Dienstag, 25.02.2020

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Bewegte Geschichte: Zeitzeugin erzählt vom Fürther Fanbunker

Die Fürtherin Elisabeth Leitl kennt das Gebäude an der Kronacher Straße gut - 20.01.2020 16:00 Uhr

Ein Gebäude voller Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten hier kurzzeitig Geflüchtete, später diente es als Atomschutzbunker. © Hans-Joachim Winckler


Dass inzwischen die Fans der Spielvereinigung den Bunker gekauft haben, hat sie aus den Medien erfahren und deshalb die FN kontaktiert. Es ist ihr wichtig, ihre Erinnerungen zu teilen: "Wenn von uns Alten keiner mehr lebt, dann weiß ja keiner mehr von unserer Geschichte."


Das planen die Sportfreunde Ronhof im Fürther Fanbunker


Schon den Bau habe sie aus nächster Nähe erlebt, sagt sie. Mit ihren Eltern und ihrer Schwester (ein Bruder wird kurze Zeit später geboren) wohnte Leitl 1941 im Laubenweg 124 direkt gegenüber. "Wir haben als Kinder in der Baugrube gespielt", erzählt sie. Dem Architekten habe das nicht gefallen. "Er hat sich die Buben geschnappt und in seinen Keller gesperrt. Nur hat er nicht bedacht, dass es der Vorratskeller seiner Frau war. Die Buben haben ihm die Einmachgläser leer gemacht", erzählt Leitl, die 1931 geboren wurde und fast 80 Jahre nach dem Vorfall noch ein wenig darüber lachen muss.

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Ein Rundgang durch den Bunker der Sportfreunde Ronhof

1941 erbaut sollte der Hochbunker an der Kreuzung von Laubenweg und Kronacher Straße, unweit des Sportpark Ronhof, im Zweiten Weltkrieg einst Schutz vor Bombenangriffen bieten. In den Siebzigern wurde er dann als Atomschutzbunker genutzt. Viel ist aus dieser Zeit erhalten geblieben. Nun wird die größte Fangruppe der SpVgg Greuther Fürth, die Sportfreunde Ronhof, in das Gebäude einziehen. Wir haben uns darin umgesehen.


Gebaut worden sei der Bunker von französischen Kriegsgefangenen, die in Baracken in der Erlanger Straße untergebracht waren. "Sie haben uns immer heimlich durch den Zaun Schokolade gegeben", erinnert sich Leitl. In der Geschichtsschreibung ist bislang wenig über den Bau zu finden. Auch Kamran Salimi vom Verein Untergrund Fürth, der sich eingehend mit der Geschichte der Fürther Bunker beschäftigt, kann das zunächst nicht sicher verifizieren. Er hält es aber nicht für unwahrscheinlich. "Die wehrfähigen Männer waren 1941 an der Front. Deshalb wurden gerade für dringliche Baumaßnahmen oft Zwangsarbeiter herangezogen", sagt er.

Kein Schutz für Ausländer

In der Chronik der Stadt und im Tagebuch des Zeitzeugen Daniel Lotter finden sich in den 40er Jahren Einträge, die davon berichten, wie stark ausländische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter das Stadtbild prägten. In Ronhof mussten sie – oft junge Frauen aus Osteuropa – auch in der mehrfach angegriffenen Rüstungsfabrik "Dynamit-Nobel", umgangssprachlich "die Pulver" genannt, arbeiten.

Der Zutritt zu den Bunkern und damit der Schutz vor den Bomben blieb ihnen ab 1942 auf Maßgabe der nationalsozialistischen Machthaber allerdings verwehrt. "Es war bei Strafe verboten, man hat die Bunkertüren nicht aufmachen dürfen", erinnert sich Leitl.

Ihr Vater, Bruno Löslein, wurde als Bunkerwart zum Luftschutz abkommandiert, weil er in Nürnberg in einem Rüstungsbetrieb angestellt war und deshalb nicht zum Militär eingezogen wurde. Wenn Fliegeralarm ausgelöst wurde, war es seine Aufgabe, den Bunker aufzusperren und die Sirene auszulösen. Wie viele andere hatten die Lösleins seinerzeit aber kein Telefon.

Die Alarmkette lief also über Umwege an. Fast nebenan lag die Gaststätte "Zur Gifthütte", ein wichtiger Ort im sozialen Leben von Ronhof. "Die Männer haben sich da zum Stammtisch getroffen", sagt Leitl. Sie erinnert sich, wie sie dort immer Bier im Krug für ihren Onkel abholte. Und es gab ein Telefon in der "Gifthütte". Wurde Fliegeralarm ausgelöst, rief die Polizeistation aus der Erlanger Straße in der Gaststätte an – und der Wirt rannte zu Leitls Vater.

Spielen im Bombentrichter

Als die NSDAP ab Oktober 1944 in der Endphase des Zweiten Weltkrieges den sogenannten "Volkssturm" ausrief, wurde auch der Vater zum Militär eingezogen. Nun war Leitls Mutter für den Bunker zuständig. "Sie hatte dort allein Angst und hat überall Licht angemacht. Und ich musste sie begleiten", erzählt Leitl. Die kleine Elisabeth musste mitzählen, um den richtigen Ton für Alarm oder Entwarnung zu erzeugen.

Elisabeth Leitl ist es wichtig, ihre Erinnerungen zu teilen. © Hans-Joachim Winckler


In ihre Erinnerungen an die Kriegsjugend mischen sich in den Schrecken auch Momente, in denen die Kinder versuchten, Kinder zu sein. Als eine Bombe das Sportgelände der Spielvereinigung traf, sei ein großes Loch entstanden, das sich mit Regenwasser füllte. "Die Buben haben ein Floß gebaut, und wir sind damit auf dem Bombentrichter herumgefahren."

Dass nun die Kleeblatt-Fans in das Gebäude ziehen, hätte wohl vor allem Leitls verstorbenen Mann gefreut. Der war vom 1. Januar 1946 an bis zu seinem Tod Mitglied – im Männergesangverein der SpVgg.

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