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Corona-Beschränkungen: Fahren die Nürnberger jetzt nach Fürth?

Weil die Infektionslage prekär geworden ist, rückt die Nachbarstadt in den Fokus - 17.10.2020 05:46 Uhr

Anders als in Nürnberg darf man in Fürth ohne Mund-Nase-Bedeckung durch die Fußgängerzone bummeln. Freiwillig trägt aber auch hier so mancher Maske.

© Foto: Hans-Joachim Winckler


Mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 51,9 steht die Corona-Ampel für Nürnberg auf Alarmstufe Rot. Gleich nebenan, in Fürth, scheint die Lage entspannt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt hier, (Stand: Freitag) bei 16,34, mit mehr als 16 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern zeigt die Corona-Ampel für Fürth somit Grün an. Ein Kontrast mit Folgen, denn unter diesen Voraussetzungen ändert sich beim Überqueren der Stadtgrenze einiges.

Ab sofort gilt in der Nürnberger Altstadt eine Maskenpflicht. Durch die Fürther Fußgängerzone kann man weiterhin "ohne" schlendern. In Nürnberg dürfen sich maximal fünf Leute oder zwei Haushalte treffen und bei geschlossenen Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern, Hochzeiten oder Beerdigungen mit bis zu 25 Menschen (Innenräume) bzw. 50 Menschen (im Freien) zusammenkommen, in Fürth können 100 (drinnen) bzw. 200 Leute (draußen) miteinander feiern. Und es gibt weitere Sanktionen wie die Sperrstunde und das Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen ab 22 Uhr, die die Noris treffen, Fürth aber nicht.

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Gelb, Rot, Dunkelrot: Das sind die Corona-Regeln für Bayern

In bayerischen Regionen mit hohen Corona-Zahlen gelten strikte Beschränkungen für private Kontakte. Zudem wird die Maskenpflicht in den betroffenen Städten und Landkreisen deutlich ausgeweitet. Das hat das Kabinett am 15. Oktober 2020 beschlossen und eine Woche später um eine weitere Warnstufe erweitert. Mit den Gegenmaßnahmen geht die Staatsregierung zum Teil über einen gemeinsamen Beschluss von Bund und Länder hinaus. Eine Übersicht.


Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König hat junge Leute gebeten, zum Feiern nicht nach Fürth zu fahren. Ein Appell, den OB Thomas Jung begrüßt ("sehr edel"), dem er aktuell aber nichts entgegenzusetzen habe. So könne Fürth, ohne alarmierende Corona-Datenbasis, nicht einfach ebenfalls ab 22 Uhr den Alkoholkonsum verbieten. Jung sagt, man werde "aufmerksam verfolgen", ob es zu einer 'Überflutung' Fürths "durch Feierwütige" kommt. Im Fall des Falles müsse die Stadt dann beispielsweise mit Platzsperrungen reagieren.


Warnwert überschritten: Diese Corona-Maßnahmen gelten nun in Nürnberg


Dass die Corona-Werte so weit auseinanderklaffen, kann man sich im Fürther Rathaus ebenso wenig erklären wie im Nürnberger oder im Staatlichen Gesundheitsamt Fürth. Jung zeigt sich verwundert, spricht von "Momentaufnahmen, die man wohl nicht überbewerten darf", und mahnt zugleich, Fürth dürfe sich nicht in Sicherheit wiegen.

"Eine plausible Erklärung haben wir nicht dafür", sagt auch Nürnbergs Stadtsprecher Andreas Franke und verweist auf diverse Gelegenheiten, wo sich Leute angesteckt hätten: in Schulen, bei Feiern, in Firmen... Anders verhält es sich mit dem aktuellen Gefälle bei den Corona-Zahlen zwischen Stadt und Landkreis Fürth, wo – eher ungewöhnlich – die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis (27,15) deutlich höher liegt als in der Stadt (16,34).

Fälle im Ankerzentrum

Landratsamtssprecher Christian Ell erklärt die Diskrepanz mit Corona-positiven Personen in einer Einrichtung der Regierung von Mittelfranken. Rechne man diese heraus, seien die Werte "nahezu identisch". Ohne Zahlen zu nennen, bestätigte Regierungssprecher Martin Hartnagel auf Nachfrage, dass es Covid-19-Fälle im Zirndorfer Ankerzentrum für Asylbewerber gibt.


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Wie König appelliert Ell an die Vernunft der Bevölkerung. Motto: Wer in einer roten Zone wohnt, solle nicht zum Feiern in die grüne ausweichen. "Generell gilt, dass nicht alles, was erlaubt ist, auch sein muss."

Und OB Jung fragt, ob die Consumenta sein muss. Nürnberg hat sie noch nicht abgesagt, doch prüfe die Stadt Fürth, ob sie mit einem Stand auf der Messe vertreten sein wird. "Wir überlegen, ob wir das unseren Mitarbeitern zumuten können. Denn dort trifft sich ja ganz Franken."

BIRGIT HEIDINGSFELDER

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