Bunte Demonstration für die Pfisterschule

13.11.2009, 00:00 Uhr
«Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen das Rathaus weggenommen wird?», stand auf dem Rathausmodell, das Pfisterschüler für Schulreferent Markus Braun gebastelt hatten.

«Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen das Rathaus weggenommen wird?», stand auf dem Rathausmodell, das Pfisterschüler für Schulreferent Markus Braun gebastelt hatten. © Roland Huber

Mit Transparenten und Sprechchören zogen über 100 Demonstranten von der Schule durch die Fußgängerzone zum Rathaus, wo sie Bürgermeister und Schulreferent Markus Braun ihre Sorgen vortrugen: «Wie würden Sie sich fühlen, wenn man Ihnen das Rathaus wegnehmen würde?», fragten Schüler den SPD-Politiker bei der Übergabe eines Rathaus-Modells. Braun betonte, es gehe ihm ausschließlich um das Wohl der Kinder.

Sein Amtsvorgänger Hartmut Träger, der selbst 21 Jahre lang Rektor der Pfisterschule war und für den Erhalt demonstrierte, sah das anders: «Man darf einem Stadtteil die Schule nicht einfach wegnehmen. Sie trägt zur Identifikation der Menschen mit ihrem Lebensraum bei.» Die Passanten reagierten überwiegend erfreut auf die Demonstrantenschar. «Das find’ ich prima» und «Endlich mal was Gutes» waren die Kommentare.

Bei der vom Kultusministerium vorgegebenen Weiterentwicklung der unter akutem Schülerrückgang leidenden Hauptschulen in Mittelschulen mit mittlerem Bildungsabschluss sollen die neun Fürther Hauptschulen in drei bis vier Schulverbände zusammengefasst werden. Dies sei notwendig, um die höheren Anforderungen an Unterricht und Ausstattung erfüllen zu können, meint Braun.

Schulleiter Rainer Neumann hatte ihm neben einer Unterschriftenliste ein Konzept für die Ertüchtigung der Pfisterschule mit ins Rathaus gebracht. Er ist überzeugt davon, dass das wohnortnahe Schulangebot in einem Verbund eine Zukunft hat. Dagegen spricht für Braun der hohe Sanierungsbedarf des 111 Jahre alten Gebäudes und der dramatische Rückgang der Hauptschülerzahlen. In ganz Fürth haben sie in den letzten zehn Jahren von 3031 auf 2152 abgenommen. Nur noch 165 Schüler werden in den neun Klassen der Pfisterschule unterrichtet. Erst kürzlich wurde hier eine Schulsozialarbeit etabliert.

In kleineren Klassen sehen Schüler und Lehrer eine Chance zur besseren individuellen Förderung. Dem steht jedoch ein vom Ministerium vorgegebener Stundenschlüssel entgegen, der größeren Klassen mehr Lehrerstunden zubilligt als kleineren. Die Stunden verteilt das Staatliche Schulamt auf die einzelnen Schulen. Drei Zweige sollen die neuen Mittelschulen haben: Technik, Wirtschaft und Soziales. Auf ein Spezialgebiet müssen sich die Schüler in Fürth in der 8. Klasse festlegen. Besondere Förderung ist bei Lernschwächen vorgesehen. VOLKER DITTMAR