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Breiter Wall soll den Farrnbach zähmen

Statt einer 185 Meter langen Ufermauer plant das Wasserwirtschaftsamt nun einen Hochwasserdamm - 26.08.2016 11:00 Uhr

Die Vorstellung eines 17 Meter breiten Hochwasserdamms im Farrnbachtal (hier an der Weinmühle) beunruhigt viele Burgfarrnbacher. Lieber hätten sie mehr natürlichen Stauraum im Oberlauf des Gewässers.

24.08.2016 © Foto: Athina Tsimplostefanaki


Als Verschandelung des schönen Farrnbachtals und untauglich zum Schutz der angrenzenden Gebäude vor Überflutung wurde die „Monstermauer“ von Anwohnern bei der Projektvorstellung im städtischen Bauausschuss abgelehnt. Das Wasserwirtschaftsamt ist jedoch in Zugzwang, weil es dem sogenannten hundertjährigen Hochwasser vorbauen muss. Es handelt sich um den rein rechnerisch in hundert Jahren höchsten Wasserstand.

Mehr als solch seltene Fluten fürchten Burgfarrnbacher jedoch die plötzlichen Wassermassen nach den häufigeren Starkregenfällen. Für deren Ableitung in die Kanalisation ist wiederum die Stadt zuständig. Bei Überflutungen in der Vergangenheit haben sich die Vorkehrungen zum Abfluss des Regenwassers wiederholt als untauglich erwiesen.

Wie der stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, Klaus Winkelmair, auf Anfrage der Fürther Nachrichten erklärt, hält er nur eine gemeinsame Problemlösung mit der Stadt Fürth für zielführend. Immerhin hat seine Behörde auf die Kritik an der Hochwassermauer reagiert und eine weniger ins Landschaftsbild eingreifende Dammlösung erarbeitet. Sie soll am 14. September um 19 Uhr im Fritz-Rupprecht-Seniorenheim der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Auch dieses Vorhaben stößt jedoch schon im Vorfeld auf Bedenken. Kritiker aus den Reihen des Burgfarrnbacher Bürgervereins und der Anwohner-Interessengemeinschaft für nachhaltigen Hochwasserschutz. Sie befürchten zusätzliche Probleme durch das Ansteigen des Grundwasserspiegels und monieren den hohen technischen Aufwand mit Messpegeln, Pumpwerk und Notstromaggregat, außerdem Einbauten, die den Durchfluss unter der Regelsbacher Brücke drosseln. Weil für den an der Sohle 17 Meter breiten Damm erheblich mehr Grunderwerb nötig ist, wird dessen Realisierung nach Einschätzung von Winkelmair jedenfalls schwieriger und langwieriger als die ursprünglich geplante Mauer.

Lieber mehr Stauraum

Allemal hilfreicher als der störanfällige technische Aufwand wäre in den Augen von Anliegern ausreichender Stauraum im Oberlauf des Farrnbachs. „Geht nicht“, lautet die Antwort des Wasserwirtschaftsamtes, das errechnet hat, dass ein gigantisches Reservoir auf 50 Quadratkilometer Fläche nötig wäre, um ein hundertjähriges Hochwasser aufzunehmen. „Breitwasser statt Hochwasser“ hat der Fürther Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, Reinhard Scheuerlein, dennoch zur Parole der Problemlösung ausgegeben.

Für geradezu kontraproduktiv hält Grünen-Stadträtin Waltraud Galaske einen Hochwasserdamm. Denn der würde nach ihrer Einschätzung den Abfluss des Regenwassers nur noch mehr behindern. Weil etliche Gullys zu klein sind und nach Wolkenbrüchen schnell von Laub und Schlamm verstopft werden, hieß es in der Vergangenheit vor allem an der Farrnbachbrücke in der Regelsbacher Straße häufig: „Land unter“.

Zusätzlich zum Ausbau der Kanalisation fordern Anwohner daher einen sogenannten Bypass: eine Flutmulde, durch die das Regenwasser an der Brücke vorbei in den Farrnbach geleitet wird. CSU-Stadtratsfraktionschef Dietmar Helm ist als Vorsitzender des Burgfarrnbacher Bürgervereins nicht allzu optimistisch, dass gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt eine Lösung gefunden werden kann. „Die werkeln zu sehr im stillen Kämmerlein“, kritisiert er die Arbeitsweise der Behörde. Nachdem bei der Sanierung der Bundesstraße B 8 große Rückstaubecken nahe Seukendorf und Hiltmannsdorf angelegt worden sind, hält er das Schaffen von weiterem Stauraum für nur konsequent.

Vorrang vor dem Schutz vor einem hundertjährigen Hochwasser müsse jedoch die Lösung der Starkregenproblematik haben. SPD-Stadtrat Markus Dinter-Bienk hält dafür, dass ein Hochwasserdamm immerhin größere Akzeptanz genieße als die Mauer. Der Wall dürfe jedoch nicht zu nahe an die Talrand-Bebauung rücken.

Volker Dittmar

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