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Cadolzburg: Die Pfründe bleiben gewahrt

Bürgermeister-Stellvertreter: CSU/FWG und FW/PWG regeln alles unter sich - 12.05.2020 06:54 Uhr

Das neue Amt der dritten Bürgermeisterin besetzt künftig Claudia Augustin (CSU/FWG). Bürgermeister Bernd Obst nimmt seiner Fraktionskollegin den Eid ab. © Foto: Martin Kypta


  Das zeigte sich zumindest bei den ersten Weichenstellungen in der konstituierenden Sitzung des Marktgemeinderates. Denn die CSU/FWG und ihr Rathauschef verzichteten darauf, weitere Fraktionen in die Außendarstellung und Verwaltung der Marktgemeinde einzubinden. So fungiert Georg Krauß (FW/PWG) auch in der neuen Legislaturperiode als zweiter Bürgermeister. Der Marktgemeinderat schuf zusätzlich ohne Gegenstimme das neue Amt der dritten Bürgermeisterin. Mit großer Mehrheit wurde hier Claudia Augustin (CSU/FWG) gewählt.

Rund 550 Besuche im Jahr

 

Es sei fraktionsübergreifender Wunsch des bisherigen Gemeinderats gewesen, erläuterte Bernd Obst auf Nachfrage den Entschluss, einen dritten Bürgermeister zu installieren. Die Bürger aller 14 Ortsteile würden sich wünschen, dass die örtliche Politik das intensive Kultur- und Vereinsleben angemessen begleite, sagte der Rathauschef. Bei jährlich bis zu 550 häuslichen Besuchen sei er selbst an sieben Tagen in der Woche unterwegs gewesen, berichtete Obst. "Mein Sohn ist derzeit in der Corona-Krise ganz überrascht, dass ich so oft abends zu Hause bin."

Die dritte Bürgermeisterin soll ihn bei diesen Aufgaben in Zukunft unterstützen. Außerdem übernimmt sie die Amtsgeschäfte im Rathaus, sollten die beiden anderen Bürgermeister verhindert sein. Zusätzlich zu den Sitzungsgeldern als Mitglied des Gemeinderats erhält sie als Entschädigung von der Kommune circa 340 Euro im Monat – 1/24-stel vom Gehalt des ersten Bürgermeisters, beziehungsweise die Hälfte vom zweiten Bürgermeister.

Das neue Amt wollte die Mehrheitsfraktion der CSU/FWG selbst besetzen. Dabei hatte die SPD mit Hermann Zempel einen erfahrenen und beliebten Kandidaten ins Rennen geschickt. Der Amtsrat im Notardienst sitzt seit 1996 im Gemeinderat. Bei der Kommunalwahl war der Steinbacher auf der schwächelnden SPD-Liste von Rang acht ganz nach vorn gewählt worden. Doch jetzt erhielt Zempel nur acht Stimmen.

Auf Claudia Augustin entfielen in der geheimen Wahl 17, also zwei mehr als CSU/FWG und FW/PWG haben. Die 53-Jährige geht in ihre zweite Amtsperiode im Gemeinderat. Sie ist selbstständige Kauffrau, könne sich daher gut Zeit für die anstehenden Aufgaben nehmen, sagte die zweifache Mutter in ihrer kurzen Vorstellung. Augustin ist unter anderem stellvertretende Kreisvorsitzende der CSU Fürth-Land und der Frauen Union Fürth-Land.

19 Stimmen erhielt Georg Krauß, der damit zweiter Bürgermeister bleibt. Der Urologe im Ruhestand hatte bei den Kommunalwahlen nach Bernd Obst die zweitmeisten Stimmen erhalten. Vor vier Jahren hatte er das Amt von seinem PWG-Kollegen Heinz Hühnermann übernommen. Es habe ihm "viel Spaß gemacht", sagte Krauß. Seine Ratskollegen honorierten das Engagement des langjährigen Kommunalpolitikers mit ihrem deutlichen Votum für dessen zweite Amtszeit. Damit blieb nicht nur das Bürgermeister-Duo aus CSU/FWG und FW/PWG intakt, das seit Bernd Obsts erstmaliger Wahl zum Bürgermeister im Jahr 2002 besteht. Im Gemeinderat halten die beiden Fraktionen inklusive des Rathauschefs damit auch 15 von 25 Stimmen.

Was das bedeutet, bekamen die Grünen gleich zu spüren. Bei den Kommunalwahlen hatten sie zwei Sitze hinzugewonnen. Mit Sabine Geyer schickte die Ökopartei eines der beiden neuen Ratsmitglieder ins Rennen um das Amt der zweiten Bürgermeisterin, um auch dort "die Frauenquote zu erhöhen", wie es Parteikollege Bernd Löschner empfahl.

 

Plädoyer für den Wandel

 

Bei ihrer kurzen Vorstellung hatte Sabine Geyer jedoch nicht um die Gunst des langjährigen CSU-Bürgermeisters geworben. "Sie stehe für den Wandel", sagte Geyer. Das Motto, "Das haben wir schon immer so gemacht", sei für sie, so die Sozialpädagogin, kein positives. Bei der Wahl blitzte die Kandidatin ab. Ihr Ziel einer guten Kooperation wird Geyer zunächst als einfaches Mitglied im Marktgemeinderat verfolgen.

Martin Kypta

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