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Corona: Langenzenner Awo-Heim weist Vorwürfe zurück

Anonym haben offenbar Mitarbeiter Hygienemängel angeprangert - Viele Todesfälle - 28.05.2020 20:45 Uhr

Anonym werden gegen das Awo-Heim in Langenzenn Anschuldigungen erhoben. Es sei nicht alles optimal gelaufen, räumt Geschäftsführer Robert Schneider ein. Negative Rückmeldungen habe er aber nicht bekommen. © Foto: Thomas Scherer


Die Corona-Pandemie hatte das Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Langenzenn schwer getroffen: Über die Hälfte der 110 Bewohner waren infiziert, 26 starben. 43 Mitarbeiter wurden ebenfalls positiv getestet. Jetzt wurden anonym Vorwürfe laut, Hygienestandards seien missachtet worden. Berichtet hat dies der Bayerische Rundfunk. Robert Schneider, Geschäftsführer des Heimträgers, der Awo Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, weist das energisch zurück.


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Bis vor vier Tagen seien ihm die Anschuldigungen unbekannt gewesen, sagt Schneider auf FN-Anfrage: "Ich habe keine negativen Rückmeldungen bekommen."

Darum geht es: Angeblich habe es zu Beginn der Infektionswelle Ende März weder Brillen noch Schutzvisiere gegeben, zudem seien die Mitarbeiter nicht in den Gebrauch der Schutzkleidung eingewiesen worden, so die Bezichtigungen. Dazu sagt der Awo-Geschäftsführer: Schutzkleidung habe es immer gegeben. Die Awo habe selbst für über 300.000 Euro Material gekauft, Unterstützung kam auch vom Landkreis Fürth. Problematisch gestaltete sich die Situation nur anfangs bei den Masken. Da habe es geheißen, pro Mitarbeiter pro Schicht eine Maske.

Was die Einweisung in Sachen Schutzkleidung angeht, räumt Schneider ein: "Es mag sein, dass nicht alles optimal gelaufen ist." Allerdings müsse er davon ausgehen, dass jede Pflegekraft wisse, wie Schutzkittel, Handschuhe und Maske zu handhaben seien. Anfang April hatten sich auch zwei Mitarbeiter der Heimaufsicht vor Ort ein Bild gemacht und die Einrichtung mit Blick auf das geforderte Hygienekonzept beraten und unterstützt.

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Im Zusammenhang mit diesem Problem verweist Schneider auch auf die prekäre Personalsituation, die er damals schon schilderte. Von über 80 Stammkräften seien teilweise nur noch 21 im Einsatz gewesen. Das Haus sei mit 110 Bewohnern aber voll belegt gewesen. Einige Führungskräfte und er, sagt Schneider, seien zu dieser Zeit zwölf Stunden und länger vor Ort gewesen. Die Lücken mussten auf die Schnelle gestopft werden, 24 Leiharbeiter wurden verpflichtet. Diese hätten, so der Geschäftsführer, durchaus "einen vernünftigen Eindruck gemacht". Aber es sei eben kein Stammpersonal gewesen, das die Gegebenheiten vor Ort kenne. Anfang April hatte Schneider zudem das offene Betreuungskonzept als einen Faktor genannt, der die Ausbreitung des Virus begünstigte.

Ein weiterer Vorwurf, der im Raum steht: Pflegekräfte hätten infizierte und nicht-infizierte Bewohner behandelt, ohne dass sie ihre Schutzausrüstung wechselten. Das sei so nicht gewesen, erwidert Schneider. Man habe die Bewohner – positiv und negativ getestete – räumlich getrennt. Dass Fehler gemacht wurden, streitet er nicht ab, aber es sei nicht so gewesen, dass die Leute "kreuz und quer lagen".

"Die Menschen waren längst infiziert"

Was den Awo-Geschäftsführer besonders ärgert: Durch die Vorwürfe werde nun der Eindruck erweckt, die Bewohner seien deshalb zu Tode gekommen. "Die Menschen waren schon längst infiziert." Inzwischen sei man infektionsfrei.

Woher die Anschuldigungen kommen, vermag er nicht zu sagen. Nach der sukzessiven Rückkehr der Stammbelegschaft habe man sich jedenfalls von diversen Aushilfskräften wieder getrennt. Mancher hätte gerne einen Anschlussvertrag gehabt. Schneiders Vermutung: "Vielleicht war das eine Retourkutsche."


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