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Carsten Träger rückt in Bundestag nach

Der Fürther SPD-Politiker kann den Platz des verstorbenen Ewald Schurer einnehmen - 04.12.2017 06:00 Uhr

Ein Wechselbad der Gefühle erlebte der Fürther SPD-Politiker – hier an der Seite von Ehefrau Claudia – am Wahlabend. Kaum hat er sich mit der Niederlage abgefunden, muss er auch schon wieder durchstarten.

© Foto: Hans-Joachim Winckler


"Der Anlass ist tieftraurig, aber ich bin bereit", sagt Carsten Träger, der vom Tod seines Parteifreundes bei einem Familienausflug zur Cadolzburg erfuhr. Dabei hatte er sich gerade damit abgefunden, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Mehrere Optionen verfolgte der studierte Politik- und Medienwissenschaftler, der früher in der Werbebranche gearbeitet hatte – darunter auch die Rückkehr zur Sparkasse Fürth. "Bis Weihnachten wollte ich Klarheit über meinen weiteren Werdegang haben", sagt Träger auf Anfrage der Redaktion.

Schlimme Erinnerungen hat er an die Wahlnacht, als er bis 24 Uhr davon ausging, sein Mandat verteidigen zu können. Dann war er plötzlich nicht mehr drin, bis eine neue Auszählung wieder die Rückkehr nach Berlin möglich erschienen ließ. Um vier Uhr wurden dann alle Hoffnungen endgültig enttäuscht. Der Tod von Ewald Schurer trifft den Fürther Nachrücker auf Platz 1 der Landesliste trotz der dadurch vollzogenen Wende schwer. Träger: "Ich habe großen Respekt vor seiner Lebensleistung. Als Vorsitzender des SPD-Bezirks Oberbayern hat er keinen leichten Stand gehabt. Und er wollte es ja noch mal wissen."

Kein GroKo-Freund

Die Hängepartie bei der Regierungsbildung machen den 44-Jährigen nicht mutlos. Offen räumt er im Gespräch mit den Fürther Nachrichten ein, kein Freund der großen Koalition zu sein und erinnert an das Wahlversprechen. Eine Minderheitsregierung, bei der sich Angela Merkel wechselnde Mehrheiten suchen muss, hat für Träger durchaus seine Reize. Bange um die Demokratie ist ihm dabei nicht. Schließlich funktioniere das System in anderen Ländern ja auch. "In den acht Wochen seit der Wahl habe ich einen neuen Blick auf die Vorgänge gewonnen, der von anderen Informationszugängen geprägt ist", erklärt Träger. Dass er sich auf die Rückkehr nach Berlin freuen könne, verdanke er vor allem seiner Familie, die viel Verständnis für die besonderen Arbeitszeiten aufbringe.

Bei aller Betroffenheit über den Tod seines Parteifreundes Schurer, den er persönlich gut kannte, hat auch Oberbürgermeister Thomas Jung die Nachricht von Trägers Nachrücken mit Freude aufgenommen. Dass es im Laufe der Legislaturperiode dazu gekommen wäre, damit rechnete Jung schon. Auch Trägers Vorgängerin Marlene Rupprecht zog als Nachrückerin nach Berlin. Dass Fürth mit drei Bundestagsabgeordneten in Berlin vertreten ist, hält Jung gerade im Hinblick auf das städtische Bemühen gegen den geplanten S-Bahn-Schwenk durch das Knoblauchsland für wichtig.

Volker Dittmar

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