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Darum kommt der Veitsbronner Bürgerbus so gut an

Wolf-Dieter Hauck und Michael Rodich über den begehrten Shuttle-Service - 14.03.2019 21:00 Uhr

Michael Rodich (l.) und Wolf-Dieter Hauck sind Teil eines Erfolgsmodells: In den Bürgerbus Veitsbronn steigen rund 114 Menschen pro Woche ein. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Gestartet ist der Bürgerbus im Juli 2017, vor kurzem konnten Sie den 10 000. Fahrgast begrüßen. War mit dieser Resonanz zu rechnen?

Michael Rodich: Also ich war anfangs skeptisch. Aber unsere Erwartungen haben sich mehr als erfüllt. Die Nachfrage ging von Monat zu Monat nach oben, momentan befördern wir rund 114 Menschen pro Woche.

Wolf-Dieter Hauck: Ich habe das vorausgesagt.

 

Woher dieser Optimismus?

Hauck: Weil Mobilität die Lebensqualität älterer oder behinderter Menschen verbessert. Endlich müssen sie nicht mehr andauernd ihre Verwandten oder Nachbarn bitten bzw. belästigen, damit sie beispielsweise zum Arzt und wieder zurückkommen. Das merken wir ganz deutlich. Die Dankbarkeit erschlägt einen fast.

 

Für welche Zwecke nutzen denn die Veitsbronner den Bürgerbus?

Rodich: Der Besuch beim Arzt oder der Physiotherapie steht ganz oben, aber auch Fahrten zum Bahnhof nach Siegelsdorf. Am Donnerstag bringen wir beispielsweise die Kunden der Veitsbronner Tafel zur Ausgabestelle am Veitsbad. Am Freitag steht das Thema Einkauf ganz oben. Und im Sommer müssen die Leute zum Gießen auf den Friedhof.

 

Sie bieten am Sonntag auch bisher wenig nachgefragte Fahrten zum Gottesdienst an. Woran liegt der mangelnde Zuspruch?

Hauck: Das Problem ist, dass wir eine Rundtour durch die Gemeinde machen müssen, um alle Ortsteile abzudecken. Für manche Fahrgäste bedeutet das: Sie sitzen ewig im Bus, bis sie zur Kirche kommen.

Rodich: Der Zuspruch wäre bestimmt größer, wenn wir die Kirchgänger, wie die Fahrgäste unter der Woche, von daheim abholen würden. Aber das ist am Sonntag einfach zeitlich nicht zu schaffen.

 

Im Landkreis gibt es vier Bürgerbusangebote: Im Gegensatz zu Langenzenn fahren Sie, wie auch Wilhermsdorf und Cadolzburg, keine feste Runde. Warum nicht?

Hauck: Ganz am Anfang wollten wir auch Linie fahren, es gab einen Probebetrieb mit drei Runden, ähnlich einem Kleeblatt, die nacheinander abgefahren wurden. Wir haben aber schnell gemerkt, dass es so nicht geht.

 

Welche Gründe sprachen dagegen?

Hauck: Start und Ziel der Fahrten war unser Edeka-Markt. Für jede der drei Schleifen haben wir etwa eine Stunde benötigt. Wenn da jemand einkaufen geht, entstehen lange Wartezeiten von bis zu zwei Stunden. Das konnten wir den Leuten nicht zumuten.

Rodich: Gehbehinderte Menschen müssten außerdem oft relativ weit laufen, um zu den Haltestellen zu kommen. Auf dem Heimweg sind die Fahrgäste dann mit ihren Einkaufssachen bepackt, das funktioniert einfach nicht. Jetzt holen wir die Bürger von der Haustüre ab und setzen sie später auch wieder dort ab.

 

Haben Sie Stammkunden?

Hauck: Auf die Schnelle gerechnet, würde ich sagen, bestimmt zehn. Gerade aus Raindorf und Retzelfembach, also den Ortsteilen, die weiter von Veitsbronn entfernt sind, ist der Zuspruch groß. Nach Kreppendorf beispielsweise fahren wir eher selten.

 

Der Bürgerbusverein hat sich im September 2015 gegründet. Wie ist die Entwicklung?

Hauck: Wir waren damals 13 Leute inzwischen haben wir 88 Mitglieder. Das Herzstück sind unsere 21 Fahrer. Sie sind das A und O, der Dreh- und Angelpunkt. Wenn sie nicht ihre Freizeit opferten und auch ein gewisses Risiko auf sich nähmen, würde nichts laufen.

 

Apropos Risiko, fährt der Bürgerbus bisher unfallfrei?

Hauck: Darum ging es natürlich am Anfang: Wer baut den ersten Unfall? Ich bin als Vorsitzender mit gutem Beispiel vorangegangen und habe den anderen den Druck genommen. Beim Ausparken habe ich bei meinem Privat-Pkw, einem alten Mazda, die Stoßstange abgefahren und damit gleich einen wirtschaftlichen Totalschaden verursacht. Insgesamt ist es glücklicherweise bisher bei vier oder fünf kleinen Blechschäden geblieben.

 

Wie kommt der Bürgerbus finanziell über die Runden?

Rodich: Die jährlichen Unterhaltskosten betragen etwa 10 000 Euro. Wir haben eine Spendenbox im Auto, außerdem sind da die Jahresbeiträge unserer Vereinsmitglieder von 18 Euro pro Kopf, Gelder verschiedener Sponsoren und vor allem auch die Einnahmen für die Werbung auf dem Bus. Momentan zehren wir noch von der 4000-Euro-Spende des Kreisverbandes Fürth des VdK aus dem vergangenen Jahr sowie einer 1000-Euro-Spende der Tafel Deutschland. Falls wir ein Defizit einfahren, würde die Gemeinde einspringen, bisher war das aber nicht der Fall.

 

Wer den Bürgerbus, der nur im Veitsbronner Gemeindegebiet unterwegs ist, nutzen möchte, wählt die 75 20 88 89 oder die 01 57/70 69 38 06. Der Fahrer ist Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr zu erreichen. Nach 30 Sekunden schaltet sich die Mailbox ein. Angeben müssen Anrufer: Namen, Telefonnummer, Datum und Uhrzeit der Fahrt, die Zahl der Fahrgäste, das Ziel und wo sie abgeholt werden möchten. Sich zwei oder drei Tage vorher anzumelden, wäre ideal.

Interview: Harald Ehm

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