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Blühende Bonbons für gesunde Bienen

Imker Konrad Müller erklärt, wie Blumenwiesen im Hausgarten angelegt werden können - 05.04.2014 11:00 Uhr

Auf einer Bienenweide in der Flur zeigt Konrad Müller die Wilde Möhre, die bereits austreibt. Das Vorjahresgestrüpp wird jetzt abgeräumt. © Scherer


Herr Müller, wann ist der beste Zeitpunkt, für die Bienenweide zum Spaten zu greifen?

Müller: Dank des milden Winters ist heuer alles früher dran. So kann man jetzt schon eine Blühwiese anlegen, aber es reicht noch bis Mitte Mai. Allerdings empfiehlt es sich, auf den Wetterbericht zu achten. Die ersten 14 Tage sollte der Samen feucht bleiben, trüb und regnerisch wäre optimal, es sei denn man, gießt gern. Ist der Samen angekeimt und trocknet ab, war alles für die Katz.

Zumal die Blühmischungen nicht ganz billig sind...

Müller: Das ist richtig. Aber es reichen ein bis zwei Gramm je Quadratmeter, da kommt man mit wenig schon sehr weit.

Welches Saatgut empfehlen Sie?

Müller: Da gibt es zum Beispiel die Mischungen aus der Blumenstadt Mössingen, die gern auf öffentlichen Flächen zum Einsatz kommen. Ich nenn’ sie Bonbon-Mischungen, sie sind sehr bunt, aber nur einjährig. Ich setze auf mehrjährige Mischungen, dann habe ich über Jahre hinweg kaum Aufwand. Für Ausgleichsflächen in der Flur greif’ ich gern zur Veitshöchheimer Bienenweide von der Landesanstalt für Gartenbau. Sie wird mannshoch, das ist für den Hausgarten ungeeignet. Da machen sich flache Mischungen wie die für Bienen nach Professor Engel von Jehle oder Blumenwiesen von Küpper besser.

Worauf fliegen die Bienen denn?

Müller: Malve, Ringel- oder Kornblume sind Klassiker in den Mischungen, sie säen sich alle Jahre wieder aus und setzen wunderschöne Farbkleckse. Auf Klatschmohn, könnt’ man meinen, sind die Bienen süchtig. Ich hab’ schon bis zu acht Bienen zeitgleich auf einer Blüte gesehen. Im Lauf der Zeit verändert sich das Bild einer Blumenwiese: Im zweiten Jahr kommen mehr Stauden wie Goldrute, Königskerze, Wilde Möhre oder Margerite.

Auf die Vorbereitung des Saatbeetes sollte man etwas Sorgfalt verwenden, oder?

Müller: Die schönsten Wildblumenwiesen finden sich auf mageren Böden. Ist der Boden fetter, kommen manche Pflanzen eben sehr stark, andere überhaupt nicht. Aber man kann dem Boden nachhelfen: Mit Sand lässt er sich abmagern: Recht humose Erde verträgt zehn bis zwanzig Liter Sand pro Quadratmeter.

Gehen wir mal von Rasen als Ausgangspunkt aus: Was muss der Laie tun, will er sich eine blühende Insel anlegen?

Müller: Ein bisschen Samen auszuwerfen, funktioniert nicht. Der Rasen lässt Wildblumen keine Chance. Die Grasnarbe muss runter. Der Boden darunter darf nicht verdichtet sein, er muss umgegraben werden. Zur Aussaat sollte die Erde feinkrümelig hergerichtet sein. Das ist kein Zauberwerk. Man muss nur ein paar einfache Regeln beachten, die wichtigste ist: Unkraut, Grasbüschel und Löwenzahn müssen raus. Wer längerfristig plant, kann die Fläche schon im Herbst umgraben. Der aufgefrorene Boden ist dann im Frühjahr weich und saugfähig wie ein Schwamm. Ist die Fläche stark verunkrautet, empfiehlt sich sogar noch mehr Vorlauf: Ein Jahr Phacelia oder Senf freut die Biene auch. Und diese Pflanzen entziehen dem Boden den Stickstoff. Dann kann man das Beet abräumen und ansäen.

Was gibt es bei der Wildblumen-Aussaat zu beachten?

Müller: Der ausgestreute Samen sollte nicht eingearbeitet werden. Leichtes Andrücken genügt, mit dem Schaufelrücken etwa, auch unter die Schuhe geschnürte Bretter tun da gute Dienste. Ausreichend Feuchtigkeit vorausgesetzt, stehen nach drei, vier Wochen die ersten Pflanzen. Weitere fünf Wochen später kommen die ersten Blüten.

Womit wir bei der Pflege wären...

Müller: Der Aufwand dafür ist minimal. Trockenheit hält die Bienenweide sehr gut aus. Düngetechnisch ist wenig, besser noch: gar nichts, mehr. Wer mag, kann sie im Sommer einmal schneiden. Wildblumen resignieren nicht, sie schieben neue Blütentriebe. Ich habe auch Flächen, die ich vor zehn Jahren angesät habe und die mit einem Schnitt im März prima über die Runden kommen. Man kann auch im Herbst mähen, aber ich lass’ die dürren Stängel über den Winter stehen, weil sie dem Wild Deckung, Insekten ein Winterquartier und Vögeln Nahrung bieten. Abgeräumt werden sollte das Schnittgut in jedem Fall. Zum einen tun sich die Pflanzen dann leichter, hochzukommen, zum anderen verhindert das den Nährstoffeintrag. Wie gesagt: Der Mangel treibt die Blüte.

Was macht die Bienenweide so wertvoll?

Müller: Sie bietet Bienen Futter bis in den Spätherbst, wenn das Volk die Winterbienen, die bis zu einem halben Jahr überleben müssen, aufzieht. Es ist zwar nicht so, dass Mais keinen Blütenstaub als Eiweiß liefern würde, doch wenn wir sechs bis acht Wochen nur Kartoffeln essen müssten, wäre das auch keine ausgewogene Kost. Nicht anders geht es den Bienen. Den Winter und die Varroamilbe überlebt das Volk nur mit gesunden, widerstandsfähigen Bienen. 

Interview: Sabine Dietz

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