Bürgerinitiative "Bessere Mitte" zieht einen Schlussstrich

9.9.2013, 11:00 Uhr

© Thomas Scherer

Die E-Mail mit der Bitte um ein Gespräch ließ es bereits erahnen: vom „letzten Kapitel“ war darin die Rede. Beim Redaktionsbesuch von Thomas Heyden und Manuela Helfrich wird die Ahnung zur Gewissheit. „Wir stellen die Arbeit ein“, verkünden die beiden Sprecher der BI. Nach fast fünf Jahren Engagement hat sich die Bürgerinitiative „Bessere Mitte“ selbst beerdigt.

Bis zum letzten Moment, betonen die Sprecher, habe man nichts unversucht gelassen, um den Abriss des denkmalgeschützten Festsaals zu verhindern. Ihm war das Schlusskapitel der BI-Aktivitäten gewidmet. Heyden spricht von einer „schmerzlichen Niederlage“; doch darüber, sagt er, dürfe nicht vergessen werden, was die Bürgerinitiative alles erreicht habe.

Rückblick: Im Juli 2008 gibt die Stadt die Pläne des portugiesischen Investors Sonae Sierra bekannt, der in Fürth ein riesiges Einkaufszentrum errichten und dabei Teile der Rudolf-Breitscheid-Straße einbeziehen möchte. Manuela Helfrich erinnert sich noch gut, wie sehr es sie und andere empört hat, dass öffentlicher Straßenraum einem Investor geopfert werden soll – noch dazu eine wichtige Verbindung zwischen Fürther Freiheit und Fußgängerzone.

Die Triebfeder

Neben der Kritik an der Dimension des Projekts und am geplanten Abriss denkmalgeschützter Bausubstanz ist der Kampf um den öffentlichen Raum die Triebfeder für die Gründung der BI. Am 15. Dezember wird sie aus der Taufe gehoben. Die bunt gemischte Truppe organisiert Infostände, Veranstaltungen und im Sommer 2009 ein Bürgerbegehren gegen die Sonae-Sierra-Planungen, hinter denen ein Großteil des Stadtrats steht.

Als das Rathaus nach dem Rückzug der Portugiesen einen neuen Investor sucht, greift die Stadt einige Forderungen der BI auf: Jetzt ist die Rede von einer weitaus kleineren Verkaufsfläche. Statt einer in sich geschlossenen Shopping-Mall wird ein Modell bevorzugt, das einzelne Geschäftshäuser entlang der Breitscheidstraße vorsieht; die Straße selbst kann dadurch öffentlicher Raum bleiben.

Zudem darf die Bürgerinitiative am begleitenden Projektbeirat teilnehmen, die Unterlagen für das Investorenauswahlverfahren mitformulieren und im Architektenworkshop mitarbeiten. Dass die Stadt eine solche Bürgerbeteiligung ermöglichte, sagen Helfrich und Heyden, verdiene „Anerkennung“. Sie verhehlen aber nicht, wie sehr sie sich von Verwaltung und Politik enttäuscht sahen, als sich die Diskussion um den Erhalt des Festsaals zuspitzte. Er hätte es nie für möglich gehalten, dass die Stadt sämtliche Kritik von Denkmalschützern „einfach so abperlen lässt“, sagt Heyden und spricht von „niederschmetternden Erfahrungen mit der Realität“: die Gremien des Denkmalschutzes als Papiertiger.

Für die Zukunft wünschen sich die Aktivisten, dass das Rathaus mehr Selbstvertrauen gegenüber Investoren an den Tag legt und „Stadtentwicklung aktiv betreibt“. Der langen Diskussion um den Erhalt des Festsaals sei durchaus etwas Positives abzugewinnen, nämlich dann, wenn sie zu einer größeren Sensibilität führt, die künftig andere Denkmäler vor der Abrissbirne bewahrt. Und nicht zuletzt haben sie die Hoffnung, dass die Stadt auch weiterhin „die Bürger miteinbezieht, wenn wesentliche Weichenstellungen anstehen“. Demokratie ende nicht an den Türen des Saals, in dem der Stadtrat tagt.

Von den zuletzt noch „zwölf bis 15 aktiven Mitgliedern“ der BI wollen einige auch in Zukunft „ins stadtpolitische Geschehen eingreifen“. Der Verein „Wir sind Fürth“ wird wohl für einige „zum Auffangbecken“, sagt Thomas Heyden. Manuela Helfrich will nicht ausschließen, dass sich irgendwann eine neue Initiative gründet. Die Zeit der BI „Bessere Mitte“ sei aber abgelaufen. Die Auflösung wurde mehrheitlich beschlossen. Heute will man noch einmal gemeinsam grillen und das Erlebte Revue passieren lassen. Dann ist Schluss. Nach fünf kämpferischen Jahren.

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