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Bierkeller wird verfüllt

Die alte Anlage der Bergbräu ist einsturzgefährdet - 02.09.2011 11:00 Uhr

Statt Bier fließt hier bald der Beton: Die beiden Zugänge zum Bergbräu-Keller bei der Wolfsschlucht verlieren in den kommenden Tagen ihre eigentliche Bestimmung. © Erich Malter


Es ist schon sehr lange her, dass im Felsenkeller an der Wolfsschlucht die Bierfässer der Fürther Bergbräu lagerten. Schön kühl, ohne jede Temperaturschwankung.

Ein Großteil der Stollen musste bereits Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts weichen, als auf dem früheren Gelände der Brauerei eine große Wohnanlage errichtet worden ist. Jetzt wird auch der Rest des Gangsystems verfüllt.

Arbeiter haben bereits mit den Vorbereitungen begonnen, sie erweitern unter anderem die Luftschächte. Durch sie wird irgendwann in den kommenden Tagen der Beton hineinfließen, der verhindern soll, dass Teile des Kellers einstürzen. Denn genau das haben „mindestens zwei Gutachter“ befürchtet, sagt Ralf Röder, Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft. Eines der Gutachten stamme von der Landesgewerbeanstalt (LGA).

Die Reaktion der Kommune: Sie verdonnerte die Eigentümergemeinschaft, der auch die benachbarte Wohnanlage gehört, die Tunnel zu verfüllen – möglich ist das nur, weil der Felsenkeller nach Röders Worten nicht unter Denkmalschutz steht.

Die Verfüllung ist allerdings nicht die einzige Auflage. In der Umgebung des Bergbräu-Kellers sind die unterschiedlichsten Fledermausarten heimisch. Zwar ließen sich die Tiere bei einer eigens anberaumten Begehung der Gänge nicht blicken, sagt Ordnungsamtsleiter Hans-Peter Kürzdörfer, fügt aber hinzu, dass „nicht auszuschließen ist, dass die Fledermäuse den Ort in den Wintermonaten als Rückzugsort nutzen“.

Nach einer „artenschutzrechtlichen Prüfung“ ordnete die Stadt daher per Bescheid an, dass die Eigentümer sogenannte Holzbeton-Rundkästen in den Bäumen der Umgebung aufzuhängen haben. Außerdem sollte der Felsenkeller in der Badstraße als Ausgleichsmaßnahme derart hergerichtet werden, dass dort „Fledermäuse beste Bedingungen vorfinden“, so Kürzdörfer. Dazu zählen beispielsweise „Hanghilfen“, aber auch ein Verbot von Führungen durch den Keller während der Winterzeit.

Von den Nazis enteignet

Zurück zum Bergbräu-Keller: Die Bergbräu zählte neben Grüner, Evora&Meyer, Humbser und Geismann zu den fünf großen Brauereien der Stadt. Im Jahr 1862 erhielt sie zunächst den Namen ihres jüdischen Gründers: Wolf Wilhelm Mailaender. Weil die Braustätte in der Bäumenstraße jedoch nicht ausreichend Raum bot, um zu expandieren, ließen die Söhne des Gründers 1883 einen Neubau an der Anhöhe über der Wolfsschlucht beim heutigen Fritz-Mailaender-Weg errichten.

Aus dieser Zeit muss auch die Kelleranlage stammen, in der das Bier kühl gehalten wurde. Die neue Lage der Brauerei brachte auch einen neuen Namen mit sich: Bergbräu. Nach dem Novemberpogrom 1938 arisierten die Nazis das Unternehmen. Die Familie Mailaender musste ihre Grundstücke weit unter Wert verkaufen, ein Jahr später emigrierte sie nach Palästina. Der weitläufige Bierkeller diente im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzraum.

1954 kehrten Fritz, Irene und Alice Mailaender nach Fürth zurück und führten die Firma weiter. Sie blieb in Familienbesitz, bis die Patrizier AG 1974 die Brauerei übernahm und drei Jahre später stilllegte. Zu Beginn der 1980er Jahre wichen die Brauereigebäude an der Wilhelmstraße dann der besagten Wohnbebauung.

Während von der Bergbräu nicht mehr viel übrig ist, wird offenbar eine andere alte Fürther Biermarke einen zweiten Frühling erleben. Zwar ist es noch nicht offiziell, die sprichwörtlichen Spatzen pfeifen es aber schon von den Dächern: Tucher hat ein neues Bier eingebraut, das unter dem alten Namen Grüner auf den Markt kommen soll – noch vor der Fürther Kirchweih. 

VON JOHANNES ALLES

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