Samstag, 21.09.2019

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Biblische Frauengestalten als Bindeglied

47. Fürther Kirchenmusiktage boten mit fünf Uraufführungen ein spannendes Programm zum Auftakt - 16.11.2010 10:29 Uhr

Helmut Bieler (li.) stellte in der Auferstehungskirche sein Werk „Hannas Dank und Ruths Klage“ vor, Moderator Michael Herrschel lauschte gebannt. © Scherer


Von den sechs Werken zeitgenössischer Musik, die beim Eröffnungskonzert in der Auferstehungskirche erklangen, waren fünf eigens für diesen Anlass komponiert worden. Drei thematisch-musikalische Vorgaben galt es zu berücksichtigen: Es sollte um eine biblische Frauengestalt gehen, die Stücke sollten für zwei Frauenstimmen, Horn, Posaune, Klavier und Orgel geschrieben sein, und es galt, die reichen Klangmöglichkeiten der Auferstehungskirche zu erforschen.

Wie unterschiedlich und erfindungsreich die Komponisten diesen Auftrag umsetzten, führte zu einem anspruchsvollen, spannenden Programm. Dass die Komponisten der Uraufführung beiwohnten und angeregt durch die feinsinnigen Fragen von Moderator Michael Herrschel Einblicke in den Arbeitsprozess gaben, ermöglichte einen nahen Blick auf die Stücke.

Zu Beginn stellte das Werk von Helmut Bieler „Hannas Dank und Ruths Klage“ zwei dramatische Antithesen einander gegenüber. Eindringliche Klagen von Renate Kaschmieder (Alt) aus dem Altarraum wurden durch Lobgesang von der Empore, vorgetragen von Monika Teepe (Sopran), kontrastiert. Auch Orgel (Andreas König) und Klavier (Sirka Schwartz-Uppendieck) wurden hier als Kontraste gedacht, wobei es immer wieder zu überraschenden Überschneidungen und Ergänzungen kam.

Hauchzarte Linien

Nach dieser packenden Szene öffnete „Sarah“ von Eva-Maria Houben einen meditativ-besinnlichen Raum. Ihre Auseinandersetzung mit der Frau, die bis ins hohe Alter wartet und hofft, doch noch ein Kind zu bekommen, mündete in eine Komposition, die das Warten durch zahlreiche Wiederholungen im liturgischen Gesang und die verschieden lang gehaltenen Töne der Instrumente wiedergab. Die bis zur Hauchigkeit zarten Linien von Horn (Wilfried Krüger) und Posaune (Ralf Bauer) ließen den Atem hörbar werden, die unterschiedliche Verweildauer machte Zeit fast greifbar plastisch.

Dass Dorothea Hofmann in ihren Kompositionen oft tänzerische Impulse umsetzt, wurde auch in „Maria Magdalena“ deutlich. Auf der Grundlage von Bibeltexten sowie Versen der Mystikerin Mechthild von Magdeburg gestaltete sie die Begegnung der Frau, aus der „sieben Teufel ausgefahren waren“, mit Jesus, von der Salbung der Füße bis zu Kreuzigung und Auferstehung. Die beiden voll klingenden, timbrereichen Frauenstimmen mischten sich auf angenehmste Weise von wechselnden Positionen auf der Empore.

Der jüngste Komponist des Programms, Julian Habryka, dirigierte selbst seine Vokalise „Hasava“. Ohne Worte gab die Musik Sulamiths Gesang aus dem Hohenlied wieder. Dass die schier grenzenlose Liebe des Anfangs sich drastisch steigerte, nahezu ein Sirenengesang wurde und schließlich nur noch die Instrumente das Sagen hatten, ist auf die Ausgangsfrage des 23-Jährigen zurückzuführen, inwiefern der Text heute noch Gültigkeit hat.

Am Ende stand wiederum eine dramatische Verflechtung: „Héd“ von Bernhard Matthias Hoffmann stellte Judiths Ermordung des Holofernes einigen Versen von Else Lasker-Schüler gegenüber. Altertum und Neuzeit schienen sich in diesem Werk bis zur Verdichtung nahe zu kommen.

Ein packender Abend mit einer immensen Fülle an neuen akustischen und musikalischen Impressionen sowie Denkanstößen, die seinesgleichen suchen. 

Elke Roeder

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