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Blockierte Feuerwehr: Fürth will Falschparker abschleppen

Parksünder, die Retter ausbremsen, müssen bald mit drastischen Folgen rechnen - 18.12.2018 06:00 Uhr

Kommt das Drehleiter-Fahrzeug durch? Auch die jüngste Testfahrt war deprimierend für die Vertreter von Feuerwehr, Stadt und Polizei. © Foto: Anestis Aslanidis


"Wir wollen gewissen Verkehrsteilnehmern mit mehr Nachdruck zeigen, dass es so nicht geht", erklärte Straßenverkehrsamtsleiter Hans-Joachim Gleißner auf FN-Nachfrage. Insbesondere in der Innenstadt haben Rettungskräfte immer wieder erhebliche Probleme, mit ihren Großfahrzeugen zu Einsatzorten vorzustoßen, weil rücksichtslose Autofahrer ihre Wagen dort abstellen, wo sie das nicht dürften: in Feuerwehranfahrtszonen, in Kurven, vor Baumscheiben und in zweiter Reihe. Vor gut einer Woche verlor die Feuerwehr deshalb wieder wertvolle Zeit bei der Fahrt zu einem Wohnungsbrand mit mehreren Eingeschlossenen in der Leyher Straße.

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Testfahrt: So bremsen geparkte Autos die Fürther Feuerwehr aus

Schon mehrfach verlor die Fürther Feuerwehr wertvolle Zeit, weil falsch geparkte Autos die Straßen verengten. Auch die jüngste Testfahrt war wieder ernüchternd.


Besonders hoch ist der Parkdruck in der westlichen Innenstadt mit ihren engen Straßen. 2017 musste die Feuerwehr hier ihre Ausrüstung schon einmal notgedrungen zu Fuß zum Unglücksort tragen. In einigen Kurven wurde deshalb der heikle Fünf-Meter-Bereich als Sperrfläche schraffiert. In gewissen Abständen prüfen Vertreter von Stadt, Feuerwehr und Polizei bei nächtlichen Testfahrten, ob das größte Feuerwehrfahrzeug, ein zehn Meter langer Zweiachser mit Drehleiter, durch die Straßen kommt oder nicht. In der vergangenen Woche fand eine solche Fahrt im Viertel um Pfister-, Mathilden- und Marienstraße statt.

Für den Leiter der Fürther Berufsfeuerwehr, Christian Gußner, war es "wie immer deprimierend". Zwar habe es die eine oder andere freie Kreuzung gegeben, an einigen Stellen aber ragten parkende Autos in Kurven, Kreuzungen, Einmündungen. Einmal blieb der Riese mit der Drehleiter "komplett stecken, das war aussichtslos". Zweimal musste er aus Engstellen rückwärts wieder herausmanövriert werden.

Unter "enormem psychischen Druck"

Gußner gibt zu bedenken, dass die Retter im Ernstfall unter einem "enormen psychischen Druck" stehen. Zwei Außendienstmitarbeiter der Kommunalen Verkehrsüberwachung steckten bei der Aktion binnen eineinhalb Stunden mehr als 40 Strafzettel an die Windschutzscheiben von Autos, die die Feuerwehr blockierten.

In Kurven mit Markierung werden 25 Euro Verwarngeld fällig, sonst 10 Euro. Weil das niemanden vom verkehrswidrigen Parken abzuhalten scheint, wünscht man sich bei der Feuerwehr und bei der Stadt empfindlichere Strafen. Aber: Das entscheidet der Bund. Vielfach wurden deshalb zuletzt auch in den Kommentarspalten des FN-Online-Angebots Rufe nach Abschleppaktionen "ohne Wenn und Aber" laut.

Völlig eigenständig

In Fürth drohen Abschleppaktionen tatsächlich bald deutlich öfter als bisher. Wie Straßenverkehrsamtschef Gleißner erklärt, werden in Bayern widerrechtlich geparkte Autos auf Weisung der Polizei von dort abtransportiert, wo sie stören. Die Beamten erscheinen dazu üblicherweise an Ort und Stelle, versuchen Kontakt zum Halter aufzunehmen und rufen in letzter Konsequenz einen Abschleppservice.

Weil die Polizei aber nicht immer Kapazitäten frei habe, so Gleißner, "wollen wir uns selber dieser Aufgabe stellen". Anders als beim "Münchner Modell", wo die Polizei die "Amtshandlung des Entfernens eines Fahrzeugs" zumindest aus der Distanz anordne, also etwa via Telefon, soll die Kommunale Verkehrsüberwachung in Fürth künftig bei Bedarf völlig eigenständig handeln können.

Fürther Sonderweg

Das Bayerische Landesstraf- und Verordnungsgesetz lasse dies zu, versichert Gleißner. Es gebe den Kommunen als Sicherheitsbehörden Handlungsspielraum für die Abwehr von Gefahren, die das Leben oder die Gesundheit bedrohen. In Fürth ist man entschlossen, diese Möglichkeiten zu nutzen und damit einen Sonderweg zu beschreiten. Denn so weit Gleißner weiß, lässt im Freistaat keine andere Kommune selbst abschleppen.

Im Frühjahr 2019 soll es losgehen. Parkt ein Auto dann beispielsweise in einer Feuerwehranfahrtszone oder in einer engen Kurve, kann das als "konkrete Gefahr" bewertet werden, auch wenn es weit und breit nicht brennt. Die Kommunalen Verkehrsüberwacher rufen den Abschleppdienst, der Fahrzeughalter muss mit rund 200 Euro Abschleppkosten rechnen.

Birgit Heidingsfelder

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