Samstag, 21.09.2019

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Blind-Light-Painting: Die Magie des Lichts

Im stockdunklen Atelier hat der blinde Künstler Thomas Lösel seine Bilder im Kopf - 18.08.2019 21:00 Uhr

Blind-Side-Model Daniela Steiger. Bei Dunkelheit kann die Position ohne Verwackeln gewechselt werden. © Thomas Lösel


In den 90er Jahren gehörte er zur Avantgarde der bildenden Künstler in Fürth. Frische Impulse gingen von seinem Atelier in der Hirschenstraße und seiner Produzentengalerie in der Maxstraße aus. Der heute 55-jährige Thomas Lösel ist bei Georg Karl Pfahler an der Nürnberger Kunstakademie in die Lehre gegangen. Aber seine künstlerische Laufbahn war von Anfang an mit einer schweren Hypothek belastet.


Thomas Lösel hat die Bilder im Kopf, die er in seinem stockdunklen Atelier mit der Taschenlampe für die Kamera Gestalt annehmen lässt. © Hans-Joachim Winckler


Als er 17 war, diagnostizierte der Augenarzt bei ihm eine unheilbare Verknöcherung der Netzhaut. 2012 begann der Weg in die Dunkelheit. Obwohl er darauf gefasst war, brach für Thomas Lösel eine Welt zusammen. Doch 2017 lud ihn der Berliner Kameramann und Filmregisseur Frank Amann zu einem Blind-Light-Painting-Workshop mit blinden amerikanischen Künstlern ein und Lösel wurde klar, dass noch etwas geht. 


Etwas, das vielleicht sogar tiefer reicht als seine bisherige Malerei und Objektkunst. Schon länger hat er sich auch mit Fotografie beschäftigt. In Barcelona wurde der vielseitige Künstler für seine Kombination aus Malerei und Fotografie ausgezeichnet. Nun bekam er Anregungen, daran anzuknüpfen. Und zwar in der altgriechischen Bedeutung von Fotografie als Schreiben mit Licht.


Was es dazu braucht, ist ein stockdunkler Raum, ein Fotoapparat und Taschenlampen oder Spots mit verschiedenen Farbfilteraufsätzen. Die Lichtquellen sind das Handwerkszeug, mit denen der Künstler seine Bildideen umsetzt. Die Kamera wird auf ein Stativ postiert, ihre Blende ist während der Arbeit permanent offen. Je nachdem, wie lange ein Objekt im Raum beleuchtet wird, desto heller erscheint es auf dem Foto. So werden feinste Schattierungen möglich.


Etwa an Models, mit denen Lösel arbeitet. Doch während die amerikanischen Protagonisten dieser Kunst bisher nur in Schwarzweiß und mit diffusen Konturen operieren, zeigt Lösel klare Kante und setzt auf Farbe. Die Kante hat er von Georg Karl Pfahler, dem prominentesten deutschen Vertreter der um 1960 in Amerika aufgekommenen Hard-Edge-Malerei.


Starke Konturen und schablonenhafter Aufbau in geometrischen Formen zeichnen diese Arbeiten aus. Thomas Lösel verwendet für seine Hard-Edge-Light-Fotografien eigene Gemälde aus früheren Jahren. Die Wirkung wird durch viele Schichten erzeugt. Vorbilder für diese Spezialität kennt Lösel nicht.


Hunde und Musik


Der Künstler lebt seit 20 Jahren in Kirchfarrnbach. Hierher gezogen ist er wegen der Huskys. Mit acht Schlittenhunden trainierte er durchaus erfolgreich. Drei Mal gehörte er zur Nationalmannschaft. 1999 wurde er bei der Fürther Meistersportlerehrung als bester bayerischer Schlittenhundeführer ausgezeichnet. 


Aber auch die Musik hat es ihm seit seiner Jugend angetan. Seinen Flügel kann Thomas Lösel auch ohne Augenlicht noch bearbeiten. Und das Komponieren funktioniert auch noch. Früher ist er mit der Souljazz-Combo Toxid schon mal im Café Fürst aufgetreten.

 
Nur eines kommt für den vielseitig begabten Fürther nie in Frage: zu resignieren. Davon halten ihn schon viele Weggefährten aus alten Zeiten ab. Wenn zum „Gastspiel 2019“ am 26. und 27. Oktober zahlreiche Fürther Künstler wieder ihre Ateliers öffnen, wird Thomas Lösel zu Gast bei Klaus Haas in der Karlstraße 30 sein. Zum Welttag des Sehens am 10. Oktober hat er ein ganz besonderes Bild geschaffen. Es heißt „Augenlicht“.

  

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