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Carsharing ist in Fürth noch graue Theorie

Städte sollen begünstigte Parkplätze für Gemeinschaftsautos zur Verfügung stellen - 11.01.2017 16:00 Uhr

In der Ludwigstraße zeigt Matthias Vondran, Regionalleiter des Anbieters Scouter, das Einchecken per Chipkarte. © Archivfoto: Leberzammer


Kommunen, so sieht es der Gesetzentwurf vor, sollen für Carsharing-Autos kostenlose Parkplätze zur Verfügung stellen. Eine gute Sache, findet Hans-Joachim Gleißner, der Leiter des städtischen Straßenverkehrsamtes. Von sich aus will der erklärte Anhänger der Carsharing-Idee allerdings nicht tätig werden. Erst bei entsprechender Nachfrage werde man überlegen, wo überall Parkplätze reserviert werden können. Die Entscheidung müsse ohnehin auf der kommunalpolitischen Ebene getroffen werden. Das gelte auch für die vom Gesetzentwurf alternativ angeregte Senkung oder Befreiung von Parkgebühren.

Für sinnvoll hält der Amtsleiter reservierte Stellflächen vor allem an Verkehrsknoten, wo sie den öffentlichen Nahverkehr ergänzen können. Zugleich lässt sich dort gut für das Angebot werben: Ein Hauptproblem des Carsharings in der Stadt sieht Gleißner nämlich darin, dass die Fahrzeuge von Carsharing-Anbietern meist abseits der Publikumsströme auf Privatgrund stehen. Dort fristen sie ein Schattendasein.

Bei den Parkplätzen, so Gleißner, müsse immer abgewogen werden zwischen den Anforderungen des herkömmlichen Individualverkehrs und den Bedürfnissen des Carsharings. Ausgeschlossen sei es schon mangels Platzkapazitäten, etwa am Hauptbahnhof 30 Parkplätze für Sharing-Autos auszuweisen. Außerdem müsse bedacht werden, dass Stellplatzreservierungen für einen Anbieter immer auch Begehrlichkeiten bei anderen wecken könnten. Als Anreiz, um auf ein nur sporadisch genutztes eigenes Fahrzeug zu verzichten, hält Gleißner Carsharing aber ebenso für ein Zukunftsmodell wie zur Unterstützung des öffentlichen Nahverkehrs.

Nur für Mitarbeiter

Dass die Kommune selbst als Anbieter von Fahrzeugen für die Allgemeinheit fungiert, steht in Fürth derzeit noch nicht zur Debatte. Zwar verfügt die infra über geeignete Autos, die außerhalb der Dienstzeiten noch besser genutzt werden könnten, doch sie stehen bislang nur Mitarbeitern zur Verfügung. Rudolf Hoffmann, Technischer Leiter der infra, hält den Verwaltungsaufwand einer allgemeinen Ausleihe am Wochenende für viel zu hoch.

Aus Umweltweltgründen würden sich freilich gerade die Elektromobile der infra fürs Carsharing anbieten. Drei Stromautos hat die infra derzeit im Einsatz. „Nachdem ein neues Förderprogramm aufgelegt wurde, könnten heuer noch zwei bis drei dazukommen“, sagt Hoffmann.

Verbessert hat sich in Fürth auch die Versorgung mit Stromtankstellen. Ladestationen gibt es am Klinikum, am Sozialrathaus am Parkplatz bei der U-Bahn-Endhaltestelle Hardhöhe, vor der infra in der Leyher Straße und bei ebl im Gewerbegebiet Hardhöhe West. Die Station auf der Fürther Freiheit soll heuer noch an das neue Trafohäuschen am Rand der Adenaueranlage in der Moststraße verlegt werden, wo sie Großveranstaltungen nicht so sehr im Weg ist. Nur während der Kirchweih ist sie blockiert. Zwei bis drei weitere Stromtankstellen stehen noch auf Hoffmanns Agenda für das laufende Jahr.

Uttenreuth, Spardorf und Buckenhof haben sich indes schon Elektroautos zugelegt, die von Bürgern ausgeliehen werden können. Dazu muss man dem Car-Sharing-Verein Erlangen beitreten und neben einem Vereinsbeitrag eine Stunden- und Kilometerpauschale zahlen.

Tim Parth, der das Auto–Teilen mit Erfolg in Oberasbach und Zirndorf organisiert, bereitet das Thema Parkplatzmangel im Landkreis bislang kein sonderliches Kopfzerbrechen. Zwei Fahrzeuge hat der seit Jahresanfang in den Landauto-Carsharing-Verein umgewandelte Service im Einsatz. Eines steht am Oberasbacher Rathaus, das andere beim Hotel Knorz in der Zirndorfer Volkhardtstraße.

Noch vor der Bundestagswahl im Herbst soll das neue Gesetz in Kraft treten. Der alternative Verkehrsclub Deutschland fordert die Kommunen schon jetzt dazu auf, die ihnen eingeräumten Kompetenzen zügig zu nutzen. Schließlich könne ein Carsharing-Fahrzeug in städtischen Wohnquartieren sieben bis 19 Autos überflüssig machen. Das wiederum entlastet die ohnehin angespannte Parkraumsituation. In Deutschland teilen sich nach Angaben des Bundesverbandes Carsharing rund 1,26 Millionen Menschen etwa 16 100 Autos. 

Volker Dittmar

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