Plätze fehlen

Bitter enttäuscht: Fürths Frauenhaus kann nicht umziehen

Alexandra Voigt

Redaktion Fürth

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10.11.2021, 11:00 Uhr
In Frauenhäuser finden Betroffene Schutz, wenn sie zuhause Gewalt erleben. Die Fürther Einrichtung braucht dringend mehr Platz.

© Foto: Ina Fassbender/dpa In Frauenhäuser finden Betroffene Schutz, wenn sie zuhause Gewalt erleben. Die Fürther Einrichtung braucht dringend mehr Platz.

Eigentlich sollte das Fürther Frauenhaus im ehemaligen Seniorenheim Curanum in der Rosenstraße einziehen – unter ein Dach mit den dazugehörigen Beratungsstellen sowie städtischen Einrichtungen wie Schwangerenberatung, Kinderschutzstelle und Bündnis für Familien. Wichtige Anlaufstellen für Eltern, Kinder und hilfesuchende Frauen sollen in dem "Familienhaus" gebündelt werden.

Die Planungen für das Projekt laufen seit zwei Jahren. Das Frauenhaus hätte in dem Gebäudekomplex endlich mehr Betroffene und ihre Kinder aufnehmen können. Bisher stehen für Stadt und Landkreis nur fünf Plätze zu Verfügung, eine bescheidene Zahl, wenn man bedenkt, wie viele Frauen häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Frauen oft lange in der Einrichtung bleiben. Der freie Wohnungsmarkt ist sie nicht bezahlbar, vor allem wenn sie Kinder haben. Und geförderte Wohnungen gibt es zu wenige. Die Folge: Man muss jedes Jahr über 140 Betroffene abweisen.

In der Rosenstraße wollte der Trägerverein ein neues Konzept umsetzten: Das Frauenhaus sollte – nach holländischen Vorbild und mit einem guten Sicherheitskonzept – nicht mehr ein geheimes Schattendasein führen, sondern einen Platz mitten in der Gesellschaft finden. "Wir möchten die Menschen mit dem Thema "Gewalt gegen Frauen" konfrontieren", sagt die Vorsitzende des Trägervereins Eva Göttlein.

Nach dem überraschenden Aus für einen Umzug in die Rosenstraße ist der Frust bei ihr und den anderen Ehrenamtlichen, groß. "Wir sind rausgeflogen, das ist eine harte Nuss. Die ganze Energie und Zeit, die wir in Besichtigungen und Verhandlungen gesteckt haben, waren komplett umsonst. Wir stehen wieder ganz am Anfang", sagt die Vorsitzende resigniert.

Göttlein macht sich auch keine Illusionen, dass man auf die Schnelle etwas Vergleichbares finden kann. Schließlich wird eine Immobilie mit mindestens 1000 Quadratmeter in Innenstadtnähe gebraucht, wenn man mehr Kapazitäten und ein neues Konzept verwirklichen will.

Wohnen für Senioren

Sozialreferent Benedikt Döhla kann die Enttäuschung gut nachvollziehen. Auch er und Baureferentin Christine Lippert seien "wie vor den Kopf gestoßen gewesen", als ihnen die Alpha Gruppe des Nürnberger Immobilienunternehmers Gerd Schmelzer mitteilte, dass sie das für das Frauenhaus vorgesehene Stockwerk des Gebäudes an der Rosenstraße anderweitig vermieten wird. Ein Diakonischer Träger aus Nürnberg will Seniorenwohnungen anbieten.

Der Mietvertrag für das Mütterzentrum und einen dazugehörigen Kindergarten ist dagegen bereits in trocknen Tüchern. Und auch die städtischen Beratungsstellen werden wie vorgesehen in den Bau einziehen. "Wir hätten das Frauenhaus wirklich sehr gerne mit im Boot gehabt. Leider war eine Intervention aber nicht mehr möglich. Der Eigentümer hatte bereits Fakten geschaffen", sagt Döhla. Der Faktor Zeit sei wohl entscheidend gewesen, der Nürnberger Diakonieverein habe sehr schnell zugegriffen.

"Das Familienhaus Rosengarten mit Mütterzentrum, Frauenhaus und den dazu passenden städtischen Ämtern hätte ein Leuchtturmprojekt werden können", sagt Birgit Bayer-Tersch von der CSU, die auch Gründungsmitglied des Trägervereins für das Frauenhaus ist.

"Ein Tiefpunkt"

Der Stadtrat habe in seiner Juni-Sitzung 2020 das Konzept hierfür über alle Fraktionen ausdrücklich unterstützt. Leider wurde in dieser Sitzung aber dem Mietvertrag nicht zugestimmt, weil man nachverhandeln wollte. "Im Rückblick erweist sich dies jetzt als der Anfang vom Ende für den Frauenhaus-Umzug."

Andere Interessenten wären schneller gewesen und hätten den Mietvertrag unterschrieben. Vermeintliche Einsparungen müssten jetzt die Frauen und Ihre Kinder, die weiter abgewiesen werden müssen, ausbaden. Bayer-Tersch: "Für mich ein Tiefpunkt meiner Stadtratstätigkeit." Umso mehr sieht sie jetzt das Engagement von Stadt und Stadträten gefordert, damit bald eine gute Alternative für das Frauenhaus gefunden wird.

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