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Mittwoch, 23.10.2019

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City-Center: Wackelpartie in der Verlängerung

Noch immer fehlen einige der Unterschriften, die den Verkauf des Innenstadt-Einkaufszentrums ermöglichen - 11.11.2009

Problemfall City-Center: Einige Eigentümer haben dem Verkauf bisher nicht zugestimmt. © Roland Huber


Gern, liebend gern hätte Horst Müller den Daumen energisch nach oben gereckt. Doch gestern von den FN dazu befragt, musste der städtische Wirtschaftsreferent zerknirscht einräumen: Obwohl man schon im Oktober einen Schlussstrich ziehen wollte, wird die Wackelpartie in die nächste Verlängerung gehen, diesmal bis Ende kommender Woche.

Dann aber, versichert Müller, ist das Limit ein für alle Mal erreicht, «denn der Geduldsfaden ist irgendwann zu Ende» - bei ihm, aber auch bei der Firma Sonae Sierra, die in großem Stil Einkaufscenter in ganz Europa besitzt und dem Vernehmen nach in Deutschland unter anderem die Übernahme von Karstadt-Kaufhäusern im Visier hat.

Dankbar, so Müller, müsse man sein, dass die Portugiesen so viel Langmut zeigen, zumal sie unlängst bereits mit ihren «Neue-Mitte»-Plänen in Fürth Schiffbruch erlitten haben. Ein Beleg dafür, dass es das Unternehmen ernst meint mit seinem immer wieder geäußerten Bekenntnis zur Kleeblattstadt: Extrem lukrativ sei der hiesige Markt für Betreiber von attraktiven Einkaufszentren, heißt es.

Daran, das schlingernde City-Center wieder auf Kurs zu bringen, arbeiten Eigentümersprecher und der von ihnen auserkorene Verhandlungsführer Horst Müller seit Monaten mit Hochdruck. Derzeit versucht Müller nach eigenen Angaben täglich mehrere Stunden, die letzten sechs der 351 City-Center-Eigentümer zum Einlenken zu bewegen.

Zunächst hätten manche noch um ihren Anteil am Kuchen gepokert, doch in den vergangenen Tagen wurden laut Müller «sämtliche Problemfälle gelöst», haben alle akzeptiert: Jeder wird den Betrag aus der Kaufsumme bekommen, der seinem Eigentumsanteil am Center entspricht - und keinen Cent mehr. Wie viel Sonae Sierra auf den Tisch legen wird, will noch niemand verraten, doch nach Schätzungen werden 20 bis 30 Millionen Euro fließen. Mindestens 50 Millionen müsste der Käufer danach in den grundlegenden Umbau stecken.

Wer bis dato nicht per Unterschrift grünes Licht gab, hat laut Müller noch «technische Fragen», etwa zur Haftung oder zu anderen Rechtsproblemen. Bizarr: Ein anderer Eigentümer ist als Golfprofi in aller Welt unterwegs und deshalb noch nicht greifbar gewesen. Seine Familie habe aber schon Verkaufsbereitschaft signalisiert. «Keine unüberwindbaren Hürden», bilanziert Müller.

Dennoch bleibt er vorsichtig. Man sei «auf der Zielgeraden, aber es kann noch immer Stolpersteine geben», sagt Müller deshalb - auch wenn er nicht ernsthaft befürchtet, was er als «Supergau» für die Stadt bezeichnet: dass die ehrgeizigen Pläne, wie schon im Fall der «Neuen Mitte», wieder im letzten Moment an Einzelinteressen scheitern.

Es wäre, dessen ist sich Müller sicher, das Aus für den 24 Jahre alten Einkaufstempel. Renovierungsstau und immer mehr Leerstände - «im jetzigen Zustand ist das City-Center dem Untergang geweiht», so der städtische Wirtschaftsreferent. Das habe inzwischen aber auch der letzte Eigentümer begriffen.

Wolfgang Händel

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