Freitag, 04.12.2020

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Corona: Seniorenheime im Kreis Fürth verschärfen Besuchsregeln

Nach steigenden Infektionszahlen ziehen Häuser Konsequenzen - 26.10.2020 06:00 Uhr

„Das dürfen wir nie wieder tun“: Schilder wie dieses standen im Lockdown sinnbildlich für die unerträgliche Isolation von Senioren.

25.10.2020 © Foto: Edgar Pfrogner


Während das Fürther Stiftungsaltenheim nach den Worten seines Qualitätsmanagement-Beauftragten Thomas Ixmeier seine Sommerregelung beibehält und pro Bewohner am Tag nur einen Besucher für eine Stunde ins Haus lässt, führt die Awo in ihren Pflegeeinrichtungen in Langenzenn und Cadolzburg eine Neuregelung ein. Von heute an dürfen Besucher nicht mehr aufs Zimmer.

Schilder an den Eingängen weisen darauf hin. Wie Robert Schneider, Geschäftsführer der Awo Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sagte, sind Begegnungen nur noch in Besuchszonen erlaubt.

Vor dem Hintergrund, dass die Corona-Ampel im Kreis Fürth seit Donnerstag auf Rot steht und die Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag bei 68,73 lag, sei das der Versuch, bei der Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln etwas mehr Transparenz herzustellen als das hinter geschlossenen Türen möglich ist. Auch das Fürther Klinikum verschärft ab heute seine Besuchsregelungen.

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Laut Schneider ist es schwierig, den älteren Menschen in den Häusern Kontakte zu ihren Lieben zu ermöglichen und zugleich Personal und Bewohner vor dem Virus zu schützen. Pro Tag und Bewohner darf auch bei der Awo nur ein Besucher für eine Stunde kommen – es sei denn, das Treffen findet außer Haus statt. Um Stoßzeiten zu vermeiden, können nach Terminvergabe maximal fünf Senioren parallel Gäste empfangen. Sonderregelungen gibt es für Sterbende.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat am Wochenende einen zweiten Lockdown in wenigen Wochen prophezeit, wenn persönliche Kontakte der Menschen im Land nicht entschlossener beschränkt werden. Dass im Fall des Falles Seniorenheime erneut komplett geschlossen werden, kann sich Schneider nicht vorstellen. Doch ist es nach seinen Erfahrungen täglich aufs Neue eine Herausforderung, das Virus auszusperren.

Eine Herausforderung: Kontaktpersonen der Kategorie zwei

An den vier Standorten in den Landkreisen Fürth und Neustadt/-Bad Windsheim, sagt er, gebe es unter den insgesamt 500 Mitarbeitern "ständig" Kontaktpersonen der Kategorie 2 – also Beschäftigte, deren Kind beispielsweise in Quarantäne ist, weil es dieselbe Klasse besucht wie ein positiv getestetes Kind. Das Gesundheitsamt schicke Eltern in solchen Fällen nicht nach Hause, so Schneider. "Wenn möglich, tun wir das schon." Wenn nicht, müssten die Betreffenden bei der Arbeit FFP-2-Masken tragen.

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Silvia Sander-Brühl, Leiterin des Oberasbacher BRK-Seniorenheims "Willy Bühner", hat wegen der Infektionszahlen im Landkreis bei der Besuchsregelung ebenfalls die Zügel angezogen. Seit Donnerstag darf auch hier nur noch eine Person pro Bewohner und Tag ins Haus. Zum Glück, sagt sie, betreffe das nur eine Handvoll ihrer hundert Bewohner. "Bei den meisten wechseln sich die Angehörigen sowieso ab."

Anders als manche ihrer Schützlinge hält es Sander-Brühl für unwahrscheinlich, dass Heime wieder schließen. Zum einen habe ja der zweimonatige Cut im Frühjahr gezeigt, wie sehr sich der Gesundheitszustand vieler Heimbewohner verschlechtert habe. "Das dürfen wir nie wieder tun." Zum anderen, sagt sie, "kennen wir den Feind, das Virus, inzwischen besser und wissen, dass wir nicht singen sollten.

Hoffen auf Corona-Schnelltests

Awo-Geschäftsführer Schneider verspricht sich viel von Schnelltests, die in 15 Minuten anzeigen, ob ein Besucher Corona-positiv ist. "Aber bisher haben wir halt keine." Auch hofft er, dass der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, möglichst bald seine angekündigte Handlungsempfehlung für Besuchskonzepte präsentiert. "Das würde die Akzeptanz bei den Besuchern erhöhen."

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