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Brisantes Kriegserbe im Fürther Boden

Immer wieder tauchen beim Bau Blindgänger und vergrabene Munition auf — Vorsicht ist geboten - 25.11.2014 21:00 Uhr

Die Sprengmeister – wie hier Karl-Heinz Wolfram mit einer 20-Pfund-Splitterbombe aus dem Zweiten Weltkrieg vergangenes Jahr auf der Hardhöhe – haben in Fürth alle Hände voll zu tun. © Archivfoto: Mark Johnston


Unmittelbar an der Hauswand eines größeren Wohngebäudes in der Reichenberger Straße war am Freitagmittag, wie berichtet, eine 20 Pfund schwere Splitterbombe bei der Umgestaltung des Gartens entdeckt worden. Leicht hätte so ein Blindgänger nach Weins Einschätzung schon beim Hausbau zum Verhängnis werden können. Zum Glück stellte sich heraus, dass der Zünder fehlte, sodass die Bombe problemlos abtransportiert werden konnte.

Vergangenes Jahr erst war auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine baugleiche Bombe ebenfalls bei Gartenbauarbeiten aufgetaucht. Sprengmeister Michael Weiß „verlagerte“ sie damals zur Entschärfung in den Stadtwald. So mussten die Anwohner nicht evakuiert werden. Wie Wein und Weiß auf Anfrage der Fürther Nachrichten übereinstimmend urteilen, sind es durchaus nicht nur spektakuläre Großfunde wie die 2011 beim S-Bahn-Bau am Haltepunkt Unterfarrnbach entdeckte 450–Kilo–Bombe, die Brisanz bergen. Nicht weniger gefährlich sei jene Munition, die von Soldaten bei Kriegsende vergraben wurde.

Heuer waren „Schatzsucher“ am Stadtwald bei Burgfarrnbach auf vier deutsche Panzergranaten und zwei amerikanische Phosphorbomben gestoßen. Zwei weitere deutsche Sprenggranaten tauchten bei privaten Bauarbeiten in Steinach und in der Südstadt auf. Laut Rechtsreferent Christoph Maier verfügt die Stadt zwar über Luftaufnahmen, die von den Alliierten nach Bombenabwürfen gemacht worden waren, doch seien diese nur Momentaufnahmen und für eine präzise Suche nach Blindgängern viel zu ungenau.

Die Katastrophenschutzbeauftragte rät Grundstückseigentümern deshalb dringend, vor Baumaßnahmen eine Kampfmitteluntersuchung durchführen zu lassen. Das koste zwar im Normalfall rund 1500 Euro, könne aber vor weitaus höheren Forderungen schützen. Denn der Eigentümer hafte für alle von seinem Grundstück ausgehenden Gefahren. Die Kosten der Beseitigung von Munition einschließlich Evakuierungen trägt, so Wein, die öffentliche Hand.

Zwar gehört die Hardhöhe wegen des hier einst angesiedelten Kampfflugzeug-Ausrüsters „Waggon“ zu den Schwerpunkten der Bombardierung, doch ist nach Angaben der Katastrophenschutzbeauftragten nahezu die Hälfte der Stadt als Gefährdungsgebiet ausgewiesen. Immer wieder tauchten bei der Bebauung bislang brach gelegener Flächen Bomben und Granaten auf.

Keine Panik

Petra Wein sieht zwar keinen Grund zur Panik, rät aber vor Eingriffen in den Boden doch zur genauen Information. Sie denkt dabei insbesondere an Grundstückskäufer jüngerer Jahrgänge, die den Krieg nicht miterlebt haben und sich keine Vorstellungen von den damit verbundenen Gefahren machen können. Gewöhnliche Gartenarbeiten stuft die Fürther Fachfrau als ungefährlich ein, nicht jedoch die Anlage eines Swimmingpools ohne vorherige Bodenuntersuchung.

Von der Selbsthilfe mit Metalldetektoren hält Wein wenig. Fachleute könnten Kampfmittel viel zuverlässiger orten. Zur Information über das Gefährdungspotenzial und die richtige Vorsorge verweist Wein auf die Internetseite des Bayerischen Innenministeriums: /www.innenministerium.bayern.de/sus/katastrophenschutz/kampfmittelbeseitigung/index.php. Wer einen nicht eindeutig als ungefährlich erkennbaren Metallgegenstand im Boden findet, sollte nach den Worten von Sprengmeister Michael Weiß umgehend die Polizei verständigen. Beratung bietet das Fürther Amt für Katastrophenschutz unter der Rufnummer (09 11) 974 36 26 oder per E-Mail kats@fuert.de an. 

VOLKER DITTMAR

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