Corona-Ansteckung im Krankenhaus: Wie groß ist das Risiko?

30.12.2020, 12:00 Uhr
Kittel, Maske, Schutzbrille und -handschuhe: Eine Pflegekraft bereitet sich auf der Intensivstation darauf vor, in ein Patientenzimmer zu gehen.

Kittel, Maske, Schutzbrille und -handschuhe: Eine Pflegekraft bereitet sich auf der Intensivstation darauf vor, in ein Patientenzimmer zu gehen. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Hat sich der Vater mit Corona im Krankenhaus infiziert? Eine Fürther Familie treibt die Frage um, nachdem der Mann, Anfang 80, plötzlich positiv getestet wurde. Weil so ein Verdacht viel Unsicherheit auslöst, haben wir nachgefragt.

Was ist passiert?

Begonnen hat es so: Der Mann kam vor kurzem wegen Magen-Darm-Beschwerden ins Fürther Klinikum. Er wurde am ersten Tag isoliert, ein Corona-Test wurde gemacht, erzählt der Sohn. Tags darauf lag das Ergebnis vor: negativ.

Der Vater kam also auf die normale Station. Besuch bekommen durfte er nicht, seit November gilt ja ein weitreichendes Besuchsverbot. "Er hatte nur Kontakt zum medizinischen Personal, zu Pflege- und Putzkräften", schlussfolgert der Sohn. "Da darf doch nichts passieren!"

Dass der Vater vor der Entlassung nicht noch einmal getestet werden sollte, bevor er nach Hause, zur pflegebedürftigen Mutter zurückkehrte, irritierte die Angehörigen. Sie beharrten auf einem Abstrich – das Ergebnis war positiv. Besorgt fragt sich die Familie nun: "Verbreiten Mitarbeiter des Klinikums das Virus?"

Wie hoch ist das Risiko, sich im Krankenhaus mit Corona anzustecken?

Fakt ist: Auch Beschäftigte des Klinikums infizieren sich mit Corona, das muss nicht einmal am Arbeitsplatz sein, das kann auch im privaten Umfeld geschehen.

Dass sich ein Patient im Krankenhaus ansteckt, lasse sich nicht 100-prozentig ausschließen, sagt Carmen Brückner, Sprecherin des Fürther Klinikums, auf FN-Nachfrage. Man tue aber sehr viel dafür, dass das nicht passiert. Die Wahrscheinlichkeit sei höher, sich im privaten Bereich anzustecken. Denn im Klinikum gelten besonders strenge Hygieneregeln, um Personal und Patienten zu schützen.

Seit Ende Oktober müssen die Beschäftigten beispielsweise bei jedem direkten Patientenkontakt eine FFP2-Maske tragen, unabhängig davon, ob es sich um einen Covid-19-Erkrankten handelt oder nicht. Jenseits des direkten Kontakts muss auf dem gesamten Krankenhausgelände ein Mund-Nase-Schutz getragen werden. Um Infektionen zu erkennen, werden Mitarbeiter zudem regelmäßig getestet.

Wie viele Patienten werden im Fürther Klinikum erst während des Aufenthalts positiv getestet?

Brückner spricht von Einzelfällen. Eine genaue Zahl nennt sie auf Nachfrage nicht. Zwar werden die Fälle im Haus dokumentiert. Jede Zahl, erklärt sie, wäre für die Bürgerinnen und Bürger aber schwierig einzuordnen.


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Im Hinterkopf darf man dabei wohl haben, wofür Ärzte seit Beginn der Corona-Krise sensibilisieren: Es kann fatale Folgen haben, wenn Menschen, die dringend Hilfe brauchen, aus Furcht vor einer Ansteckung nicht in die Notaufnahme kommen. Erst kürzlich haben Herzmediziner wieder an Bürger appelliert, bei Herzbeschwerden auch in der Pandemie nicht zu zögern und den Notruf zu wählen. Jede Minute zähle.

Wird ein Patient zum Corona-Fall, folge ein "Ausbruchsmanagement", sagt Brückner: "Alle, die mit der Person Kontakt hatten, werden alle zwei Tage abgestrichen."

Wie es im Fall des über 80-jährigen Mannes zur Ansteckung kam, lasse sich nicht sagen, so die Sprecherin. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er bereits vor dem ersten, negativen Testergebnis infiziert war. Das ist möglich, wenn beispielsweise der Zeitpunkt des Abstrichs bezogen auf den Krankheitsverlauf ungünstig war. "Wer heute negativ getestet wurde, kann morgen trotzdem positiv sein", sagt sie. "Gleiches gilt für den Zimmernachbarn."

Sollte das Klinikum also noch häufiger testen?

Es teste bereits viel. Jeden jeden Tag zu testen, sei aber nicht möglich. Auch vor der Entlassung wird nicht jeder Patient automatisch überprüft: Ein Abstrich am Ende der stationären Behandlung wird Brückner zufolge dann genommen, wenn ein Verdacht auf eine Covid-19-Infektion besteht oder wenn Heimbewohner in eine Pflegeeinrichtung zurückkehren. Man folge hier den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI).


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Die Beschäftigten werden derweil "in regelmäßigen Abständen" getestet – jene, die mit Risikopatienten zu tun haben, etwa in der Onkologie, häufiger als etwa Kollegen in der Verwaltung. Bei Symptomen werde sofort ein Abstrich genommen und Quarantäne angeordnet, bis ein negatives Ergebnis vorliegt.

Bleiben Patienten bis zum Ende der Quarantäne im Krankenhaus?

Weil die Eltern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung leben und die Mutter pflegebedürftig ist, hatte sich der Sohn im geschilderten Fall gewünscht, dass der Vater, obwohl symptomfrei, bis zum Ende der Quarantäne im Klinikum bleiben kann. Das sei immer eine Fall-zu-Fall-Entscheidung, sagt Brückner.

Die Verantwortlichen betrachten dabei den allgemeinen Gesundheitszustand und die Versorgungssituation zuhause. Sollte eine stationäre Behandlung nicht erforderlich sein, gebe es keinen Grund, den Patienten auf der Station zu behalten. Die Quarantäne muss dann zuhause fortgesetzt werden.