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Braucht auch Fürth ein Fahrradparkhaus?

In Erlangen und Nürnberg laufen schon die Planungen - 06.08.2017 10:00 Uhr

Wildwuchs in verschiedener Ausprägung beherrscht die Szene am Hauptbahnhof Fürth.

03.08.2017 © Foto: Edgar Pfrogner


Chaotische Zustände prägen das Bild rund um die großen Bahnstationen. An der Jakobinenstraße werden Fahrräder reihenweise an das Geländer der Unterführung gekettet, wo sie Fußgängern im Weg sind, und die Abstellanlage am Hauptbahnhof gleicht einem Schrottplatz. Die wenigen abschließbaren Boxen sind restlos besetzt. Wer hier ein wertvolles Fahrrad deponiert, muss mit Schäden rechnen.

Im Mittelpunkt der Diskussion um bessere Abstellmöglichkeiten stand in Fürth bislang das Design der Parkvorrichtungen. Dabei hat sich der vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) befürwortete "Systemständer" gegenüber den gefälligeren Bügeln durchgesetzt. Die bessere Handhabung überwog dabei die Optik. Doch die flächendeckende Umrüstung geht nur zögerlich voran und es gibt noch zu viele Ausnahmen.

Nachbarn ziehen mit

Im Zusammenhang mit der Diskussion um den Verkauf des Fürther Hauptbahnhofs ist jetzt die Idee entstanden, anstelle der bisherigen, völlig unzulänglichen Fahrradparkanlage ein solides Parkhaus zu errichten. Fürth würde sich damit gut in ähnliche Initiativen der Nachbarstädte einreihen. Denn in Nürnberg und Erlangen laufen bereits Planungen für Fahrradparkhäuser an den Hauptbahnhöfen.

Der Fürther ADFC-Kreisvorsitzende Olaf Höhne denkt an die Kombination überdachter Abstellplätze mit einem Reparaturservice, den ortsansässige Fahrradhändler als werbewirksame Außenstelle oder soziale Initiativen wie Sozialrad oder Kinderarche betreiben könnten. Ähnliches zieht der Erlanger Fahrradbeauftragte Joachim Kaluza in Erwägung. Die bisherige Planung sieht ihm zufolge eine überdachte Doppelstockgarage mit rund 900 Stellplätzen am Gleis 1 in Erlangen vor. Mit der Fertigstellung rechnet Kaluza 2019 oder 2020. Noch seien nicht alle Weichen gestellt, aber die Politik messe dem Projekt hohe Priorität ein.

Ein Fahrradparkhaus mit rund 400 Plätzen ist auch am Nelson-Mandela-Platz im direkten Anschluss an den Nürnberger Hauptbahnhof geplant. Die Nürnberger Radverkehrsplanerin Kerstin Scharfenberg rechnet mit einer Realisierung in zwei bis drei Jahren. Anders als in Erlangen soll in Nürnberg ein abschließbares, überwachtes Parksystem entstehen. Für die Nutzung soll laut Scharfenberg eine geringe Gebühr erhoben werden.

Die Notwendigkeit für ein großzügiges Parkplatzangebot am Fürther Hauptbahnhof sieht Olaf Höhne schon deshalb für erwiesen an, weil auch am Südausgang des Fürther Hauptbahnhofs die erweiterten Abstellanlagen nicht mehr ausreichen. Prinzipiell kann sich der ADFC-Kreisvorsitzende auch eine Parkanlage im U-Bahn-Verteilergeschoss des Bahnhofs vorstellen.

Käufer verpflichten

Wichtig sei es, die Parkplätze möglichst nahe an den öffentlichen Verkehrsmitteln anzulegen, um Pendlern entgegenzukommen. Zur besseren Planbarkeit der Anlage plädiert Höhne dafür, dass die Stadt den Hauptbahnhof kauft. Eine Vorstellung, der Finanzreferentin Stefanie Ammon aber bereits einen Dämpfer verpasst hat. Alternativ, so Höhne, sollte die Kommune den Käufer verpflichten, eine ausreichend groß dimensionierte Fahrrad-Abstellanlage zu schaffen.

Herrsching am Ammersee: Was das Abstellen der Fahrräder an der Bahnstation betrifft, stellt die 11.000-Seelen-Gemeinde die mittelfränkische Großstadt locker in den Schatten.

03.08.2017 © Foto: Volker Dittmar


Während Fahrrad-Parkhäuser in Franken noch Mangelware sind, gibt es sie im Süden Bayerns bereits vielfach. So hat sich beispielsweise die 11 000-Seelen-Gemeinde Herrsching am Ammersee im vergangenen Jahr 440 Stellplätze am Bahnhof zugelegt. Neben vier kostenlosen Doppelstock-Garagen gibt es dort auch gebührenpflichtige abschließbare Einzelboxen. Wie der Herrschinger Bauamtsleiter Guido Finster auf FN-Anfrage erläutert, gab es für das 1,8-Millionen-Euro-Projekt großzügige Zuschüsse im Rahmen des staatlichen Förderprogramms des barrierefreien Ausbaus von Bahnstationen.

Die einfache Handhabung und die solide Konstruktion sprechen, so der Bauamtsleiter, für das Modell aus Sachsen. Als "durchweg positiv" stuft Finster die bisherigen Erfahrungen mit dem Parksystem ein. Einziger Nachteil: Schwere E-Bikes seien nur mit gehöriger Kraftanstrengung über die Rampe auf die zweite Parkebene zu befördern.

Das Fahrradparkhaus am Fürther Hauptbahnhof ist auch ein langgehegter Wunsch der städtischen Radverkehrsplanerin Susanne Plack. Den Bedarf stuft sie als unstrittig ein, nachdem sämtliche abschließbaren Fahrradboxen der Kommune vermietet seien. Vorstellen kann sich die Fahrradexpertin unterschiedliche Betreibermodelle – auch mit einem sozialen Träger. Noch entschieden werden müsse außerdem über die Frage, ob die Anlage gekauft oder gemietet werden soll. Die Entscheidung müsse der Stadtrat bei den Haushaltsberatungen treffen.

Neben einem Parkhaus ist auch die Anschaffung einer mobilen Fahrrad-Abstellanlage zum Einsatz bei Großveranstaltungen in Fürth im Gespräch. Ihre Feuertaufe hat die kurzfristig von Nürnberg ausgeliehene Einrichtung im Juni beim New-Orleans-Festival absolviert. Jetzt ist ein weiterer Einsatz während der Kirchweih am Königsplatz geplant. Ob sie gemietet oder gekauft werden soll und wer sie betreuen wird, ist noch unklar.

VOLKER DITTMAR

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