Sonntag, 08.12.2019

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Blauzungenkrankheit: Seuchenstatus zwingt zum Impfen

Landkreis Fürth ist wegen erkrankter Rinder in Baden-Württemberg Beobachtungsgebiet - 02.12.2019 11:00 Uhr

Pumperlgsund ist das Kälblein, trotzdem müsste Wolfgang Kleinlein das Jungtier impfen, wollte er den Auflagen für eine freie Vermarktung entsprechen. © Foto: Armin Leberzammer


"Ich habe nur noch einen Händler, der mir die Kälber abnimmt", berichtet Kleinlein, entsprechend schwach sei deswegen seine Verhandlungsposition auf dem Markt. Grund dafür sei die Tatsache, dass der Landkreis Fürth wegen einer im Frühjahr bei Rindern in Baden-Württemberg festgestellten Infektion mit der Blauzungenkrankheit als sogenanntes Beobachtungsgebiet deklariert worden ist. Dabei liege Oberasbach nicht einmal in dem 150-Kilometer-Radius um den betroffenen Bauernhof. Laut Kleinlein streift die imaginäre Linie gerade noch den westlichen Landkreis, der dann aber als Ganzes zum Beobachtungsgebiet werde.

Die Folge: Hiesige Landwirte können ihre Kälber nur in andere Restriktions- oder Beobachtungsgebiete verkaufen – es sei denn, sie würden die Tiere impfen. Doch das kommt für Wolfgang Kleinlein nicht in Frage. Er behandelt seine Rinder eigenen Angaben zufolge seit 20 Jahren nur noch auf Basis von Naturheilkunde, auch auf mögliche Impfungen gegen andere Erkrankungen verzichtet er bewusst. "Seither sind sie deutlich gesünder und robuster", sagt der Landwirt, der am Ortsrand von Oberasbach 50 Kühe sowie Zuchtkälber hält.

Unterstützung bekommt Kleinlein von der Interessengemeinschaft gesunde Tiere (IggT) und von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Bayern (abl). Für Letztere engagiert sich der 52-Jährige auch in der fränkischen Vorstandschaft. Gemeinsam fordern sie, der Blauzungenkrankheit, die über Insekten und Blut übertragen werden kann, den Seuchenstatus abzuerkennen. Zum einen, weil der jüngste Fall der erste seit 2008 gewesen sei und die Krankheit bei betroffenen Tieren wegen geringer Auffälligkeit oft nicht einmal bemerkt werde. Zum anderen, weil die Landwirte durch die eingeschränkten Vermarktungsmöglichkeiten quasi zum Impfen gezwungen würden.

Ein Gespräch mit dem Bayerischen Umwelt- und Verbraucherschutzministerium war unlängst ergebnislos geblieben, berichtet Kleinlein. Dass in Bayern bislang keine Krankheitsfälle aufgetreten seien, lasse nicht den Schluss zu, dass dies nicht zukünftig geschehen könne, teilt das Ministerium in einem Schreiben mit. "Es herrscht Konsens mit den bayerischen Wirtschafts- und Berufsverbänden, dass die flächendeckende Impfung die sicherste und nachhaltigste Methode ist, die Tierbestände vor einer lnfektion zu schützen und gleichzeitig den Handel in freie Gebiete aufrecht zu erhalten", heißt es darin.

Für Wolfgang Kleinlein bleibt dies keine Option. "Es wird geimpft auf Kosten der Lebensmittelsicherheit, nur aus Vermarktungsgründen", bedauert er. Es werde also in der nächsten Zeit bei der "von vielen Landwirten als widersprüchlich, verwirrend und inkonsequent empfundenen" Regelung bleiben, kritisiert die IggT.

Armin Leberzammer

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