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Comödie und Co: Fürths Theaterszene appelliert an die Politik

Sie fordern großzügigere Regelungen für den Spielbetrieb - 11.06.2020 10:00 Uhr

Bayerische Theater dürfen ab Montag unter strengen Auflagen wieder öffnen – der Vorhang im Stadttheater bleibt jedoch geschlossen. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Der Appell der Theaterleute ist eindringlich: "Wir können nicht mehr proben, nicht mehr produzieren, nicht mehr spielen", heißt es. Unter Federführung von Stadttheater-Intendant Werner Müller haben sich vor wenigen Tagen prominente Vertreter der hiesigen Kulturszene zusammengetan. Neben Müller drängen Jutta Czurda, Volker Heißmann und Martin Rassau, Kofferfabrik-Chef Udo Martin sowie das Leitungsduo des freien Theaterensembles Fürther Bagaasch, Ute und Uwe Weiherer, den Rathauschef und den Stadtrat zu unbürokratischen Hilfen.


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Damit wollen sie die Krise überbrücken, um "so früh wie möglich und unter bestmöglichen Bedingungen wieder an den Start gehen zu können". Ziel des Aufrufs mit dem Titel "Erhaltet die Fürther Kultur und Kunst!" ist außerdem, dass die Kleeblattstadt in München Druck macht.

Dabei ist die Öffnung nah: Unter strengen Hygiene- und Abstandsauflagen dürfen ab 15. Juni Theater und Kinos in Bayern wieder aufmachen. Zur Beschränkung der Zuschauerzahl sollen Sitzplätze und ganze -reihen ausgelassen werden. In geschlossenen Räumen liegt die Grenze bei 50 Besuchern – und damit zu niedrig, um im Stadttheater loszulegen, sagt Intendant Werner Müller. Die Lockerungen ab Montag sind seiner Meinung nach "alles andere als ausreichend und erfolgversprechend".

Schon Anfang Mai hatte Müller beschlossen, den Spielbetrieb für den Rest der Saison ruhen zu lassen. In der Comödie sind alle Veranstaltungen bis 20. Juli verschoben oder abgesagt. "Um annähernd unserer Publikumsnachfrage gerecht zu werden", fordert Müller mit Unterstützung der Fürther Theaterleute großzügigere Regelungen.

Kein kommunaler Rettungsschirm

Zwar ist der Brief an den OB sowie die Mitglieder des Stadtrats und Kulturausschusses adressiert, den hiesigen Entscheidern seien jedoch weitestgehend die Hände gebunden, stellt Jung klar. "Wir können keinen kommunalen Rettungsschirm auflegen, weil wir selbst Empfänger sind." Durch die Corona-Krise werden der Stadt, wohl allein im laufenden Jahr Einnahmen in Höhe von 53,5 Millionen Euro fehlen.

Um der Bitte der Theatermacher nachzukommen, habe er sich dafür eingesetzt, dass ihr Appell diverse Abgeordnete und die Regierung von Mittelfranken erreicht, sagt der Rathauschef. Ansbach stehe in engem Kontakt mit München. Die Nöte der Kulturschaffenden sind Jung nicht neu. "Das ist der Bereich, aus dem mich die meisten Hilferufe ereilen." Für die Theaterleute hat er "absolutes Verständnis".

"Regeln dürfen nicht schärfer sein als in der Gastronomie"

Für die strengen Auflagen, unter denen Theater und Kinos wiedereröffnen dürfen, dagegen nicht. Freilich könne er nachvollziehen, dass man "Massenanstürme" vermeiden wolle, aber "die Regeln dürfen nicht schärfer sein als in der Gastronomie".

Ein anderes Beispiel: die Demonstrationen dieser Tage gegen Rassismus, die tausende Menschen anziehen. So wichtig Engagement gegen Rechts sei: "Es ist klar, dass ein Künstler, der gerne vor 200 Leuten spielen würde, da verzweifeln muss."

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Auch Kulturamtsleiterin Gerti Köhn begrüßt den Appell. Sie hält es für wichtig, "dass Fürth ein Zeichen setzt" und darauf hinwirkt, die Kultur im Blick zu behalten. Die Stadt bemühe sich, einzelnen Künstlern auf Anfrage zu helfen. Die Corona-Pandemie habe verdeutlicht, dass es für die freie Szene zu wenig Spielorte gibt, die auch erschwinglich sind. "Da müssen wir besser werden."

Köhn erklärt, dass bayerische Kommunen Kulturschaffenden nicht direkt finanziell unter die Arme greifen dürfen. "Das geht nur mit einer Gegenleistung." Man muss sie also buchen, um ihnen Geld bezahlen zu können. Die Krux dabei: Seit Monaten sind Veranstaltungen verboten – noch bis einschließlich Sonntag.

Luisa Degenhardt, Matthias Boll

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