Sonntag, 08.12.2019

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Bürger sammeln Unterschriften für die Vacher Umgehung

In Mannhof und Stadeln regt sich Widerstand gegen den Beschluss des Fürther Stadtrats zur Westumgehung - 10.08.2012 09:00 Uhr

Astrid Patzl kämpft seit 26 Jahren für eine Entlastung für den Fürther Norden. Die Verkehrsströme, die durch Mannhof fließen, hat sie mit Fotos dokumentiert. © Horst Linke


Seit dem Stadtratsbeschluss zur Westumgehung schlafen etliche Menschen in Vach, Atzenhof, Flexdorf und Ritzmannshof wieder friedlicher. Astrid Patzl geht es ganz anders: Dass sich die Kommunalpolitiker nach massivem Druck aus der Bürgerversammlung in Vach einstimmig von der geplanten Staatsstraße, die Südwesttangente und Frankenschnellweg verbinden sollte, verabschiedet haben, erfüllt sie mit Sorge. Und nicht nur sie, beteuert Patzl, die in Mannhof zu Hause ist. Seit 26 Jahren kämpft sie bereits für eine Entlastung für den Fürther Norden.

„Mannhof und Stadeln brauchen die Westumgehung“, sagt die 51-Jährige. Leider seien die Bürger aus diesen Stadtteilen aber nicht zur Bürgerversammlung eingeladen gewesen. Patzl hat nun angefangen, Unterschriften zu sammeln. Sie rechnet mit „Hunderten“ Unterstützern und erwägt, sich damit an den bayerischen Innenminister zu wenden.

Astrid Patzl ist in dem Haus aufgewachsen, das direkt an der Kreuzung Mannhofer Straße/Stadelner Hauptstraße liegt. „Der Lärm verfolgt mich seit Kindheitstagen.“ Mit den Jahren drängten sich immer mehr Autos am Haus vorbei. Darunter sind die vielen Berufstätigen, die aus dem Landkreis und aus Herzogenaurach nach Erlangen fahren. Dazu kommen Patzl zufolge unzählige Laster. Sie verlassen die Südwesttangente am Hafen und fahren über die Mainstraße und den Stadelner Fischerberg nach Mannhof, ebenfalls in Richtung A73. Dasselbe gelte für die Laster von Mercedes und Nordfrost, die nahe der Schwelbrennanlage angesiedelt sind. Bei Hochwasser sei die Lage noch dramatischer.

Unter dem Druck der Bürgerversammlung in Vach, bei der sich viele zu Wort meldeten, „die in ruhiger Lage wohnen“, hätten die Stadträte „übereilt“ entschieden, kritisiert Patzl. Vermutlich hätten sie schon an die nächsten Wahlen gedacht: „Und wir werden geopfert.“

 „Aller Optionen beraubt“

Mit dem Beschluss, dem Freistaat mitzuteilen, dass die Westumgehung unerwünscht sei, habe sich die Kommune „aller Optionen beraubt“. Besser wäre es gewesen, den Freistaat untersuchen zu lassen, ob es eine Trasse gibt, mit der die Mehrheit leben kann, „möglichst umweltverträglich und ackerschonend“. Sie selbst hätte ebenfalls Bauchschmerzen bei einer Straße, die direkt am Kanal entlang führt. Aber in einiger Entfernung dazu wäre eine Trasse doch denkbar: „In Ritzmannshof und Flexdorf würde sie ja nicht am Haus vorbeigehen.“

Zudem könnte man eine neue Straße mit Schallschutz ausstatten. Nur ein Teilstück, die Hüttendorfer Talquerung, zu bauen, wie es die Stadt wünscht, würde für Mannhof zwar eine Verbesserung bedeuten, Stadeln aber keine Entlastung bringen. Damit dürfe man sich nicht zufriedengeben, so Patzl.

OB Jung: "Talquerung bringt sehr viel"

Auf FN-Nachfrage verteidigt Oberbürgermeister Thomas Jung den Beschluss des Stadtrats. Die Westumgehung, die stets umstritten war, sei „aus guten Gründen“ abgelehnt worden. Zudem könne die Talquerung „sehr viel bringen“ — im Doppelpack mit einer Umgehung, die Herzogenaurach in den nächsten Jahren bauen will. Ein Vorteil dieser Lösung sei auch, dass sie wesentlich rascher umgesetzt werden könne als die geplante Staatsstraße, die frühestens 2027 realisiert werden sollte. Jung: „Man sollte doch jetzt lieber gemeinsam die beiden kleinen Umgehungen erkämpfen, anstatt sich zu spalten.“

Baureferent Joachim Krauße versucht, die Mannhofer und Stadelner auf andere Weise zu beruhigen: Am runden Tisch, der sich mit dem Thema beschäftigen soll, werden auch Vertreter aus diesen Orten sitzen. Da könne dann in Ruhe über die Nöte und die verschiedenen Gutachten diskutiert werden.

VON CLAUDIA ZIOB

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