können als eine Art Vorhang am Fenster baumeln oder Bildform annehmen. Dann meint man, sie hätte Perlen aufgestickt oder Zellen durch ein Mikroskop beobachtet. Dabei hat sie alles mit Eitempera, einem Malmittel, gestaltet und Samen eingearbeitet.

Auch Nicola Graefe rückt das Material in den Blickpunkt. Ihre Arbeiten sind praktisch Zeichnungen mit der Nähmaschine. Dabei entstehen schicke Täschchen, Schals, Lampen und andere Objekte. Weil die jede Saison anders aussehen, gibt es hier in der Mathildenstraße immer wieder Neues zu entdecken.

Graefe hat Joanna Maxellon eingeladen, die sich Gedanken über die politische Situation macht. So hat sie ein großes Gebilde kreiert, das aus ausgefülltem Stoff besteht, ähnlich wie ein Kissen. Man könnte wunderbar darauf ruhen — doch hat das Ganze die Form von Bomben. Maxellon will damit an die Menschen in Bagdad, Kabul und in Tripolis erinnern, die solchem Bombenhagel ausgesetzt waren und sind. Meist kommen die Nato-

Angriffe in der Nacht — an ruhigen Schlaf ist nicht zu denken. Daneben „bombige“ Küchentücher mit Tipps für die anarchistische Hausfrau, die selbst Granaten herstellen will.

Klassische Malerei kann man dagegen bei Akbar Akbarpour in der Südstadt genießen. Er ist seinem Stil treu geblieben, die hellen Farben dick aufzutragen und menschliche Gestalten in seinen Bildern zu analysieren. Sein Schüler Tomas Tzen tut es ihm nach, allerdings in einem realistischeren Stil und in dunkleren Tönen. Die junge Iranerin Pegah Amini wählt glänzende Farben, die wie mit einer Lackschicht übersprüht wirken. Sie hat Szenen aus Deutschland gemalt und festgehalten, was ihr kurz nach ihrer Ankunft auffiel, zum Beispiel im Schwimmbad. Daneben die einfühlsame Porträt-Studie einer iranischen Frau. Eine begabte Künstlerin.

„Wieder ein reichhaltiges Kunst-Wochenende, bei dem man unmöglich alle Ateliers besuchen kann, aber tolle Arbeiten zu sehen bekommt“, fasst ein Spaziergänger treffend zusammen.

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