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Mittwoch, 01.04.2020

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Chinesische Biester

Christoph Haupt stellt in der Galerie in der Promenade aus - 20.07.2009

Der Künstler und die Biester: Christoph Haupt nahm 2001 an einem Künstleraustausch in Shenzhen teil. Seine Eindrücke hat er jetzt comicartig verfremdet auf die Leinwand gebracht. © Hans-Joachim Winckler


Dabei wäre es gar nicht nötig, Klischees zu durchbrechen. Ein Blick auf Haupts Bilder reicht: Hier geht es nicht um touristische Impressionen, sondern um ein erdachtes Land, einen Fantasie-Ort, der angefüllt ist mit allerlei Geheimnissen. Nicht alle kann man enträtseln, manches verschweigen diese schlitzäugigen Damen. Sie erzählen kleine Geschichten und agieren wie Schauspielerinnen.

Emotionen spricht Haupt ihnen kaum zu, dafür erhalten sie etwas Archetypisches. «Für mich steckt die ganze Menschheit in diesen Figuren», sagt er. Statistisch ist das richtig: Schließlich ist die Mehrheit der Weltbevölkerung asiatisch und weiblich. Doch Haupts Heldinnen haben mit der Realität konsequent nichts zu tun. Die Köpfe sind riesig und verzerrt, wie aufgeblasene Melonen, die Körper zierlich, die Hände und Füße winzig.

Gerne tragen die Frauen rote Schlauchkleider. Warten sie auf etwas? Posieren sie vor einer Kamera? In den Linoldrucken wird chinesische Vergangenheit und Philosophie lebendig, wenn etwa eine Prinzessin in ihrem Haar Seidenraupen ins Ausland schmuggelt. Andere Frauen essen Kröten oder Käfer.

So etwas wie Alltag, wenn auch sehr verfremdet, blitzt eher in den großformatigen Öl- und Tempera-Werken auf. Ihre Technik ist furios. Über einem grünen Untergrund hat Haupt von dunkel nach hell gemalt, hat Leonardo da Vincis Erkenntnis genutzt, dass eine trübe Atmosphäre entsteht, wenn man mit Weiß vermengte Lasurschichten über den Malgrund legt. Alles schimmert gebrochen. Sfumato, «in Rauch verwandelt» nennt man das. Und etwas Verraucht-Verruchtes haben diese Chinesinnen!

Lässig mixt Haupt das Renaissance-Erbe mit Comic-Elementen. Shenzhen, die junge Nürnberger Partnerstadt, klingt an, wenn Arbeiterinnen in Einheitsblau schlafen oder junge Mädchen flanieren. «Was mir sehr im Gedächtnis geblieben ist von meinem Künstleraustausch 2001, sind die überproportional vielen Frauen da, alle um die 25», so Haupt. Sie kommen vom Land, wollen dort arbeiten. Jedenfalls prägen sie den Ort kolossal. Und Haupts Fantasie. Sehenswert. ANNE PETERS

Christoph Haupt: «Chinoiserien» in der Galerie in der Promenade, Königswarterstraße 62, noch bis zum 15. September.

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