Bewährungsprobe für den Metropolmarathon

12.1.2011, 19:00 Uhr
Bahnchef Rüdiger Grube überquert als prominentester Teilnehmer bei der Großveranstaltung im Juni vergangenen Jahres mit hängender Zunge, aber jubelnd die Ziellinie auf der Fürther Freiheit

© Thomas Scherer Bahnchef Rüdiger Grube überquert als prominentester Teilnehmer bei der Großveranstaltung im Juni vergangenen Jahres mit hängender Zunge, aber jubelnd die Ziellinie auf der Fürther Freiheit

Die städtische Finanzmisere hat den Spielraum auch für imageträchtige Großveranstaltungen, wie den zu Fürths Jahrtausendfeier aus der Taufe gehobenen Marathon, stark eingeengt. In der letzten Sportausschuss-Sitzung wurde daher Klartext gesprochen. „Nach dem Kassensturz müssen heuer die Personalkosten von den Einnahmen voll gedeckt werden, sonst sehe ich schwarz“, sagt Bürgermeister Markus Braun auf Anfrage der FN.

Braun verkennt keineswegs die positive Ausstrahlungskraft des Metropolmarathons. Für den laufbegeisterten Bürgermeister handelt es sich um eine „wertvolle Veranstaltung, die Fürth überregionale Beachtung sichert.“ Kaufen kann sich die Stadt von dieser Anerkennung allerdings nichts.

Marathon-Organisator Bernd van Trill gibt aber zu bedenken, dass von dem Großereignis auch wirtschaftliche Impulse ausgehen. Zu den Nutznießern gehören etwa Hotels und Gaststätten. Außerdem: Auch wenn im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben wurden, konnten doch 8000 Euro vom Startgeld an soziale Einrichtungen in Fürth gespendet werden.

Bahn als Sponsor

Engagiert worden war van Trill mit der Maßgabe, dass der Stadt keine zusätzlichen Kosten entstehen. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen für große Laufveranstaltungen in Deutschland allgemein verschlechtert haben, gehört er nicht zu den Pessimisten. Die Bahn, die im vergangenen Jahr zu den Sponsoren gestoßen ist, wird neben dem Baumarkt OBI den sportlichen Auftrieb der Metropolregion heuer wieder unterstützen.

Was van Trill zuversichtlich stimmt sind daneben die gegenüber dem Vorjahr schon deutlich höheren Anmeldezahlen. Mit insgesamt rund 6000 Teilnehmern an den verschiedenen Wettbewerben rechnet der Organisator. Zusätzliche Anreize sollen das Interesse weiter anzukurbeln. Dazu gehört ein neuer Zusammenschluss von Laufveranstaltungen. Das Ergebnis heißt Nordbayerische Laufserie. Wer mindestens vier der sechs Läufe absolviert, nimmt automatisch an einem Gewinnspiel teil. Näheres dazu wird auf der Website www.nordbayerische-laufserie.de erläutert.

Als populäre Zugnummer des Fürther Lauffestivals vom 3. bis 5. Juni rückt der Hobbylauf auf einer Fünf-Kilometer-Runde im Stadtpark in den Fokus. „Fürth ist weiß-grün“ lautet das Motto. Die Teilnehmer sollen möglichst in den Stadtfarben gekleidet an den Start gehen. Das Kontrastprogramm will der Nürnberger Lauforganisator Bernhard Nuss (Team Never Walk Alone) beisteuern. Unter der Parole „Nürnberg ist schwarz-rot“ hat er van Trill versprochen, 500 an ihrer Laufbekleidung erkennbare Nürnberger zu mobilisieren.

Jetzt gerät der Fürther Metropolmarathon-Organisator ins Schwitzen. Denn er will keinesfalls zulassen, dass die Sportskanonen aus der Nachbarstadt die Fürther Läuferschar zumindest zahlenmäßig in den Schatten stellen. Knapp 1000 Anmeldungen für die Läufe Anfang Juni liegen dem städtischen Sportamt bereits vor. Das Läuferpotenzial der Metropolregion wird auf 22000 Menschen geschätzt.

Was viele Marathon-Veranstalter wurmt, ist der Rückgang der Anmeldezahlen. Van Trill macht dafür eine Übersättigung und die bei zunehmender Arbeitsbelastung immer problematischere Langdistanz-Vorbereitung verantwortlich. Gegensteuern will man in Fürth mit einer extrabreiten Angebotspalette: Was auf der Marathondistanz wegbricht, soll auf den kürzeren Strecken und im Team wieder wettgemacht werden.