Bürgerversammlung sagt Nein zur Westumgehung

18.7.2012, 11:00 Uhr

© Roland Huber

Sogar draußen standen etliche Frauen und Männer vor den geöffneten Fenstern, spitzten die Ohren und waren dankbar, dass im Saal Mikrofone benutzt wurden. Bürger aus Vach, aber auch aus anderen betroffenen Ortschaften im Norden und Westen waren der Einladung gefolgt — und das große Interesse konnte niemanden verwundern: Schon in der Vergangenheit stießen Pläne für die Westumgehung auf Ablehnung, während gleichzeitig die Forderungen nach einer Entlastung für die Stadtteile Vach, Mannhof und Stadeln nie verstummten.

Wie berichtet, hält der Freistaat eine neue Staatsstraße im Westen Vachs, die Frankenschnellweg und Südwesttangente verbindet, für sinnvoll — ganz im Gegensatz zu einer Bürgerinitiative, die gegen das Vorhaben Front macht. Schon die ersten Wortmeldungen ließen keinen Zweifel, dass auch die Mehrheit im Saal das Projekt für fatal hält. Kritik geübt wurde zunächst am Bauausschuss, der das Thema im vergangenen Jahr nach Ansicht vieler zu kurzfristig auf die Agenda gesetzt und die Untersuchungen des Freistaats „grundsätzlich begrüßt“ hatte. Mit der Umgehungsstraße entlang des Main-Donau-Kanals bekäme Fürth zwar eine „Uferpromenade durch Vach“, sagte Anwohner Markus Ebersberger, eine Entlastung aber werde nicht erreicht. Der Verkehr werde weiter durch den Ort rollen, so lange es, zumal bei Hochwasser, keinen anderen Weg in die Innenstadt gibt.

Zweifel wurden laut an der Lösung, die Fürths OB Thomas Jung befürwortet: Wie berichtet, möchte er darauf drängen, dass der Freistaat zunächst nur die so genannte Hüttendorfer Talquerung im Norden Vachs plant. Die Verlängerung ab der Herzogenauracher Straße bis hinunter zur Südwesttangente halte auch er für falsch, betonte Jung und zeigte sich überzeugt davon, dass die Fürther die Verlängerung später verhindern könnten: „Der Freistaat baut keine Straße gegen den Willen der Gebietskörperschaft.“

„Wenn man das erste Teilstück macht, dann kommt das zweite so sicher wie das Amen in der Kirche“, hielt ein Mann dagegen. Heinz Wolfseher wandte ein, dass die Stadt in der Nähe der Schwelbrennanlage bereits Betriebe angesiedelt hat. Irgendwann, prophezeite er, würden diese sicher an höherer Stelle auf die Verlängerung drängen. Andere Vacher, die in der Nähe des Kanals daheim sind, zeigten sich angesichts der Vorstellung entsetzt, bald neben einer lauten Autobahn zu wohnen: „Wahrscheinlich müssen wir dann im Keller schlafen.“ Weitere Teilnehmer der Versammlung warnten davor, dass Gewerbegebiete entlang der Umgehungsstraße wuchern, Landwirtschaft und Natur weichen müssen.

Nach zweistündiger Diskussion sagte eine breite Mehrheit Nein zu den Plänen des Freistaats — ohne noch einmal gesondert über die Talquerung abzustimmen. Per Antrag wurde der Stadtrat aufgefordert, das Straßenbauprojekt „auf Fürther Stadtgebiet“ abzulehnen — doch manche zeigten sich verwirrt: „Die haben jetzt nicht kapiert, dass sie die gesamte Straße ablehnen“, murmelte einer in den Reihen. Und eine Bürgerin, die sich wenigstens die Talquerung wünscht, damit Mannhof entlastet wird, sprach von einer Katastrophe.

Das Nein galt tatsächlich der gesamten Umgehungsstraße, sagte Baureferent Joachim Krauße tags darauf auf FN-Nachfrage. Etwas anders sieht das OB Jung: Eindeutig sei die entschiedene Ablehnung der Verlängerung gewesen. Hinsichtlich der Talquerung jedoch sei die Position nicht ganz klar geworden. Im Antrag heiße es: Auf Fürther Stadtgebiet soll keine Straße gebaut werden. Der Hüttendorfer Damm aber betreffe das Fürther Stadtgebiet kaum, so Jung.

 

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