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Montag, 17.06.2019

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Das Fürther Stadtmuseum startet durch

Haus in der Ottostraße präsentiert Zeit- und Wirtschaftsgeschichte - Originale und Medienstationen - 26.03.2010

Rührender Auftakt: Die Kuratorinnen Alexandra Herzog (li.) und Ruth Kollinger, der kommissarische Museumschef Gert-Ronald Langer (li.) und Oberbürgermeister Thomas Jung vor einer Teigknetmaschine aus den 30er Jahren. © De Geare


Gut möglich, dass die kleinen Besucher zuerst die Heißprägemaschine ausprobieren, die etwas älteren an den Medienstationen Platz nehmen und die Senioren vor der Teigknetmaschine der Marktplatz-Bäckerei Nagel aus den 30er Jahren verharren werden. Generationenübergreifendes Lernen und Staunen könnte zum Markenzeichen eines Hauses werden, in dem der Nürnberger Architekt Christian Koch - er zeichnet auch für Sonderschauen im Jüdischen Museum verantwortlich - eine klare Raumsprache sowie lichte Grün- und Grautöne fand.

Der Schwerpunkt liegt auf Fürth im 19. und 20. Jahrhundert. »Ein auf viele Arten erlebbares Haus» solle das Stadtmuseum sein, so der kommissarische Leiter Gert-Ronald Langer. Der Verzicht auf eine klassische Rundgang-Dramaturgie und der Vorzug für eine thematische Gliederung überlasse es jedem Besucher, wie tief er einsteigen wolle in die Geschichte der Stadt; sie ist im Erdgeschoss jenes Hauses, in dem Erhard, Wassermann und Schickedanz fürs Leben lernten, dokumentiert »von der Steinzeit bis zur Jetztzeit» (Langer).

Leiste der Ereignisse

Zentrales Element der Dauerausstellung und zugleich Raumteiler ist eine Zeitleiste, die Fürther Ereignisse, globale Begebenheiten und bunte Meldungen vereint. Wann der große Brand die Kleeblattstadt verwüstete - der Besucher erfährt es hier ebenso wie die erste Verwendung von Toilettenpapier in China (825).

Auf sogenannten Zeitinseln zeigt das Museum großformatige Bilddokumente, so etwa den nachweisbar ersten Stadtplan Fürths. Ein eigener Bereich ist zudem der NS-Zeit vorbehalten. Ein Foto zeigt einen »Schlagrahmdampfer» auf dem alten Kanal, am Boot das Schild »Juden Zutritt verboten». Unter Vitrinenglas zu finden: Fürths Kapitulationsurkunde vom 19. April 1945. Rechts der Zeitleiste gibt es übersichtlich gestaltete Vertiefungsräume zur Handwerks- und Industriegeschichte der Kleeblattstadt sowie zu den zehn führenden Unternehmen des Wirtschaftsstandortes Fürth anno 2010.

Namensgeber Ludwig Erhard wiederum hat einen eigenen, allerdings kleinen (Neben-)Raum erhalten, an dessen Ausstattung das Team derzeit noch arbeitet. Schon jetzt zu sehen sind fotografische Dokumente des Ex-Kanzlers und die Filmbiografie von Evi Kurz. Ebenfalls noch im Aufbau ist ein »Learning Center» mit virtuellen Arbeitsplätzen.

Obgleich einige Exponate des »Treffpunkts Geschichte» - so der Titel der Dauerausstellung - schon früher in Schloss Burgfarrnbach zu sehen waren, ist das moderne neue Stadtmuseum mit dem alten überhaupt nicht mehr vergleichbar. Oberbürgermeister Thomas Jung hoffte denn auch gestern, das mit 700 000 Euro ausgestattete Haus werde als Nachfolger der »lieblosen Ansammlung» in Burgfarrnbach zu einer »Initialzündung für die Innenstadt». Er wünsche sich, dass nicht nur die Fürther den Weg in die Ottostraße 2 fänden, sondern auch Besucher von auswärts. Apropos: Eine Beschriftung der Exponate und Vitrinen in englischer Sprache soll es beizeiten geben. Die erste Sonderausstellung zur Eisenbahngeschichte startet Ende April. Führungen durch die Dauerschau gibt es in drei Varianten (30, 60, 90 Minuten), montags ist das Haus geschlossen.

Auf die ersten beiden Öffnungstage (heute von 11 bis 17 Uhr, morgen 13 bis 17 Uhr) folgt am Sonntag der Tag der offenen Tür, an dem zwischen 11 und 17 Uhr kein Eintritt fällig ist; die ersten drei Besucher erhalten eine Familienkarte. Auch das Museumscafé nimmt heute den Betrieb auf. (Weitere Infos auf Seite 5 des FN-Lokalteils, ein Video ist ab heute unter www.fuerther-nachrichten.de zu sehen) 

Matthias Boll

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