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"Brauchen Perspektiven": Fürths OB zur aktuellen Corona-Lage

Thomas Jung meint: Ohne Grenzwerte, aber auch ohne Öffungsaussichten geht es nicht - 25.02.2021 09:15 Uhr

70 000 Primeln warten in diesem Gewächshaus des Gartencenters Dauchenbeck auf Käufer. Bald wird der Platz schon für Geranien gebraucht.

23.02.2021 © Hans-Joachim Winckler


Am 10. Februar habe es ihr und ihrer Familie den Boden unter den Füßen weggezogen, erzählt Mirja Dauchenbeck: An dem Tag wurde der Lockdown verlängert, alle Hoffnung auf eine baldige Öffnung machte die Bund-Länder-Konferenz zunichte. "Da war nur Perspektivlosigkeit." Obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz in Fürth stark gesunken war.


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Die Dauchenbecks wandten sich an den OB. Ihr Brief habe ihn sehr bewegt, sagt Rathauschef Thomas Jung. Als er daraufhin beschloss, seinen monatlichen Pressetermin zur Corona-Lage diesmal in ihrem Gartencenter in Atzenhof abzuhalten, um auf die Not des Handels aufmerksam zu machen, war ein Umdenken in München noch nicht in Sicht.

Umso mehr freute er sich am Dienstag, umringt von Primeln und Journalisten, mit der Familie über einen höchst willkommenen Zufall: Just an dem Tag beschloss das bayerische Kabinett, dass Gartencenter und Blumenläden am 1. März öffnen dürfen.

70.000 Primeln, die ein Gewächshaus der Dauchenbecks füllen, sind damit gerettet. Ausgesät hat man sie schon im Juni. Angeboten werden müssen sie: genau jetzt. "Sie hätten es nicht bis Ostern geschafft", sagt Mirja Dauchenbeck. Bei Pflanzen könne man nicht den Stopp-Knopf drücken. 20.000 Exemplare, die schon weiter waren, habe man bereits wegwerfen müssen. Und in zwei Wochen brauche man den Platz im Gewächshaus für Geranien.

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"Verkaufen oder entsorgen – da gibt’s nichts anderes", sagt auch Seniorchef Walter Dauchenbeck. Eine grausame Zeit liege hinter ihnen. Dass Supermärkte die ganze Zeit über Blumen verkaufen konnten, während der Fachhandel geschlossen bleiben musste – es leuchtet der Familie nicht ein.

"Für alle Händer, die auf ihrer Ware sitzen bleiben"

Er stehe hier "stellvertretend für alle Händler, die auf ihrer Ware sitzen bleiben", betonte Jung. Er sei mit dem Kurs der Regierung in der Corona-Pandemie immer einverstanden gewesen, aber am 10. Februar hatte auch er sich empört.

"Politik muss auch Mut machen, muss Hoffnung geben", sagt er. "Kinder brauchen Bildung und Freunde, Menschen brauchen eine Perspektive." Das alles sei ihm bei der letzten Bund-Länder-Konferenz zu kurz gekommen. "Ich hoffe, das ist am 3. März anders." Monatelang habe man viele Branchen auf ein Öffnungsszenario ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 hoffen lassen – und plötzlich knüpfe man alles an die 35er-Grenze.

Es sei zweifellos schwierig, in dieser Zeit Entscheidungen zu treffen, so der OB: "Ich verstehe, dass die Politik vorsichtig ist. Ohne Grenzwerte geht es nicht." Es brauche aber auch die Aussicht auf eine Besserung, Schritt für Schritt.


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Auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt von unter 35 wieder auf 73,2 geklettert sei: Fürth stehe wesentlich besser da als vor einigen Wochen, sagt Jung. Am 20. Dezember war mit einer Inzidenz von 269 ein trauriger Spitzenwert erreicht.

Sorge bereiten aktuell die ansteckenderen Mutationen. Vier Covid-19-Patienten liegen momentan auf der Intensivstation des Klinikums, alle mit der britischen Variante. 26 Erkrankte, darunter zwei mit der britischen Mutante, werden auf den normalen Covid-19-Stationen behandelt. Nach einem deutlichen Rückgang kamen in den letzten vier Tagen wieder mehr Corona-Patienten ins Krankenhaus. Die Lage sei aber noch überschaubar.

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